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Kampnagel: Schrille Zschäpe-Show zum Festivalstart

Hamburg Kampnagel: Schrille Zschäpe-Show zum Festivalstart

Tina Keserovic überrascht in der Rolle der vor Gericht stehenden deutschen Rechtsterroristin.

Hamburg. Mit seiner multimedialen Quiz-Show „Wie das Lächeln aus dem Gesicht von Beate Zschäpe verschwindet“ hat Branko Simic das „KRASS — Kultur Crash Festival“ auf Kampnagel in Hamburg eröffnet.

Am Anfang will man sich unwillkürlich die Augen reiben — denn da scheint Beate Zschäpe persönlich die Spielfläche der Hamburger Kampnagelfabrik zu betreten. So sehr ähnelt die Akteurin Tina Keserovic der in München vor Gericht stehenden deutschen Rechtsterroristin. Mit versteinerter Miene, in schwarzem Anzug und dickem Raubtierdruck-Schal steht die 1987 in Kroatien geborene Keserovic im Lichtkegel. Und wird gefilmt, wenn sie mit mitteldeutschem Zungenschlag Original-Prozessaussagen vorliest.

Darin leugnet das sonst so verschwiegene mutmaßliche NSU-Mitglied die Beteiligung an den Überfällen und Morden, die auch den toten Kumpeln Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos angelastet werden. Im Laufe einer fiktiven Fernseh-Quizsendung wird sich das zierliche Zschäpe-Double dann mit „Piccolöchen“ der Marke „Rotkäppchen“ volllaufen lassen und sich enthemmt bis auf Unterhemd und Boxershorts ausziehen. Um gegen Ende das braune Kleid und den Trachtenhut anzuziehen, die der wendige Moderator (der Zauberer und Entertainer Manuel Muerte) überreicht. Der wiederum trägt irgendwann — Achtung: Ironie — den roten Fez eines Muslims.

Dieses Geschehen ist eingebettet in die schrille interaktive Multimediashow „Wie das Lächeln aus dem Gesicht von Beate Zschäpe verschwindet“ des Regisseurs Branko Simic. Bei der Uraufführung am Donnerstagabend gab es viel Beifall vom meist jungen Publikum in der nicht ausverkauften Kampnagelhalle.

Mit der in ihrer Form angeblich an ein beliebtes Fernseh-Quiz im damaligen Jugoslawien angelehnten Produktion eröffnete Simic dort zugleich als Kurator das diesjährige „KRASS — Kultur Crash Festival“. Bis 6. März präsentiert er 18 Stücke, Installationen und Konzerte zu den Themen Migration und Fremdenfeindlichkeit.

Festival bis 6. März, Kartentelefon 040/270949-49. Kampnagel, Jarrestraße 20, 22303 Hamburg. www.kampnagel.de

Ulrike Cordes

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