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Kultur im Norden Künstlerinnen-Projekt verbindet Lübeck mit Tel Aviv
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Künstlerinnen-Projekt verbindet Lübeck mit Tel Aviv
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19:02 06.06.2018
Lübeck

„Wir hatten eine sehr intensive Zeit, sagt Janine Gerber. „Wir haben zwei Wochen lang täglich zusammen gearbeitet, und Merav hat bei mir gewohnt.“ Die 43-Jährige, die in Klein Barnitz lebt und arbeitet, gehört zu den spannendsten Künstlerinnen im Norden – erst kürzlich wurde sie mit dem erstmals vergebenen Possehl-Kunstpreis ausgezeichnet. In ihre charakteristischen überdimensionalen Papierinstallationen schneidet sie mit dem Cuttermesser Risse. So schafft sie Ein- und Durchblicke – die ursprüngliche Fläche wird zum Raum, zum Körper. Ihre Künstlerkollegin Merav Shinn Ben-Alon arbeitet eher narrativ – die 52-Jährige zeichnet minimalistisch. Wenige Striche zeigen auf kleinen Formaten oft berührende Haltungen von Menschen, die Schmerz signalisieren. Für die Künstlerin, die zum ersten Mal in „beautiful“ Lübeck ist, war der Workshop im Kunstraum K 70 eine „strong experience“, eine starke Erfahrung.

Beide Künstlerinnen haben mit neuen Materialen experimentiert und sich von der Arbeitsweise der anderen jeweils inspirieren lassen: Merav Shinn Ben-Alon hat zum ersten Mal ihre Figuren groß auf Papierbahnen gezeichnet und mit Schnitten versehen. Umgekehrt konnte sich Janine Gerber bei ihrer Arbeit erleben, denn ihre Kollegin hat sie bei ihrem „Kampf mit den Papierbahnen“ gefilmt. Sie sagt:

„Es war aufschlussreich, wie ich mich bewege, wie ich wirke.“

Obwohl die künstlerische Auseinandersetzung im Vordergrund war, ist der politisch-historische Kontext, in dem die Künstlerinnen zueinander stehen, wichtig und stets präsent. Kennengelernt haben sie sich bei einem Symposium 2015 in Lettland. „Mich hat das Schicksal von Meravs Großmutter bewegt, die noch vor dem Krieg von dort nach Israel geflüchtet ist“, sagt Janine Gerber. Ein Jahr später trafen sie sich auf der NordArt wieder, wo Arbeiten von Merav Shinn Ben-Alon im israelischen Pavillon ausgestellt wurden. 2017 reiste Janine Gerber nach Tel Aviv, um dort im Atelier ihrer Kollegin zu arbeiten. Das aktuelle Gemeinschafts-Projekt der Künstlerinnen knüpft daran an, was die „Dritte Generation“ nach dem Zweiten Weltkrieg umtreibt: der Wunsch, sich gegenseitig zu verstehen und voneinander zu lernen.

Kuratorin bei der Vernissage

Carmit Blumensohn, Kuratorin der Ausstellung im K 70 an der Engelsgrube 70, führt bei der Vernissage am Sonntag, 10. Juni, um 18 Uhr mit den beiden Künstlerinnen ein Gespräch. Blumensohn war 2016 Kuratorin für den israelischen Pavillon auf der NordArt.

Die Ausstellung ist bis zum 23. Juni jeweils sonnabends von 11-14 Uhr sowie nach telefonischer Absprache geöffnet, T. 0151/25342736.

Dorothea Kurz-Kohnert

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