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Kunst aus Schrott und Haferflocken

Lübeck Kunst aus Schrott und Haferflocken

Zwölf Betriebe haben sich für Künstler geöffnet. Die Ergebnisse sind in der Kunsthalle St. Annen zu sehen.

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Die Plastiken „Pflanzen“ des Lübecker Künstlers Stephan Jäschke sollen Stärke der Natur symbolisieren, die sich nicht kontrollieren lässt.

Lübeck. Ihr eigenes Blut diente als Vorbild für das Kunstwerk. Die Kieler Künstlerin Anke Müffelmann hat mikroskopische Aufnahmen von Gewebe mit ihrem Blut in dreidimensionale Keramikskulpturen umgewandelt. Die sechs Dodekaeder stehen mal scheinbar schwankend, mal sicher auf dem Sockel und symbolisieren so den Wechsel von Krankheit und Gesundheit im menschlichen Körper. Der goldene Laborkittel im Hintergrund gibt einen Hinweis: Die Künstlerin hat sich bei ihrem Werk von der Labortechnik der Firma Euroimmun inspirieren lassen. Ihr „Selbstbild mit Affe“ ist Teil des Projekts „Kunstbetriebe 2“.

LN-Bild

Zwölf Betriebe haben sich für Künstler geöffnet. Die Ergebnisse sind in der Kunsthalle St. Annen zu sehen.

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Bereits zum zweiten Mal öffnen Betriebe ihre Lager- und Produktionshallen oder auch Labore für Künstler, um sie mit ihren Materialien arbeiten zu lassen. Die Ergebnisse werden von morgen an in der Kunsthalle St. Annen in Lübeck ausgestellt. Straßenbaubetriebe, Schrottplätze oder Banken wurden für etwa 14 Tage zu Kunstwerkstätten. In diesem Jahr zieht das Projekt dabei weitere Kreise: Betriebe aus Lübeck, Ostholstein, Stormarn, Hamburg und aus dem dänischen Lolland beteiligten sich, außerdem auch zwei Künstler aus Dänemark.

Besucher erwarten in der Kunsthalle St. Annen Skulpturen aus Papier, Beton oder auch Schrott, wie bei der Künstlerin Trine Maria Høy. Sie hat aus den Fundsachen auf dem Schrottplatz der Gollan Recycling ihren „Ritter Müller“ geschaffen. Eine alte Kommode dient als Pferdekörper, auf dem aus Holzelementen und Kleiderbügeln der Ritter sitzt, dem ein überdimensionaler Bleistift als Lanze dient.

Stephan Jäschke musste seine Skulptur dagegen aus dem Nichts erschaffen. Er besuchte die Firma „Freiraum 24“, die leere Boxen als Lagerraum vermietet. Aus dem Material dieser Boxen hat der Künstler die Plastiken „Pflanzen“ aus Stahl und Aluminium geschaffen. Seine „Pflanzen“ haben scharfkantige Blätter und lassen sich nicht kontrollieren. Sie sollen im Gegensatz zu den überwachten und geschützten Boxen stehen. Thomas Judisch schuf in der Firma Brüggen das Stillleben „after the breakfast“, eine Müslischale und ein Riegel in Bronze gegossen. „Die Haferflocke kommt in der Kunst wohl noch nicht so häufig vor“, scherzt Can Özren von der Industrie- und Handelskammer, die das Projekt unterstützt. Weitere Partner sind die Sparkasse Holstein und die Possehl-Stiftung. Durch die besondere Herangehensweise der Künstler bekämen auch die Betriebe einen anderen Zugang zu dem Material, mit dem sie täglich arbeiten, sagt Özren.

Die Initiatorin des Projekts, Bettina Thierig, hofft, dass die Betriebe durch das Projekt zudem einen anderen Zugang zur Kunst bekommen und Verständnis für die Arbeit der Künstlers entwickeln.

„Dahinter steht die Idee, die Identifikation mit der Kunst in der Region zu steigern“, sagt sie. Sie selbst war in einem dänischen Forstbetrieb zu Gast und schuf dort die Holzskulptur „Ulveskib“

(Wolfsboot). Die Zusammenarbeit in den Betrieben sei sehr unterschiedlich verlaufen. Einige Mitarbeiter seien dem Künstler gegenüber eher scheu gewesen, während sich andere sofort mit dem Kunstwerk identifiziert hätten. Thierig: „Jedoch wurde die künstlerische Arbeit durch die Gespräche mit den jeweiligen Betrieben immer geprägt.“

Eröffnung morgen, 18 Uhr, Kunsthalle St. Annen. Bis 13. November.

Emil Grasserts Werke

Eine zweite Sonderausstellung wird ebenfalls morgen in der Kunsthalle St. Annen eröffnet, in der gesammelte Werke des Künstlers Emil Grassert gezeigt werden. Die Auswahl stammt aus dem Nachlass des 2003 verstorben Malers, Grafikers und Glasmalers. Nach einem Studium an der Kunsthochschule Hamburg kam Grassert 1964 nach Lübeck. Unter anderen entwarf er dort das Siegel für die Medizinische Universität zu Lübeck. Viele der Werke des 2003 verstorbenen Malers entstanden in seinem Haus in Stockelsdorf. Zeit seines Lebens blieb der Maler ein Einzelgänger.

Seine Werke sind zum Teil von der abstrakten Malerei der 1950er Jahre beeinflusst.

Alessandra Röder

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