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Kultur im Norden Künstlerfreunde öffnen Sommeratelier
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19:12 28.06.2018
Rainer Wiedemann vor seinen Eichenskulpturen: Der Künstler lädt am Sonnabend und Sonntag in sein Atelier ins ländliche Kronsforde ein. Er ist einer von 100 Teilnehmern bei den Sommerateliers in Schleswig-Holstein. Neu dabei sind Künstler und Kunsthandwerker aus dem südlichen Dänemark. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Der freischaffende Lübecker Künstler Rainer Wiedemann, Vorsitzender des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler in Schleswig-Holstein, begrüßt diese grenzüberschreitende Erweiterung, auch wenn bei der dänischen Beteiligung noch Luft nach oben sei: In den Ateliers der schleswig-holsteinischen Künstler sind 34 deutsche Teilnehmer zu Gast, nur sieben Künstler reisen aus dem südlichen Dänemark an, um ihre Arbeiten hier zu zeigen. In den am Sonnabend und am Sonntag geöffneten Sommerateliers können Besucher den Künstlern und Kunsthandwerkern in ihren Ateliers und Werkstätten über die Schulter schauen und die Arbeiten drinnen und draußen betrachten.

Premiere bei den Sommerateliers in Schleswig-Holstein: In diesem Jahr sind zum ersten Mal dänische Künstler zu Gast. Rainer Wiedemann teilt sich seine Galerie in Kronsforde mit Claudio Bannwart aus der Kommune Apenrade. Zu sehen sind Malerei, Skulpturen, Plastiken und Druckgrafiken.

Auf einem Vorplatz hinter dem Haus von Rainer Wiedemann an der Kronsforder Hauptstraße 59a steht eine Eichenskulptur. Sie stammt von einem Event mit Lübecker und Leipziger Künstlern, der 2000 auf dem Koberg stattfand. „Es war irgendetwas mit Visionen“, erinnert sich Rainer Wiedemann. Als Eva verkleidet habe er seinerzeit jede Menge Äpfel an die Leute verteilt. In der Mitte der Skulptur – „Baum der Erkenntnis“ – schlängeln sich Plastikkriechtiere. Daneben hat der Künstler eine wie ein riesiges Steckspiel konstruierte Arbeit aufgestellt: Die farbig bemalten Eichenplanken stammen aus einer neuen Serie, betitelt „Argus“.

An den Skulpturen vorbei gelangt man geradeaus gehend in die Saalgalerie mit dem Schwerpunkt Malerei, rechts führt eine Tür in den einstöckigen Anbau. Dort befindet sich das Malatelier und die Galerie von Rainer Wiedeman. Er erläutert: „Hier wird Claudio Bannwart vertreten sein.“ Seinen dänischen Kollegen lernte er 2013 bei der Ausstellung „Art Change“ im süddänischen Kettinge kennen.

Beide Künstler, engagiert in der Verbandsarbeit, haben schon viele gemeinsame Projekte in Schleswig-Holstein und Dänemark auf die Beine gestellt. Heute sind sie befreundet.

Claudio Bannwart spricht hervorragend deutsch, denn er wurde 1952 in St. Gallen in der Schweiz geboren. Mit seinen Eltern zog er als Kind nach Dänemark. Druckgrafik studierte Bannwart in der Schweiz, in Dänemark arbeitet er seit 1975 als freier Künstler. Im Sommeratelier stellt er seine Holzschnitte und Radierungen als Mehrfarben-Drucke aus. Rainer Wiedemann: „Damit die Besucher Werkstattatmosphäre erleben können, arbeitet er auch mit der Druckpresse.“ Bannwart ist sehr naturverbunden – seine Arbeiten zeigen stilisierte Landschaften und Pflanzen.

Das Natur-Sujet steht im spannenden Gegensatz zu den Arbeiten von Rainer Wiedemann. Dieser ist Schleswig-Holstein stark verbunden, liebt sein Land und die Leute, legt aber auch stets den Finger in gesellschaftspolitische Wunden. Der 71-Jährige, der 37 Jahre lang als Kunsterzieher tätig war, hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder als politisch engagierter Maler, Zeichner, Fotograf und Bildhauer von sich reden gemacht hat.

Intensiv hat sich Rainer Wiedemann mit dem Schicksal von Flüchtlingen der jüngsten Vergangenheit künstlerisch auseinandergesetzt. Den Syrienkrieg, zerbomte Städte, ihren mühsamen Wiederaufbau, zeigt das Bild, das in der jüngsten Jahresschau der Lübecker Künstler in der Kunsthalle St. Annen ausgestellt war und jetzt in seinem Atelier zu sehen ist. Der Krieg und seine Folgen von Gewalt und Zerstörung sind ein Thema, das ihn umtreibt: Ein frisch gemaltes „Kriegs“-Bild lehnt an der Wand. Er hat es fotografiert und dann auf Leinwand gedruckt. Dieses übermalt er mit Acrylfarben erneut mit dynamischen Pinselschwüngen.

In derselben Technik entstand das Diptychon „Morgendämmerung in Nordafrika“. Die beiden aufwühlenden Bilder – in der übermalten Fotografie sind die Krisenherde der Welt erkennbar – zeigen Köpfe, die sich aus dem Dunklen recken, Menschen, die nach Europa flüchten. Vor dieser Arbeit liegt am Boden die Skulptur „Verbrannte Erde“: ein Eichenbalken aus einem abgebrannten Haus, bestückt mit bemalten Glasflächen, zwischen die bemalte Alufolie gepresst ist. Auch ausgestellte Plastiken erinnern als Köpfe in Stein gehauen oder in Bronze gegossen an Flüchtende im Mittelmeer.

Mit Künstlern und Kunsthandwerkern auf Tuchfühlung

Am 30. Juni und 1. Juli laden die Mitglieder der Landesverbände für Angewandte und Bildende Kunst in SchleswigHolstein (Berufsverband Angewandte Kunst – BAK, Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler – BBK, Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstförderer – Gedok) von 11- 19 Uhr in Sommerateliers ein.

Orte und Teilnehmer finden Sie in einer Übersicht unter www.sommerateliers-sh.de

Zu Gegenbesuchen fahren Künstler aus Schleswig-Holstein zu den „Offenen Ateliertagen des Abbenraa Billedkunstråd“ im Oktober. Gastgeber sind die Berufsverbände der dänischen Künstler und Kunsthandwerker.

Dorothea Kurz-Kohnert

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