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Kontrabass misst sich mit Violine

Lübeck Kontrabass misst sich mit Violine

Viertes Sinfoniekonzert: Die Lübecker Philharmoniker ließen einen vergessenen Komponisten aufleben.

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Lübeck. Eine etwas merkwürdige Zusammenstellung war das schon, was die Besucher des vierten Sinfoniekonzertes der Lübecker Philharmoniker in der Rotunde der Musik- und Kongresshalle erwartete: Johannes Brahms auf dem Wege zum Sinfoniker (mit den Haydn-Variationen), dann der als Komponist vergessene Giovanni Bottesini (der Paganini der Kontrabassisten, 1821-1889), zum Schluss — als Vorgriff auf Weihnachten — 40 Minuten aus Tschaikowskis „Nussknacker“-Ballett. Am Pult stand Andreas Wolf, Erster Kapellmeister und Stellvertreter des Generalmusikdirektors.

Das aufregendste Stück erklang in der Mitte des Programms, Bottesinis „Gran Duo Concertante“ für Kontrabass und Violine. Das Besondere daran: Die Solopartien wurden nicht von eingekauften Saiten- Stars gespielt, sondern von hervorragenden Musikern des Lübecker Orchesters — von Konzertmeister Carlos Johnson, geboren in Lima, und dem jungen Bassisten Stanislav Efaev (Foto links), der aus St.

Petersburg stammt.

Wie sich Johnson und Efaev die Bälle zuwarfen, mal parallel, dann wieder rhythmisch oder melodisch gegenläufig auftrumpften, wie sich daraus Spannung aufbaute und entlud, das ergab einen musikalischen Spaß par excellence. Das Orchester blieb dabei weitgehend im Hintergrund.

Andreas Wolf ließ die Einleitungen der beiden Teile hochromantisch aufrauschen, betätigte sich dann als Stichwortgeber in kurzen Tutti-Einwürfen, wenn die Solisten das Sagen hatten.

Auch eine Zugabe war einstudiert worden, eine Passacaglia von Georg Friedrich Händel, die der Norweger Johan Halvorsen (1864- 1935) in eine spritzige Variationskette verwandelt hat. Stanislav Efaev erläuterte zuvor, dass sein Solobass fünf Saiten habe, tiefer gestimmt sei, während die Kollegen im Orchester üblicherweise mit viersaitigen Instrumenten spielen. Bottesini, ein guter Freund von Verdi und Rossini, soll übrigens einen dreisaitigen Bass besessen haben.

Die Haydn-Variationen waren ein gefälliger Auftakt. Andreas Wolf ließ das Thema gemächlich fließen, betonte die Tempounterschiede, die rhythmischen Umschwünge, ließ ein abwechslungsreiches Tableau entstehen. Nach der Pause dann „Der Nussknacker“, nicht die oft gespielte Suite, sondern eine eigene Zusammenstellung.

Mit breitem Pinsel malte das Orchester den Auftritt der Eltern am Weihnachtsabend. Spritzig wurde es im Tannenwald. Natürlich ließen sich die Nationentänze, delikat oder kräftig ausmusiziert, gut voneinander absetzen. Die arabische Tasse Kaffee schien sich nicht so recht hervorzutrauen, die Tänzerin blieb quasi verschleiert. Der russische Trepak wirbelte in den Saal. Nach dem Blumenwalzer war einigen schon zum Applaudieren zumute. Dann aber kam noch der berühmte Pas de deux und anschließend herzliche Zustimmung.

Konrad Dittrich

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