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Kinder? Nein, danke!

Kinder? Nein, danke!

Kerstin Herrnkind hat eine Streitschrift gegen die Diskriminierung Kinderloser verfasst.

Lübeck. Drei Kinder sollen Frauen bekommen, mindestens. Und wer Recep Tayyip Erdogan noch mehr Freude machen will, sollte schon an das vierte denken.

 

LN-Bild

Die Türkei ist nicht die Bundesrepublik, was für ein Glück. Aber der Zwang zum Kinderkriegen ist auch hier zu spüren, sagt Kerstin Herrnkind. Mehr noch, es gebe gar eine „Hatz“ auf Kinderlose, klagt die preisgekrönte „Stern“-Journalistin. Sie hat ein Buch darüber geschrieben, „Vögeln fürs Vaterland? Nein, danke!“ heißt es, und sie scheut darin – „Lasst uns zusammenhalten, Leute“ – keinen lockeren Ton.

Die Autorin, Jahrgang 1965, hat selbst keine Kinder. Sie bereue das, schreibt sie, „manchmal ja“. Aber es hat nun mal nicht sollen sein. Sie kann jedoch nicht akzeptieren und beklagt vehement, dass Menschen wie sie für ihre Kinderlosigkeit bestraft werden sollen. Ihr Buch ist denn auch als Streitschrift wider eine Diskriminierung durch Politik und Gesellschaft zu sehen. Sie selbst spricht von einem „feministischen Aufschrei“.

Sie wehrt sich dagegen, dass Eltern ein Familienwahlrecht erhalten sollen. Sie beklagt Ungerechtigkeiten beim Ehegattensplitting und Vorschläge wie den des Ex-Verfassungsrichters Udo di Fabio, Kinderlosen die Rente zu kürzen. Sie erinnert daran, dass manche heutigen Pläne ihre Vorläufer im Nationalsozialismus haben. Sie kritisiert, dass die Rentenkasse für andere Zwecke geplündert wird und ausgerechnet Abgeordnete nichts in diese Kasse einzahlen müssen. Und sie lässt immer wieder Betroffene erzählen.

Menschen wie Silke sind das, 49 Jahre alt, die gern Kinder gehabt hätte, aber keinen Vater dafür gefunden hat und sehr darunter leidet. Aber es sind auch Menschen wie Robert, 58, der kinderlos ist und froh, keine Familie zu haben.

Das ist eine rechte Bandbreite, wie im richtigen Leben halt. Und es ist in der Tat Aufgabe der Politik, für diese unterschiedlichen Lebensentwürfe einen Rahmen zu schaffen, der eine freie Entscheidung aller ohne Benachteiligung einzelner ermöglicht. Das Buch zeigt trotz aller Zuspitzung auf, wo dies bisher nicht gelungen ist.

„Vögeln fürs Vaterland? Nein, danke!“ von Kerstin Herrnkind, Westend-Verlag, 207 Seiten, 18 Euro.

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