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Kleine Leute mit Charakter

Lübeck Kleine Leute mit Charakter

Kunstvolle Figuren, besondere Bühnen und ihre kreativen Erschaffer sind das Thema des vierten Figurentheater-Festivals in Lübeck.

Er ist ihr Spieler und Schöpfer: Neville Tranter mit seinen selbst kreierten Klappmaulfiguren in dem Stück „Mathilde“.

Lübeck. Sie erschaffen die „Stars“ auf der Puppenbühne. Aus Holz, Pappmaschee oder Filz kreieren Figurenbildner einzigartige Charaktere, die auf der Bühne zum Leben erweckt werden. Doch ihr Anteil an der Inszenierung gerät häufig in den Hintergrund. Beim vierten Figurentheater-Festival in Lübeck soll ihre Arbeit daher besonders beachtet werden. Unter dem Titel „Figuren Theater Gestaltung“ präsentieren über 30 Gastbühnen und das Ensemble des Figurentheaters Lübecks vom 1. bis zum 30. Oktober Inszenierungen mit ausgewählten Figurenbildnern und ungewöhnlichen Ausstattungsideen.

LN-Bild

Sie erschaffen die „Stars“ auf der Puppenbühne. Aus Holz, Pappmaschee oder Filz kreieren Figurenbildner einzigartige Charaktere, die auf der Bühne zum Leben erweckt werden.

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Mit dem australischen Puppenspieler Neville Tranter tritt zum Auftakt des Festivals ein Künstler auf, der den Beruf des Puppenspielers und Figurenbildners vereint. Seine großen Klappmaulfiguren konzipiert und baut er stets selbst. In dem Stück „Mathilde“ stellt er mit ihnen die Sehnsüchte, Hoffnungen und Zweifel von Menschen im Altersheim dar. Es wird zur Eröffnung des Figurentheater-Festivals am Sonnabend, 1. Oktober, gespielt.

Auch die Komödie „Die Berliner Stadtmusikanten“ am Mittwoch, 19. Oktober, beschäftigt sich mit dem Älterwerden. Darin werden die vier Tiere in einem Altenheim in der Uckermark von ihrem schlechtgelaunten und gierigen Pflegepersonal gegängelt. So beschließen die vier, nach Berlin auszureißen, um dort Stadtmusikanten zu werden. Die Kuh, der Wolf, die Katze und der Spatz als die „neuen“ Stadtmusikanten hat die Bremer Figurenbildnerin Mechtild Nienaber gestaltet.

Diskriminierung im Alter, Feminismus oder Tierschutz – die insgesamt 36 Inszenierungen beschäftigen sich mit gesellschaftlichen Problemen. In dem Stück „Vögel“ (2. Oktober) hat Stephan Wunsch beispielsweise filigrane Marionetten geschaffen, die ausgestorbene Vogelarten darstellen. Untermalt mit Klavierimprovisationen lässt er die Figuren stumm, aber mit kunstvollen Bewegungen über die Bühne fliegen.

Die Gastbühnen beschäftigen sich auch mit klassischen Stoffen wie Wilhelm Shakespeares „Hamlet“, „The Beggar’s Opera“ von John Gay oder „Don Quijote“, jedoch aus einem neuen Blickwinkel. So wird in „Prinz Hamlet“(15. Oktober) die Geschichte aus der Sicht der Spielzeuge des jungen Prinzen erzählt.

Neben besonderen Puppen werden auch ungewöhnliche Ausstattungsideen und Umsetzungen gezeigt. „Fantasien zu Paul Klee“ setzt sich mit dem Expressionisten, der selbst auch Handpuppen baute, auseinander und bindet seine Werke in das Stück ein. Beim Schattentheater „17 Sätze über das Licht“ (13. Oktober) schafft Norbert Götz mit Hilfe von Schatten und Reflexionen eine spannende Lichtchoreografie, die durch kurze Sätze zum Thema Licht untermalt werden. Bei „Was Rotkäppchen schon immer über Sex wissen wollte“ passt der Spielort zum Thema: Das Stück spielt im Bett.

„Die Arbeit der Figurenbildner und Bühnenbildner ist maßgeblich für eine gelungene Inszenierung“, sagt der künstlerische Leiter des Lübecker Figurentheaters, Stephan Schlafke. Jede Figur habe eine eigene Identität und werde in enger Zusammenarbeit mit der Regie nur für ein Stück hergestellt. „Viele Besucher haben uns nach der Entstehung der Figuren gefragt.“ Daher habe man Figurenbildner in den Fokus stellen wollen. Ergänzt wird das Thema des Festivals durch die Ausstellung im Theaterfiguren-Museum, die bekannte Puppen wie Samson und Tiffy aus der Sesamstraße zeigt. Die Figurenbildner selbst erzählen bei dem Symposium „Ausgedacht und Handgemacht“ von ihrer Arbeit. Im Programm für Kinder sind unter anderen das Stück „Ronja Räubertochter“ nach Astrid Lindgren, das Grimm-Märchen „Prinzessin Allerleirauh“ und ein Streifzug durch das Leben des Malers Friedensreich Hundertwasser „Der Hundertwisser“ zu sehen.

35 Inszenierungen

Eröffnung des Figurentheater-Festivals (1. bis 31. Oktober) ist am Sonnabend um 18 Uhr im Figurentheater Lübeck, Kolk 20-22. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig kommt zur ersten Vorstellung und zu einer Preis-Verleihung: Die Possehl-Stiftung wird vom Verband Deutscher Puppentheater mit der Skulptur „Die spielende Hand“ ausgezeichnet.

Karten für die 35 Inszenierungen gibt es im Figurentheater, über das Portal „lübeckticket“ sowie an allen Vorverkaufsstellen.

 Alessandra Röder

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