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Krebsdiagnose bei Roger Willemsen

Hamburg Krebsdiagnose bei Roger Willemsen

Der Intellektuelle hat alle Verpflichtungen abgesagt.

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Roger Willemsen (60).

Quelle: dpa

Hamburg. Der in Hamburg lebende Schriftsteller und Moderator Roger Willemsen ist an Krebs erkrankt. Er habe alle Veranstaltungen in diesem Jahr abgesagt, bestätigte sein Büro gestern. Der promovierte Germanist gehört zu den bekanntesten Intellektuellen in Deutschland. Am vergangenen Sonnabend war sein 60. Geburtstag.

Willemsen landete zuletzt mit seinem Buch „Das Hohe Haus“ (2014) einen Bestseller. Er hatte ein Jahr lang das Geschehen im Bundestag von der Tribüne als Zuhörer verfolgt. Die Hörbuchversion des kritischen Erfahrungsberichts gewann Anfang dieses Jahres den Preis für das Beste Sachhörbuch.

Im Fernsehen machte sich Willemsen in den 1990er Jahren mit der ZDF-Magazinsendung „Willemsens Woche“ einen Namen. Im Schweizer Fernsehen moderierte er den „Literaturclub“. Und auf NDR Kultur war er bisher immer mittwochs und sonnabends zu hören, wenn es hieß: „Willemsen legt auf ...“ Er präsentiert in diesen kurzen Sendungen jeweils zwei Musikstücke, eines aus dem Jazz-Kosmos, eines aus dem klassischen Bereich, und kommentiert sie virtuos. Heute um 9.20 Uhr stellt er eine Beethoven-Bagatelle neben eine Komposition des kubanischen Pianisten Omar Sosa.

Roger Willemsen hatte schon viele weitere Berufe: Er war Nachtwächter, Conferencier, Kolumnist und Literaturdozent. Doch die wahre Berufung des großen schlanken Herrn ist die des Reporters — in der ureigensten Bedeutung: Willemsen geht in die Welt hinaus, stellvertretend für seine Leser, beobachtet Haupt- und Nebensächlichkeiten und erzählt davon wortgewandt, mit Esprit und politischem Verstand. Beispielhaft in seinem Buch „Die Enden der Welt“, für das er solch exotische Orte wie Tonga, Patagonien, auch Afghanistan oder Timbuktu („Das Buxtehude Afrikas“) aufsuchte. Willemsen ist ein unterhaltsamer Alleskönner.

mib

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