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Künstlerin zwischen den Welten

Hamburg Künstlerin zwischen den Welten

In den 1920er Jahren war sie ein Star der künstlerischen Avantgarde. Nach ihrem frühen Tod 1933 geriet Anita Rée zu Unrecht in Vergessenheit. Jetzt würdigt die Hamburger Kunsthalle das Werk der Hamburger Malerin erstmals umfassend in einer Ausstellung mit 200 Werken.

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Kuratorin Karin Schick in der Hamburger Kunsthalle vor einem Selbstbildnis der Malerin Anita Rée aus dem Jahr 1930.

Quelle: Fotos: Georg Wendt/dpa

Hamburg. Die Hamburger Kunsthalle lädt Besucher dazu ein, eine große Künstlerin zu entdecken. Als Anita Rée Mitte der 1920er Jahre aus Italien zurückkehrte, war die Hamburger Malerin eine gefeierte Künstlerin: Sie hatte zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, war eine gefragte Porträtistin und hoch angesehen bei ihren – meist männlichen – Kollegen. Doch durch die Tatsache, dass ihre Werke vor allem auf Privatsammlungen verteilt sind, ist die Künstlerin heute nicht mehr so bekannt. Das soll sich nun durch eine umfassende Retrospektive in der Hamburger Kunsthalle ändern: Von heute an sind rund 200 Gemälde, Aquarelle und Objekte zu sehen. Die Retrospektive wirft Licht auf ein Œuvre, das von impressionistischer Freilichtmalerei über mediterrane Landschaftsbilder bis hin zu neusachlichen Bildnissen reicht. Der Bestand der Hamburger Kunsthalle an Werken Rées mit 13 Gemälden und 25 Arbeiten auf Papier wird ergänzt durch Leihgaben aus privaten und öffentlichen Sammlungen Deutschlands, Englands, der Schweiz und den USA.

LN-Bild

In den 1920er Jahren war sie ein Star der künstlerischen Avantgarde. Nach ihrem frühen Tod 1933 geriet Anita Rée zu Unrecht in Vergessenheit. Jetzt würdigt die Hamburger Kunsthalle das Werk der Hamburger Malerin erstmals umfassend in einer Ausstellung mit 200 Werken.

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Geboren 1885 und aufgewachsen als Tochter eines angesehenen jüdischen Kaufmanns und einer Mutter mit südamerikanischen Wurzeln wusste Anita Rée schon früh, was sie will: Künstlerin werden. Sie erhielt eine professionelle Ausbildung, reiste nach Paris, um von den großen Künstlern der Moderne wie Henri Matisse oder Fernand Léger zu lernen.

„Als Malerin zwischen Tradition und Moderne, als selbstständige Frau in der Kunstwelt, regionale Künstlerin mit übernationalem Anspruch, als protestantisch erzogene Hamburgerin mit südamerikanischen und jüdischen Wurzeln lebte Rée gleich mehrfach zwischen den Welten“, sagte Kuratorin Karin Schick.

Sehr früh konzentriert sich Anita Rée auf das Porträt und das Figurenbild und entwickelt „eine sehr moderne Weise, auf Menschen zuzugehen“, sagte Schick. Auch dem Fremden steht sie nahe, weil sie es an sich selbst entdeckt. „Mit ihren Bildern umkreist Anita Rée die Frage nach Identität, nach Subjekt und Gemeinschaft, nach Zugehörigkeit in einer sich wandelnden Welt“, sagte die Kuratorin.

Rée fällt mit ihrer Art zu leben aus den Konventionen: Sie heiratet nie, bekommt keine Kinder und ist zeitlebens auf der Suche – was auch ihre Selbstbildnisse mit ihrem suchenden Blick verraten.

Die unbeschwerteste Zeit ihres Lebens hatte die melancholische Malerin wohl in Italien, als sie von 1922 bis 1925 in Positano an der Amalfiküste lebte. Ihrer Schwester schrieb sie:  „Ich möchte nie nach Deutschland zurück.“ Und doch kehrte sie nach Hamburg zurück, fühlte sich aber zunehmend unwohl, obwohl sie als Künstlerin anerkannt war. Gründe dafür waren die Wirtschaftskrise und das Erstarken der Nationalsozialisten, aber auch persönliche Enttäuschungen. Im Spätsommer 1932 verließ sie die Stadt und zog auf die Nordseeinsel Sylt. Dort malte sie ihre letzten Bildern, in denen ihre Einsamkeit und Zukunftsangst deutlich erkennbar sind.

Im Frühjahr 1933 wurde Anita Rée von der Hamburgischen Künstlerschaft als „artfremdes Mitglied“ diffamiert und ausgeschlossen. Am 12. Dezember 1933 nahm sie sich in Kampen auf Sylt das Leben.

Ermuntert von Max Liebermann

Anita Rée (1885-1933), Tochter des jüdischen Kaufmannes Israel Rée und seiner Frau Clara, nahm Malunterricht bei dem Hamburger Künstler Arthur Siebelist. Max Liebermann, bei dem sie in Berlin Rat suchte, bestärkte sie in dem Wunsch, Malerin zu werden. Den Winter 1912/13 verbrachte sie in Paris. 1919 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Künstlervereinigung Hamburger Sezession. Von 1922 bis 1925 arbeitete Anita Rée in Positano.

Nach ihrer Rückkehr nach Hamburg brachten ihr zahlreiche Porträt- und öffentliche Aufträge überregionale Anerkennung. Ihre letzten Jahre verbrachte Anita Rée zurückgezogen auf Sylt, wo sie sich 1933 das Leben nahm.

Die Retrospektive in der Hamburger Kunsthalle ist bis zum 4. Februar 2018 zu sehen. Führungen: Sa ab 15 Uhr, So ab 12 Uhr.

Carola Große-Wilde

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