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Kunst als Wertobjekt und Vermittler christlicher Botschaft

Lübeck Kunst als Wertobjekt und Vermittler christlicher Botschaft

Die Jahrhundert-Ausstellung in St. Annen zeigt auch: Repräsentationskunst preist nicht nur den Geldgeber.

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Prächtig und wertvoll: Altaraufsatz in der Ausstellung.

Quelle: Roeßler

Lübeck. Die Kuratoren der Ausstellung mit mittelalterlicher Sakralkunst im Lübecker Museumsquartier St. Annen haben in einer LN-Serie einige bedeutende Exponate präsentiert. Zum Abschluss einige Gedanken von Kunsthistoriker Jan Richter über materielle und ethische Werte, die „Lübeck 1500“ repräsentiert.

Es ist wieder Weihnachten, die geweihte Nacht, in der der Heiland geboren wurde, das Hochfest der Kirche — und zugleich die Hochsaison der Wirtschaft. Und angesichts der derzeitigen Probleme stellt sich die Frage nach der Bedeutung von Werten, christlichen oder wirtschaftlichen. Dieses Nebeneinander zu beklagen, einen Werteverfall, bei dem die Kirche kaum gewinnen wird, hat eine lange Tradition. Dass beide Seiten untrennbar voneinander abhängen, kommt dabei seltener in den Blick. Ohne den Kommerz gäbe es keine Kritik an ihm, würde die Möglichkeit fehlen, an die besseren Werte zu appellieren.

Auch dieser Gedanke ist nicht neu, wie alt er aber wirklich ist, lässt sich derzeit im St. Annen-Museum überprüfen. Lübeck war um 1500 eines der bedeutendsten Kunstzentren Nordeuropas mit einer Fülle von Werkstätten, die von hier aus den gesamten Ostseeraum belieferten. Alte Kunst wird gerne als mahnendes Beispiel dem modernen Kulturverfall entgegengesetzt. Sieht man sich die Werke dieser Ausstellung aber einmal näher an, so wird man feststellen, dass Geld dabei eine Hauptrolle gespielt hat.

Unabhängig von den Inhalten ist es vor allen Dingen das Repräsentationsbedürfnis der Auftraggeber gewesen, das zur Entstehung der Werke geführt hat. Selbst wenn in vielen Fällen keinerlei Namen überliefert wurden, wusste damals doch jeder in Lübeck, wer die Auftraggeber waren. Und die Größe der Werke ließ keinen Zweifel über die Kosten aufkommen. Dies klingt wie ein Widerspruch zu der Botschaft, die mit dieser Kunst vermittelt werden sollte, ein Widerspruch, der auch offensichtlich so wahrgenommen wurde, als mit Einführung der Reformation der Pomp aus den Kirchen verbannt werden sollte.

In Lübeck gab es aber keine Bilderstürme, die Werke — und damit auch die Werte — wurden bewahrt. Auch wenn viele der dargestellten Themen mit der Reformation ihre Bedeutung verloren hatten, so schätzte man doch offensichtlich die Kunstfertigkeit dieser Arbeiten, die schon vor der Reformation als exklusive Wertobjekte Aufmerksamkeit erregt hatten. Und es war erst diese Aufmerksamkeit, die letztlich die Möglichkeit bot, damit an andere Werte zu appellieren.

LN

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