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Kultur im Norden Kokoschka trifft den Nerv der Stadt
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16:40 10.11.2017
Der Senat der Hansestadt hatte Oskar Kokoschka (1886 – 1980) beauftragt, eine Stadtansicht zu malen. Die „Jakobikirche in Lübeck“ (Öl auf Leinwand) entstand 1958. Quelle: Behnhaus
Lübeck

Lübeck im Bild festzuhalten und die markante Stadtsilhouette mit ihren sieben Türmen darzustellen, hat über die Jahrhunderte zahlreiche Künstler herausgefordert. Mit der Kunst der Moderne tritt seit dem 19. Jahrhundert neben die Gesamtschau auch der Blick aufs Detail. Eines der letzten klassisch-repräsentativen Stadtbilder malte Oskar Kokoschka 1958 im Auftrag des Senats der Hansestadt Lübeck zur „Bereicherung des Behnhauses“.

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Kokoschka genoss den Ruf als herausragender Maler von Städtebildern. Der damals 72-jährige Maler kam Ende August 1958 zusammen mit seiner Gattin nach Lübeck und machte sich sogleich auf die Suche nach dem passenden Motiv. Der Kunsthistoriker Gustav Lindtke betreute Kokoschka seitens der Museen bei der Stadterkundung und erinnerte sich später: „Der bekannte Wakenitzblick auf die Türme, beziehungsweise damals Turmstümpfe der Stadt, schien ihn als ‚gar zu konventionell’ nicht sonderlich zu beeindrucken.“ Aus heutiger Sicht bemerkenswert erscheint Lindtkes Kommentar zu Kokoschkas Wahl, den Koberg mit der Jakobikirche zu malen: „Ich bewunderte die Treffsicherheit, mit der ein Ortsfremder – und dennoch Kundiger – keine ‚Sehenswürdigkeit’, sondern gleichsam den Nerv der Stadt aufgespürt hatte.“

Tatsächlich beeindruckt der Blick über den Koberg mit der alles überragenden Jakobikirche bis heute. Vom dritten Stock des Hauses Koberg 19 konnte Kokoschka sowohl einen Teil der Fassade des Heiligen-Geist-Hospitals links und die Doppeltürme der Marienkirche rechts ins Bild nehmen. Das gewählte Motiv führt also Wesentliches der Lübecker Altstadt vor Augen. Von dort malte Kokoschka mit expressivem Pinselduktus, leuchtenden Farben und einem am Impressionismus geschulten Blick für atmosphärische Szenerien sein Lübeckbild. Das Ausschnitthafte betonte er nicht zuletzt durch das „Abschneiden“ der Turmspitze, was nicht jedem Betrachter einleuchtete. Die Zerstörung der Lübecker Altstadt im Zweiten Weltkrieg, der auch fünf der sieben Turmspitzen zum Opfer gefallen waren, hatten viele Lübecker noch deutlich vor Augen.

Das Gemälde wurde am 23. Oktober 1958 im Behnhaus erstmals öffentlich ausgestellt und kontrovers diskutiert. Heute zählt es zu den Lieblingsbildern der Behnhausbesucher.

LN

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