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Kunst als Gemeinschaftsaufgabe

Lübeck Kunst als Gemeinschaftsaufgabe

Der Verband der Kunsthandwerker in Schleswig-Holstein präsentiert seine Jahresschau im Lübecker St. Annen-Museum.

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Holz-Gestalterin Katja de Vries aus Flensburg mit ihrer Arbeit „Der goldene Schnitt“. Fotos (2): Lutz Roeßler

Lübeck. Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker verbringen in der Regel viel Zeit allein in ihrer Werkstatt. Nun aber waren sie aufgefordert, eine besondere Form der Teamarbeit auszuprobieren. Was dabei herausgekommen ist, kann von morgen an in den Sonderausstellungsräumen des Lübecker St. Annen- Museums besichtigt werden. Dort ist die Jahresausstellung des Berufsverbands Angewandte Kunst Schleswig-Holstein zu sehen, die unter der Überschrift „Zu 2t“ steht.

LN-Bild

Der Verband der Kunsthandwerker in Schleswig-Holstein präsentiert seine Jahresschau im Lübecker St. Annen-Museum.

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Unter Angewandter Kunst sind Disziplinen zu verstehen, die sich mit der Gestaltung von Alltagsgegenständen beschäftigen. Dabei entstehen nach Ansicht von Bettina Zöller-Stock, kommissarische Leiterin des St. Annen-Museums, „die Kunstprodukte, die am meisten mit uns zu tun haben“. Etwa 160 Objekte werden gezeigt, fast die Hälfte davon sind Schmuckstücke. Außerdem gibt es Keramik, Holz- und Textilarbeiten und anderes mehr.

Der Auftrag „Zu zweit“ ist auf sehr unterschiedliche Art und Weise ausgelegt worden. Einige Kunsthandwerkerinnen haben zu zweit an einem Objekt gearbeitet. Britta Hansen und Eva Koj zum Beispiel, die eine hat eine Vase aus Steinzeug geschaffen, die andere diese mit Gold verziert. Drei Ratten stecken hier die Köpfe zusammen, eine „Nächtliche Verschwörung“.

Bei anderen treten die Objekte paarweise auf. Karen Knickrehm trägt Schmuckstücke bei, in denen allerliebste Tiere wie in kleinen Käfigen hocken („Gemeinsam einsam I und II“). Katja de Vries, die die Ausstellung gemeinsam mit Gabi Pfannenstiel aufgebaut hat, zeigt eine Arbeit mit dem Titel „Der goldene Schnitt“, zwei Dosen aus amerikanischem Holz und Blattgold. „In dieser Arbeit habe ich das Verhältnis sichtbar gemacht. Die Dosen entsprechen in ihren äußeren Abmessungen dem goldenen Schnitt“, sagt sie. Die Flächen sind ebenfalls nach dem goldenen Schnitt geteilt.

Einer der Ausstellungsräume ist klassischen Produkten von Kunsthandwerkern gewidmet, deren Handschrift für Kenner leicht wiederzuerkennen ist: Bernsteinschmuck der Lübecker Schmuckdesignerin Caroline Rügge zum Beispiel oder Holzmühlen des Lübecker Holzdesigners Karl Decker.

Empfangen aber werden Besucher gewissermaßen von Arbeiten der 26 Jahre alten Goldschmiedin Maria Konschake aus Wismar, die sich als ebenso innovative wie ideenreiche Kunsthandwerkerin präsentiert.

Eine Spezialität der jungen Goldschmiedin sind Insekten. Galvanisierte Insekten, um genauer zu sein. So hat Konschake eine Plastik aus asiatischen Riesenhornissen geschaffen. „Der Schwarm“ heißt die Arbeit, die in einer Glasvitrine steckt, obwohl von den Hornissen ja keine Gefahr mehr ausgeht. Eine weitere Spezialität der Preisträgerin sind raumgeometrische Silbercolliers und solche, in denen sie Produkte aus dem Bau- und Handwerkerbereich verarbeitet wie Rohrverbindungsstücke oder Isolatoren.

Namensgeberin für den mit 5000 Euro dotierten Preis, der alle drei Jahre vom Verband Frau und Kultur vergeben wird, ist die international bekannt gewordene Lübecker Handweberin Alen Müller-Hellwig (1901-1993), die ihre Werkstatt im Lübecker Burgtor hatte. Ebenfalls im Burgtor hat die Weberin und Alen Müller-Hellwig-Schülerin Ruth Löbe gearbeitet, die im Januar dieses Jahres gestorben ist. Ihr ist ein Bereich der Ausstellung gewidmet, der von einem ihrer farbenfrohen Teppiche dominiert wird. Der Teppich ist unverkäuflich.

Andere Exponate können, obwohl es sich nicht um eine Verkaufsausstellung handelt, erworben werden. Informationen gibt es an der Museumskasse. Ein paar Schritte weiter im Museumsshop steht ausgewählte Handwerkskunst zum Verkauf.

Führungen durch die Schau

Die Ausstellung wird morgen um 11.30 Uhr im Foyer der Kunsthalle St. Annen durch Hans Wißkirchen, Leitender Direktor der Lübecker Museen, eröffnet. Paulina & Agata Pospiesny (Violine und Harfe) umrahmen die Veranstaltung. Der Eintritt ist bis 13 Uhr frei.

Eine öffentliche Führung mit der Schmuckdesignerin Antje Freiheit findet am Sonntag, 30. Oktober, um 15 Uhr statt. Am Sonntag, 13. November, führen Cornelia Patz- Nahm, Vorsitzende BAK S-H, und Förderpreisträgerin Maria Konschake um 12 Uhr durch die Ausstellung (Kosten: 11/7,50/6,50 Euro)

Eintritt: 7/3,50/2,50 Euro

Öffnungszeiten: Di-So 10-17 Uhr

Liliane Jolitz

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