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Krönung des Hamburger Musiklebens

Hamburg Krönung des Hamburger Musiklebens

Hamburg ist eine Stadt der Musik. Ein neues Buch von Hermann Rauhe zeichnet die Geschichte nach.

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Hamburg. Man kann viel Gutes über die Elbphilharmonie sagen. Ein großartiger architektonischer Wurf, eine neue Landmarke für die Hansestadt, ein Besuchermagnet. Man kann aber auch viel Schlechtes über den Neubau auf dem alten Kaispeicher A sagen. Größenwahnsinnig, nicht in die Zeit passend, protzig zum Beispiel. Wie auch immer man zur Elbphilharmonie steht: Hamburg hat ein neues Wahrzeichen. Und im Vergleich zum sie umgebenden architektonischen Wirrwarr in der Hafencity ist sie immerhin eindrucksvoll. Vor allem aber ist die Elbphilharmonie eines: die Krönung des Hamburger Musiklebens.

 

LN-Bild

Ungewöhnliche Perspektive: Ein Blick von oben auf die Elbphilharmonie, die auf dem Kaispeicher A errichtet wurde.

Quelle: Foto: Dpa

Hermann Rauhe, langjähriger Präsident und nunmehriger Ehrenpräsident der Hamburger Hochschule für Musik und Theater, ist ein profunder Kenner der Musikgeschichte der Hansestadt. Von der Barockzeit, als in Hamburg die erste deutsche Bürgeroper am Gänsemarkt gegründet wurde, bis zur Elbphilharmonie reicht der Bogen, den er in seiner Musikgeschichte spannt.

Dem Leser begegnen dabei viele illustre Namen. Georg Friedrich Händel oder Johann Mattheson zum Beispiel, der der Hamburger Universalmusiker schlechthin war. Als Sänger, Komponist und Musikschriftsteller genoss Mattheson höchstes Ansehen, für die Oper am Gänsemarkt schrieb er Opernwerke, auch im geistlichen Bereich war er kompositorisch tätig. Sein damals beträchtliches Vermögen von 44000 Mark hinterließ er 1764 für die Errichtung einer Orgel im Neubau der 1750 abgebrannten Michaeliskirche. Im „Michel“ liegt Mattheson auch begraben, gleich neben Carl Philipp Emanuel Bach, dem wohl größten Musiker, der jemals in Hamburg gewirkt hat.

Im Zusammenhang mit der Elbphilharmonie sind die Abschnitte in Hermann Rauhes Buch am interessantesten, die sich mit der Geschichte der Hamburger Konzertsäle beschäftigen. Bereits im 18. Jahrhundert lösten öffentliche Konzerte die Kirchenmusik als bestimmenden Faktor im Hamburger Musikleben ab. Konzerte fanden statt unter anderem im Baumhaus am Baumwall, im Saal des Zuchthauses und an anderen Orten. 1761 wurde dann am heutigen Valentinskamp Hamburgs erster Konzertsaal gebaut, der sich auch dadurch auszeichnete, dass er beheizt werden konnte. Nachdem sich zunächst Laienmusiker zu Orchestern zusammengeschlossen hatten, gründete sich 1828 die Philharmonische Gesellschaft, die Vorläuferin der heutigen Hamburger Philharmoniker. Das Domizil des Orchesters war der Apollo-Saal an der Großen Drehbahn, bis 1853 der Conventgarten in der Fuhlentwiete gebaut wurde. Der wiederum wurde abgelöst durch die Musikhalle, heute Laeiszhalle genannt, seit 1908 der bedeutendste Konzertsaal der Hansestadt und in Zukunft Heimstatt der Hamburger Symphoniker.

Der Elbphilharmonie ist ein eigenes Kapitel gewidmet, das von Tom R. Schulz, Pressesprecher der Elbphilharmonie, verfasst wurde. Mit den Worten „Ein neues kulturelles Kraftzentrum für Hamburg“ ist das Kapitel überschrieben – und das kann die Elbphilharmonie tatsächlich werden. Geplant ist eine vielfältige Nutzung der beiden Säle, bei der nicht nur Klassik-Liebhaber auf ihre Kosten kommen sollen. Stolz erwähnt Autor Schulz, dass 70 Millionen Euro an privaten Spenden für die Elbphilharmonie gezählt wurden. Dass diese Summe noch nicht einmal zehn Prozent der völlig aus dem Ruder gelaufenen Baukosten von insgesamt 866 Millionen Euro ausmachen, steht nicht in diesem Kapitel.

Der skandalträchtigen Baugeschichte der Elbphilharmonie hat Joachim Mischke breiten Raum in seinem Buch über das neue Wahrzeichen Hamburgs gewidmet. Von der Vision des Konzertsaals mitten im Hafen bis zur Vollendung nach vielerlei Problemen und immensen Kostensteigerungen und immer neuen Verzögerungen ist die Elbphilharmonie nun tatsächlich vollendet – wie vollendet sie tatsächlich ist, wird sich im Verlauf der Spielzeiten ergeben. Heute wird der Anfang gemacht.

„Die Musikstadt Hamburg und ihr neues Wahrzeichen“ von Hermann Rauhe, Ellert & Richter, 288 Seiten, 16,95 Euro.

„Elbphilharmonie“ von Joachim Mischke und Michael Zapf, Edel Books, 240 Seiten, 29,95 Euro.

Musiker und Wissenschaftler

Hermann Rauhe (Foto) wurde 1930 in Wanna/Niederelbe geboren. Nachdem Rauhe 1949 das Abitur am Gymnasium Cuxhaven abgelegt hatte, studierte er von 1951 bis 1959 Musik und Musikpädagogik an der Hochschule für Musik sowie Musik- und Literaturwissenschaft an der Universität Hamburg. 1959 wurde er promoviert. Seit 1965 ist er Professor für Musikwissenschaft und Musikpädagogik an der Hochschule für Musik Hamburg. Von 1978 bis 2004 war Rauhe Präsident der Hochschule, von 1980 bis 1982 zudem auch Vorsitzender der Rektorenkonferenz der Musikhochschulen der Bundesrepublik Deutschland.

 Jürgen Feldhoff

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