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Krisenfest und solide ins neue Konzertjahr

Lübeck Krisenfest und solide ins neue Konzertjahr

Die Lübecker Sinfoniker starten etwas gehetzt mit Beethovens Neunter — Die Kultursenatorin hält eine Grundsatzrede.

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Grüße zum Neuen Jahr: Generalmusikdirektor Ryusuke Numajiri dirigiert die Lübecker Philharmoniker.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck. „O Freunde, nicht diese Töne! Sondern lasst uns angenehmere anstimmen und freudenvollere.“ So setzt der Bariton im letzten Satz von Beethovens 9. Sinfonie ein. Doch bevor die Freude zu ihrem Recht kam beim Neujahrskonzert der Lübecker Philharmoniker gab es Ansprachen. Die leidgeprüfte Chefin der Musik- und Kongresshalle — das Konzert zum Jahresbeginn musste erstmals in der Rotunde stattfinden, der Konzertsaal wird noch lange wegen Baumängeln gesperrt bleiben — machte sich selbst Mut: Halle und Programm seien „krisenfest“.

Doch dann meinte Kultursenatorin Kathrin Weiher, die seit genau einem Jahr im Amt ist, sie sollte die Gelegenheit zu einem Grundsatzreferat nutzen. Dass es ein Bürgerrecht auf Kultur gebe, dass dieses in Lübeck von zahlreichen Institutionen eingelöst würde, ließ sie etwas unsicher zwischen den einsatzbereiten Musikern und Sängern wissen. Um dann viele dieser Kulturträger aufzuzählen und zu loben.

Das übliche Lübecker Konzertpublikum war an diesem Neujahrsabend genauso mit auswärtigen Gäste verstärkt wie Orchester und Chor. Doch sie alle von der segensreichen Wirkung der Kultur überzeugen zu wollen, das ist wie Dorsch in die Ostsee zu tragen. Im Publikum wurde zur Rede der Senatorin mit den Füßen gescharrt.

Dann endlich Beethovens größte Sinfonie. Wer vor einem Jahr dabei war, kann sofort einen Unterschied ausmachen: Schon bei der Einleitung zeigt sich, wie trocken die Akustik in der Rotunde ist. Keine Millisekunde Hall deckt Fehltritte der Holzbläser zu, die zunächst noch etwas uneins sind. Generalmusikdirektor Ryusuke Numajiri lässt im ersten Satz ein getragenes Tempo spielen, operiert am Pult sehr engagiert, treibt dann seine Leute vor sich her. Das klang am 1. Januar 2015 harmonischer. Im zweiten Satz endlich helle Freude, im letzten, dem Chor- und Solisten-Satz, strahlt Sopranistin Carla Filipcic Holm, die man als Elisabeth im Lübecker „Tannhäuser“ ja noch bestens in Erinnerung hat.

Großer Jubel nach vollbrachter sinfonischer Tat — dar Start ins Lübecker Kulturjahr 2016 gelang nicht glänzend, aber solide.

mib

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