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Kultur im Norden Künstler zwischen Gut und Böse
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18:22 19.10.2013

Emil Nolde (1867-1957) war ein expressionistischer Maler, der 20 Jahre zu früh für diesen Stil geboren wurde. Er war schon deshalb immer ein Außenseiter im Kunstbetrieb, obwohl er alles dafür tat, akzeptiert und angenommen zu werden. Allein diese Umstände machen ihn zu einem äußerst interessanten Objekt biografischer Betrachtungen. Die Publizistin Kirsten Jüngling hat jetzt eine faktenreiche und gut geschriebene Lebensbeschreibung Emil Noldes vorgelegt. Sie zeigt einen Mann und Künstler voller Widersprüche.

Nolde, der eigentlich Hans Emil Hansen hieß und sich später nach seinem Geburtsort Nolde in Nordschleswig nannte, war der Spross eines alteingesessenen Bauerngeschlechts im deutsch-dänisch-friesischen Grenzgebiet. Er ließ sich als Schnitzer und Zeichner an der Kunstgewerbeschule in Flensburg ausbilden, arbeitete für verschiedene Möbelfirmen, studierte dann in München und Paris Malerei, ehe er ein Leben als freier Künstler begann. Nach kurzer Mitgliedschaft in der Gemeinschaft „Die Brücke“ 1906/07 wurde er 1909 Mitglied der Berliner Secession, aus der er ein Jahr später ausgeschlossen wurde. Secessions-Präsident Max Liebermann wurde neben dem jüdischen Kunsthändler Paul Cassirer der Hauptfeind Emil Noldes, der sich schon damals für eine „germanisch—nordische Kunst“ und gegen den jüdischen Einfluss im Kunstbetrieb aussprach.

1930 bezog der mittlerweile sehr erfolgreiche Nolde mit seiner dänischen Frau Ada Haus in Seebüll, in dem heute das Nolde-Museum untergebracht ist. Ein seltsames Gebäude, das trotzig wie eine mittelalterliche Festung auf seiner Warft thront. Nolde, der die dänische Staatsbürgerschaft besaß, wurde 1934 Mitglied des nordschleswigschen Ablegers der NSDAP. Und er kämpfte weiter gegen Juden, Surrealisten, Kubisten, Fauvisten und ähnliche Modernisten — die germanische Kunst stand für ihn an der Spitze der Möglichkeiten der Malerei. Gerade diese Zusammenhänge arbeitet Kirsten Jüngling in ihrer Biografie deutlich heraus. Goebbels und Albert Speer schätzten Nolde, trotzdem gehörte zu den Malern, deren Werke 1937 in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt wurden, mehr als 1000 Bilder und Grafiken Noldes wurden beschlagnahmt, 1941 erhielt er Berufsverbot. Dabei wollte er immer nur ein deutscher Künstler sein, in Briefen an Goebbels und andere NS-Größen wies er immer wieder auf seine Verdienste im Kampf gegen die Juden im Kunstbetrieb hin — es nutzte ihm nicht. Aber es schadete ihm auch nicht: Nach Kriegsende war Emil Nolde einer der höchst angesehenen deutschen Künstler.

Seine fragwürdige Vergangenheit wurde ausgeblendet. Fel

„Emil Nolde. Die Farben sind meine Noten“ von Kirsten Jüngling, Propyläen Verlag, 352 Seiten, 22,99 Euro.

LN

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