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Kultur im Norden „Meine Sprache ist Klezmer“
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17:02 09.10.2018
Jakob Lakner liebt Klezmermusik. Der gebürtige Rostocker lebt inzwischen als freischaffender Musiker in München  Quelle: Christian Bendel
Lübeck

Der Name ist ein Zungenbrecher, die Musik geht in die Beine und ins Herz – innerhalb von zehn Jahren hat die Band Yxalag sich eine treue Fangemeinde erspielt. Wir haben mit dem Bandgründer Jakob Lakner, geboren 1988 in Rostock, über die Anfänge, seine Liebe zu Klezmer und Jazz, das Erwachsenwerden und die Müchner Wiesn gesprochen.

Vor zehn Jahren haben Sie die Klezmerband Yxalag in Lübeck gegründet – das Jubiläumskonzert findet wieder hier statt. Ist Lübeck etwas Besonderes für Sie?

Lübeck ist auf jeden Fall etwas Besonderes, gerade zum Jubiläum. Dann werden auch einige Musiker noch mal mitspielen, die nicht mehr in der Band sind, wie Julian Grebe an der Percussion.

Wie kam es denn 2008 zu der Bandgründung?

Ich habe damals mit dem Studium an der Musikhochschule angefangen und erst mal in ganz unterschiedlichen Ensembles gespielt. Professor Bernd Ruf, der wie ich Klarinette spielt, hat mich ermutigt, hier eine Klezmerband zu gründen. Ich hatte als Schüler bereits in Rostock in der Gruppe Halb&Halb Klezmer gespielt. Dann habe ich einige Kommilitonen gefragt, und so hat es sich ergeben. 

 Den Zungenbrecher Yxalag müssen Sie erklären.

Dies ist tatsächlich ein schlecht gehütetes Bandgeheimnis. Wenn man das Wort betrachtet und etwas damit spielt, kommt man auf ein englisches Wort, welches zu zahlreichen Interpretationsmöglichkeiten hinreißen lässt. Viel Spaß beim Knobeln an dieser Stelle!

 Was war das Ziel – ein Studentenprojekt oder eine erfolgreiche Band zu etablieren?

Ursprünglich wollten wir uns in erster Linie mit dieser besonderen Stilistik auseinandersetzen, dann folgten natürlich Auftritte im Hochschulrahmen, die sehr viel Anklang fanden, und schließlich kam die erste Anfrage für ein Konzert in Rendsburg, für das wir dann ein ganzes Programm auf die Beine gestellt haben. Alles weitere hat sich dann mit der Zeit ergeben. Ein wichtiger Meilenstein war dafür natürlich unsere allererste CD – nun haben wir bereits unser viertes Album veröffentlicht und inzwischen sind wir in vielen Regionen bekannt und immer wieder herzlich willkommen. 

 Das Studium ist vorbei, Sie leben und arbeiten inzwischen in München als freischaffender Musiker. Was machen die anderen?

Der Bassist Ulrich Neumann-Cosel ist bei den Münchner Philharmonikern, Juliane Färber in Berlin beim Rundfunksinfonieorchester. Die anderen sind in Lübeck geblieben: Kayako Bruckmann ist Geigerin am Lübecker Theater, Nele Schmidt im Dogma Chambers Orchestra und unterrichtet an vielen Musikschulen. Nikolas Kücken ist Gitarrenpädagoge und Luka Stankovic spielt in verschiedenen Orchestern Schleswig-Holsteins und unterrichtet. 

 Bei so vielen unterschiedlichen Projekten – wie bekommt man da gemeinsamen Auftritte und eine CD-Produktion hin?

Früher haben wir wöchentlich geprobt, heute geht es natürlich nur mit langfristiger Planung. Wir besprechen unsere Termine mindestens ein Jahr im Voraus und planen jetzt schon die Termine für Anfang 2020. Unsere neue CD „Fun Tashlikh“ haben wir Anfang März aufgenommen. Meistens erarbeiten wir im Rahmen einer Tournee neues Repertoire, und wenn sich genügend angesammelt hat, planen wir natürlich ein neues Album.

 Wie würden Sie die neue CD beschreiben – hat sich Yxalag auf neue Wege begeben?

 Natürlich haben wir uns in den letzten zehn Jahren durchaus weiterentwickelt. Wir sind möglicherweise etwas erwachsener geworden. Unsere Musik ist vielleicht nicht mehr ganz so verspielt wie am Anfang, aber ich finde dafür etwas stringenter und viel stilsicherer als früher. Dennoch haben wir auch bei unserem Album „Fun Tashlikh“ zahlreiche Farben und Stimmungen eingefangen wie eh und je. Ich bin sehr glücklich mit dieser Einspielung und freue mich daher natürlich umso mehr auf diese Promotion-Tour im Oktober 2018!

 Haben Sie auch wieder selbst komponiert?

Ja, ich habe unter anderem Jazz-Komposition studiert und schreibe und arrangiere recht viel. Das macht mir wirklich Spaß, da bringe ich mich gerne ein. Aber die endgültigen Abläufe und einige Details entstehen oft erst während der Proben oder nach Konzerten, wenn wir über die Musik sprechen.

Klezmer für Kinder

Zum Bandjubiläum gibt es gleichzeitig eine Premiere zu feiern: In dem eigens für sie geschriebenen Familienkonzert will die Band mit einer fantasievollen und spannenden Geschichte Familien dazu einladen, sich in die Welt des Klezmers entführen zu lassen. Jakob Lakner erzählt das Märchen von Miloš, der auf seiner magischen Reise zahlreiche Herausforderungen meistern muss. Immer dabei hat er zum Glück seine Klarinette, die ganz unerwartete Fähigkeiten entwickelt und den Prinzen Miloš damit aus so manchem Schlamassel rettet.

Musikalisch begleitet wird die Geschichte, die auf kindgerechte Weise das Thema Heimat behandelt, von Hits aus der zehnjährigen Bandgeschichte von Yxalag. Text und Idee stammen von der in München lebenden Musikvermittlerin Maxie von Neumann-Cosel. Sie kennt die sieben Musiker und ihre Musik seit der gemeinsamen Studienzeit in Lübeck und hat ihnen das Stück somit auf den Leib geschrieben. Der Lübecker Schauspieler Jonas Nay hat Miloš für die Hörbuchaufnahme seine Stimme geliehen.

Konzert: 14. Oktober, 11 Uhr, Kolosseum Lübeck, CD: „Miloš mit der Klarinette“, empfohlen für Kinder ab sechs Jahren

Wer hat bei Ihnen die Liebe zur Musik geweckt?

Meine Eltern haben mich da früh gefördert und Angebote gemacht, daher war Musik für mich immer etwas ganz natürliches. Inspiriert haben mich Jazz-Aufnahmen und ältere Rockmusik, das was bei uns an Kassetten und CDs eben zu finden war. Aber wegweisend war da vor allem mein Klarinettenlehrer Jürgen Plato vom Rostocker Konservatorium.

Was fasziniert Sie an Klezmer und Jazz?

Mein Klarinettenlehrer hat mich darauf gebracht. Er spielt selbst viel Klezmermusik und Jazz, obwohl er von der klassischen Musik kommt. Er arbeitet mit Improvisation in den unterschiedlichsten Kontexten, arbeitet dahingehend auch viel mit Kindern und Erwachsenen, das fand ich ziemlich inspirierend. Dann habe ich eine Giora Feidman-CD bekommen und diese rauf und runter gehört und war fasziniert, wie die Klarinette in dieser Stilistik  agieren kann – wie sie lachen und weinen kann. In anderen Musikrichtungen gibt es viel mehr Begrenzungen. In dieser Musik habe ich meine Sprache gefunden, weil alles an euphorischen Spielweisen möglich ist. 

 Was war nach dem Studium Ihr Ziel?

Der ursprünglicher Plan war, wie mein Klarinettenlehrer in erster Linie zu unterrichten und Konzerte und Mucken zu spielen, also schon dieses Leben eines freischaffenden Musikers. Dieser Plan ist auch ziemlich genauso aufgegangen. Ich spiele mit diversen Bands zu den unterschiedlichsten Anlässen und kann es mir leisten, nur einige wenige Schüler zu unterrichten. Ich unterrichte zwar sehr gerne, da man dabei ziemlich viel lernt und Probleme, die die Schüler mitbringen, neu reflektiert. Aber da ich auch kleine Kinder habe, schaue ich, dass mein Terminkalender immer noch Platz für meine Familie lässt, diese Selbstbestimmtheit ist eine der schönen Dinge an diesem Beruf.

Und Sie haben mit dem Monaco Swing Ensemble auf dem Oktoberfest gespielt – klingt ein bisschen gruselig.

Ich bin zwar kein großer Fan vom Oktoberfest, aber der historische Teil, die „Oide Wiesn“, ist sehr sehenswert. Im Herzkasperl-Zelt gibt es ein recht alternatives Musikprogramm. Wir haben zum dritten Mal dort Swing gespielt, im Wechsel mit einer traditionellen Blaskapelle. Dort ist eine sehr tolle Atmosphäre und es macht richtig Spaß, die Bühne vor einem tanzwütigen Publikum zu rocken. Das Monaco Swing Ensemble ist übrigens meine Gypsy-Swing-Band aus München, mit denen ich auch schon hier oben im Norden war und mit der ich das nächste mal im April 2019 wieder zu erleben sein werde.

 Abgesehen von der Wiesn – was reizt Sie musikalisch?

Ich würde gerne mehr auf alternativen Festivals spielen, in Rudolstadt zum Beispiel gibt es das größte Folk-Roots-Weltmusik-Festival Deutschlands,  das würde mich sehr reizen. Mein großer Wunsch ist es, dass die Kreativität sich mit den Jahren nicht abbaut, sondern eher weiter zunimmt. 

Termine:

11. Oktober Bad Oldesloe, KUB, 20 Uhr

12. Oktober, Itzehoe, St. Laurentii Kirche, 19.30 Uhr

13. Oktober, Lübeck, Kolosseum, 20 Uhr

14. Oktober, Kolosseum, 11 Uhr

 

Petra Haase

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