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Klaußner singt — über Liebe, Trauer, Treue

Lübeck Klaußner singt — über Liebe, Trauer, Treue

Der Schauspieler gastierte am Theater Lübeck mit einem Programm über den Franzosen Charles Trenet.

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Singen als Lebenstrost: Burghart Klaußner (66).

Quelle: Martin Steffen

Lübeck. Der Saal ist voll, das Publikum gespannt. Burghart Klaußner, Theater-, Fernseh-, Filmschauspieler und Regisseur stellt sich am Sonntagabend in den Kammerspielen des Theaters Lübeck als Sänger vor. Chansons des Franzosen Charles Trenet (1913-2001) stehen auf dem Programm. Es ist ein Abend, der in einem Grenzgebiet zwischen Schmerz und Verzweiflung einerseits und Komik andererseits spielt, dargeboten von einem Burghart Klaußner, den zumindest im Publikum kaum jemand jemals so ausgelassen erlebt haben dürfte.

Wer war Charles Trenet? Man kennt „La mer“, sein berühmtestes Chanson, vielleicht auch noch „Que reste-t-il de nos amours?“ (Was bleibt von unseren Liebesbeziehungen?). Klaußner klärt auf. Ein großer, blonder, blauäugiger Mann sei Trenet gewesen, „ein typischer Südfranzose“. Ende der 1930er Jahre, in einer Zeit von Hunger, Kriegsangst und Klassenkampf, „hat er ein fröhliches Lied nach dem anderen geschrieben“.

Der Abend ist nach einem seiner Chansons benannt. „Je chante“ (ich singe). Mit diesem Lied beginnt Klaußner — allerdings erst nach einer Einführung. Das allererste Chanson ist „Douce France“ (Süßes Frankreich), denn der Abend ist Frankreich gewidmet, das von Irrsinnigen bedroht sei, wie Klaußner sagt — die terroristischen Anschläge in Paris seien ja erst drei Monate her. Blitzschnell kann er von einem Modus in den anderen wechseln. Ging es eben noch um Terror, wird wenig später herumgealbert. Mit seiner sechsköpfigen Band, von Klaußner etwas großspurig als Bigband vorgestellt, brennt er ein Feuerwerk ab, das die Leute von den Stühlen reißt. Der Witz, der Trenets Chansons innewohnt, ist ihm offenbar nicht genug. Er erzählt Judenwitze, umschmeichelt und verspottet Lübeck (mit seinem Auftritt hier gehe „ein Lebenstraum in Erfüllung“), spielt Kasperletheater für Erwachsene: Bei der Vorstellung seiner Musiker übergeht er den Schlagzeuger, worauf sich prompt Stimmen im Publikum erheben.

In „Je chante“ geht es um einen, der singt, was immer auch geschieht. Der Titel ist Programm, Klaußner auch als Sänger ein Erlebnis. Er singt über Liebe, Trauer, Treue — fast immer auch mit vollem Körpereinsatz —, tanzt, steppt, springt, hüpft, gestikuliert. Auch als Sänger bleibt Klaußner Schauspieler, ein Mime. Man könnte den Ton abdrehen und wüsste doch immer genau, worum es gerade geht.

Nach knapp eineinhalb Stunden verlässt er die Bühne. Das beglückte Publikum aber will mehr — und bekommt noch ein Abschiedslied: „Je chante“. Dann ist wirklich Schluss. Und man weiß nicht so genau, wem der Abend mehr Spaß gemacht hat: dem Publikum oder den Künstlern.

Liliane Jolitz

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