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Kontrast-Programm im Schloss

Kontrast-Programm im Schloss

Junge Kunst in barocken Räumen: Absolventinnen der Kieler Kunsthochschule stellen erstmals im Schloss Eutin aus.

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Vor dem barocken Gobelin liegen „Moves“ von Susanne Nothdurft auf dem Boden. Besucher betrachten ein dreidimensionales Bild der Hagia Sophia von Tomke Meyer.

Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen

Eutin. Auf dem Boden liegen Dutzende ausgesägte Holzblöcke, die einzelnen Flächen sind mehrfach angemalt. Die Farben changieren in vielen Nuancen, die Höhe der Holzscheiben variiert, so dass der Holzteppich eine eigene Dynamik entwickelt und einen starken Kontrast zum übergroßen Gobelin aus der Mitte der 18. Jahrhunderts bildet, der in der ehemaligen Bibliothek des Herzogs hängt.

 

LN-Bild

Kuratorin Susanne Petersen vor den Bleistift-Spänen von Constanze Vogt.

Quelle:

Besucher, die das Barockschloss besichtigen, gehen vorsichtig um die „Moves“ von Susanne Nothdurft herum, manch einer wundert sich über die Invasion zeitgenössischer Kunst in den barocken Räumen.

Erstmals stellen derzeit drei Absolventinnen der Muthesius Kunsthochschule Kiel im Schloss aus. „Wir möchten jungen Künstlern eine Plattform bieten“, sagt Brigitta Herrmann, geschäftsführender Vorstand der Stiftung Schloss Eutin. Es sind keine klassischen Bilder, die die drei Absolventinnen mitgebracht haben, sondern mehrdimensionale Arbeiten, die meist einen direkten Bezug auf die Räumlichkeiten nehmen.

Susanne Nothdurft, Jahrgang 1973, arbeitet im und mit dem Raum. Sowohl bei der Bodeninstallation als auch bei einer kleineren Arbeit an der Wand sind sehr viele einzelnen Platten farbig gestaltet und leicht versetzt in unterschiedlicher Höhe angebracht, so dass der Eindruck der Bewegung entsteht. Relief oder Malerei, das ist von Weitem kaum zu erkennen. Mit der Sinneswahrnehmung spielt die Künstlerin auch im Nebenraum: Auf dem Boden liegt eine große Spule mit farbig unterschiedlich bemalten Fäden – bei jeder Bewegung flirren die Farben.

In einem anderen Räum kleben kleine schwarze, filigran geformte Teile wie kleine Insekten an der historischen Wand, in gleichmäßigen Abständen auf die weiße Fläche fixiert. Es sind Späne von schwarzen Bleistiften, die je nach Blickwinkel unterschiedlich wirken – als Einheit auf der Wand und jedes Teil einzeln. Die Arbeit von Constanze Vogt vereint „auf simple Weise scheinbare Gegensätze wie präzise Planung und Zufall“, sagt Kuratorin Susanne Petersen, die junge Kunst in das Schloss bringen möchte und damit in gewisser Weise auch scheinbare Gegensätze vereint.

Constanze Vogt, 1984 in Bielefeld geboren, liebt es, Veränderungen des Materials sichtbar zu machen. In ihrer Arbeit „nähte#6“ ersetzt sie Teile von Fotopapier durch Garn, bei dieser Bearbeitung entstehen neue Strukturen, Wölbungen und Vertiefungen. Tomke Meyer, Jahrgang 1985, bringt die Hagia Sophia ins Schloss. Eine Art Recycling, denn sie zerschneidet Plakate in geometrische und leicht abgerundete Formen. Die einzelnen Teile übermalt sie teilweise mit Acryl und klebt sie an- und übereinander, bis der Sakralbau aus Istanbul neu entsteht.

So unterschiedlich die Arbeiten der drei Frauen sind – alle erzählen etwas von dem Entstehungsprozess, überwinden Genre-Grenzen, spielen mit Form und Material und geben den Räumen eine neue Präsenz.

Ausstellung & Programm

„Ohne Worte“, Werke von Tomke Meyer, Susanne Nothdurft und Constanze Vogt sind bis zum 2. Juli zu sehen (di-so 11-17 Uhr, ab 19. Juni tgl. 10 bis 18 Uhr).

Freitag, 16. Juni, 19 Uhr: Lesung des Kieler Autors Henning Schöttke aus seinem noch unveröffentlichten Buch „Superbias“ (Eintritt acht Euro).

Freitag, 23. Juni, 18 Uhr: Gespräch mit den drei Künstlerinnen.

Jeden Donnerstag um 16 Uhr öffentliche Führung mit der Kuratorin Susanne Petersen (acht Euro).

Petra Haase

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