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Kultur im Norden Königin der Hanse
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10:28 07.01.2019
Fasziniert von der Hanse und ihrer Geschichte: Dr. Angela Huang. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Könnte Sie eine Zeitreise machen, sie würde sich zurück ins 15. Jahrhundert beamen und wäre dort wahrscheinlich eine Weberin. „Aber erst nach der Pest“, sagt Dr. Angela Huang und lacht, während sie durch die Ausstellung geht und hier etwas zur Geschichte der Hanse erklärt und dort etwas aus Lübecks alten Zeiten vorstellt.

Seit Juli 2017 leitet Huang im Hansemuseum die „Forschungsstelle für die Geschichte der Hanse und des Ostseeraumes“. „Der lange Titel ist typisch deutsch“, erklärt sie. „Aber die Stelle ist ziemlich einzigartig, vor allem, weil sie nicht an eine Uni sondern direkt an ein Museum angeschlossen ist.

Huang fällt ihr nicht leicht, den Blick von den einzelnen Stationen der Ausstellung abzuwenden. Immer wieder bleibt sie an einer Tafel stehen oder demonstriert mit digitaler Hilfe, wie faszinierend die Hanse in ihrer Entstehung, ihrer Größe und ihrem Einfluss auf das heutige Lübeck und den Ostseeraum war - in historischem wie auch sozialwirtschaftlichem Kontext.

„Wussten Sie, dass Köln eine der ersten Hansestädte überhaupt war? Sehen Sie, ich auch nicht“, erzählt Huang. Neben der Städteentwicklung hat es Huang vor allem die Textilien und die Textilwirtschaft zur Zeit der Hanse angetan, ihre Doktorarbeit handelt von diesem Thema, deshalb eben wäre sie gern eine Weberin, könnte sie sich in diese Zeit zurückbeamen.

Neben der Städteentwicklung hat es Huang vor allem die Textilwirtschaft zur Zeit der Hanse angetan – hier demonstriert sie die Webkunst aus dem 16. Jahrhundert. Quelle: Lutz Roessler

Prägende Wirtschaftskultur vom 12. bis zum 17. Jahrhundert

Ursprünglich war die Hanse ein Zusammenschluss von Kaufleuten zum Schutz auf Handelsreisen. Die Vorgeschichte beginnt im 12. Jahrhundert, erklärt Huang. „Die auslaufende Phase war im 17. Jahrhundert. Als die alten Handelswege dann sicherer wurden, wurde der Bund auch zur Abwicklung von Geschäften genutzt. „Eine Mitgliedschaft in der Hanse brachte auch gesellschaftliche Privilegien, ein Kaufmann, der Mitglied der Hanse war, stieg schnell in eine hohe Position im Rat auf“, sagt Huang und kommt aus dem Erzählen kaum heraus, während sie auf eine digitale Tafel schaut und auf den riesigen Raum zeigt, den die Hanse einst umfasste.

Von Nowgorod im heutigen Russland bis Brügge in Belgien, von Flandern bis Finnland. Der Verbund war riesig. Es gibt also viel zu forschen auf dem Gebiet. Vor allem in Lübeck.

Hätten Sie’s gewusst? Interessante Fakten rund um die Hanse

„Hansa“ ist die altdeutsche Bezeichnung für eine Schar oder Gruppe – die Farben der Hanse sind weiß und rot und finden sich heute noch in den Stadtwappen vieler Hansestädte. Selbst im Logo des 1. FC Köln verweisen die Farben auf die ehemalige Zugehörigkeit Kölns zur Hanse.

In den Zeiten ihrer größten Ausdehnung waren Hunderte See- und Binnenstädte des nördlichen Europas in der Städtehanse zusammengeschlossen. Die Hanse bot ihren Mitgliedern Schutz im Ausland, vertrat ihre Handelsbelange gegenüber fremden Machthabern, verschaffte ihren Mitgliedern Handelsprivilegien (Zollbefreiung) und entschied Streitigkeiten ihrer Mitglieder.

Die bedeutendsten Hansestädte lagen jedoch vor allem an der Ostsee, zum Teil auch an der Nordsee und verfügten über einen Hafen. In den Autokennzeichen von Lübeck, Hamburg und Bremen steht das „H“ für Hansestadt.

Die Pionierstellung der Hanse wurde im 15. Jahrhundert durch holländische und englische Kaufleute gebrochen. Dies läutete den schleichenden Untergang der Hanse als Wirtschaftsmacht ein, obwohl sie offiziell noch bis ins 17. Jahrhundert hinein bestand.

Was aber mag eine 35-Jährige Doktorin mit taiwanesischen Wurzeln, die in Nürnberg studiert und in Kopenhagen und London promoviert und Forschungsprojekte geleitet hat, so sehr an der Hanse faszinieren? „Ich habe mich schon in meinem Geschichtsstudium sehr intensiv damit beschäftigt, erzählt Huang. „Mehr oder weniger durch Zufall, weil es bei uns einen Professor gab, der Hansegeschichte lehrte – und mich dafür begeisterte.“

Huang begeisterte sich vor allem für die „Strukturen und den Zusammenschluss von Akteuren auf einer so großen Ebene“. Und welche Rolle spielt Lübeck in diesem Zusammenschluss? „Es heißt nicht umsonst Königin der Hanse“, sagt Huang.

Lübeck als größte Stadt im Ostseeraum

Die Gründung Lübecks 1143 war prägend für die Entwicklung der Hanse, weil Lübeck die erste deutsche Stadt an der Ostsee mit sicheren Verbindungen zum Hinterland war. Der Zugang zum Meer ermöglichte einen Handel zwischen den rohstoffreichen Gebieten Nordrusslands wie Getreide, Holz, Felle oder Pelze und den Ländern Westeuropas mit seinen Fertigprodukten wie Tuche oder Wein. „Ist das nicht toll?“, fragt Huang. „Und da gibt es viel zu Erforschen.“    

Zum Beispiel die„Hanserezesse“, jene Dokumente, die die Verkäufe und Beschlüsse in der Hansezeit protokollieren. Oder die„Tagfahrten“, in denen sich die Hansestädte zusammenschlossen und die Interessen der Kaufleute vertraten. „Es gibt so viel Spannendes und im Austausch mit anderen Vereinen und Forschungsstätten zu kommunizieren“, erzählt Huang begeistert. „Es gibt noch so viele nicht edierte Quellen, vor allem nach 1535.“

In der Bücherei des Hansemuseums sucht Dr. Angela Huang immer wieder nach Quellen und Dokumenten für ihre Forschungsarbeit. Quelle: Lutz Roessler

Suchen. Lesen. Hängenbleiben. Weitersuchen. Finden. Aufarbeiten. Editieren. Kommunizieren. Das beschreibt Huangs Tätigkeit im Großen und Ganzen. Das auch ist der Arbeitstitel des Hansischen Geschichtsvereins, der diese Forschung ermöglicht. Huang möchte die Hanse wieder greifbar, möchte ihre Vergangenheit und Auswirkung erlebbar machen. Sie möchte selbst noch so viel mehr wissen über diesen Zusammenschluss, der sie so sehr fasziniert.

Und das in Lübeck – der Stadt, in der Huang lebt und in der man den Geist der Hanse beinah greifen kann, so sehr ist er bis heute in den Gassen und Gängen und der Kultur der Bewohner verankert, die sich gern auf ihre Tradition berufen.

„Durch diese Stadt zu laufen, ist ein Gefühl, das ich schwer beschreiben kann“, sagt Huang. Auf die Frage, ob die Hanseaten wirklich so arrogant sind, wie man gerne sagt, kommt eine augenzwinkernde Gegenfrage: „Sind Sie schon mal in München gewesen?“

Schabnam Tafazoli

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