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Kubas afrikanische Geister aus der Kiste

Hamburg Kubas afrikanische Geister aus der Kiste

In der Kolonialzeit Kubas mischten sich religiöse Rituale der Sklaven mit katholischen Symbolen. Zeugen dieser afrokubanischen Religionen sind erstmals in Hamburg zu bestaunen.

Hamburg. Kuba ist derzeit ein Top-Ziel vieler Touristen. Sie wollen das Land bereisen, solange der verfallene Charme der Kolonialzeit und des Castro-Sozialismus noch zu besichtigen ist.

 

LN-Bild

Mit Messern, Federn, Puppe und Kreuz gegen böse Geister: Palo Mayombe, Nganga des Gewittergottes, im Völkerkundemuseum Hamburg.

Quelle: Markus Matzel/soul Of Africa Museum

Ausstellung

Eröffnet wird die Ausstellung „Kubas afrikanische Geister“ heute, sie ist bis zum 5. März 2017 zu sehen. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Soul of Africa Museum in Essen.

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr.

Ort: Museum für Völkerkunde Hamburg, Rothenbaumchaussee 64.

• www.voelkerkundemuseum.com

Insofern liegt das Hamburger Museum für Völkerkunde voll im Trend, wenn es ab heute jahrhundertealte und zeitgenössische Zeugnisse der kubanischen Religionen in einer Sonderausstellung zeigt.

Da sind zum Beispiel die Ngangas: Magische Schalen aus Eisen oder Ton, manchmal auch alte Menschenschädel, die mit vielerlei Zeug gefüllt sind: Messern, Federn, tote Vögel, kleine Puppen, Perlenketten, Kreuzen, Knochenmehl. Sie werden von geweihten Männern hergestellt, der spätere Besitzer füllt sie nach und nach mit Opfergaben und will auf diese Weise mit der Welt der Götter und/oder Geister in Verbindung treten, erhofft sich so Schutz und Erleuchtung. Allein dieses Sammelsurium in den meist dunklen Schalen dokumentiert den Mix der Kulturen und Religionen, der sich auf Kuba seit der Kolonialzeit entwickelt hat. Von 1500 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blühte der Sklavenhandel auf der Insel, viele Sklaven wurden aus dem Kongobecken und dem heutigen Nigeria verschleppt.

„Sie brachten ihre Heiligen und religiösen Riten mit und passten sie an die spanische Kolonialgesellschaft an, die katholisch geprägt war – und es entwickelten sich afrokubanischen Kulturen wie Santeria und Palo“, erklärt die Religionswissenschaftlerin Gabriele Lademann-Priemer.

Etwa 600 dieser Objekte sind nun im Hamburger Museum für Völkerkunde zu sehen – teils aus eigenen Beständen, zum Großteil stammen sie aus dem Soul of Africa Museum Essen. Sie gehören zum Nachlass eines italienischen Ethnologen, der lange auf Kuba gelebt hat und seine Sammlung vor der Revolution nach Italien gebracht hatte. Aus Altersgründen musste er sie aufgeben, jahrelang lagerten die 45 Kisten danach im Keller und wurden nun erstmals geöffnet und öffentlich gezeigt. An die afrikanischen Ursprünge dieser Objekte erinnert eine Afrika-Vitrine innerhalb der Sonderausstellung – dort sind farbenfrohe Masken, Orakel und Kraftfiguren aus dem Kongo und Nigeria ausgestellt.

Spannend ist, dass auch die sozialistischen Jahrzehnte den alten Göttern und Geistern nur wenig anhaben konnten – noch heute werden die magischen Gefäße hergestellt und genutzt, lassen sich Menschen (für gutes Entgelt auch Touristen) initialisieren und finden sich farbenfrohe Hausaltäre bei Anhängern der Santeria-Religion. Da trifft Religion auf Kitsch, etwa wenn eine Barbie-Nixe als Meeresgöttin im Schrein drapiert ist oder ein Keramik-Bambi Ochosi, den Gott der Jagd und Zielstrebigkeit, verkörpert.

Nicht nur auf Kuba, sondern auch in Deutschland wird diese farbenfrohe Religion praktiziert. Schätzungen gehen von 3000 bis 4000 Santeria-Anhängern aus, Lateinamerikanern und Deutschen, sagt Gabriele Lademann-Priemer. Man finde sie beispielsweise in der lateinamerikanischen Diaspora, aber auch in der Salsa-Szene oder unter Perkussionisten.

Petra Haase

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