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Kunst, die jeder begreifen kann

Schleswig Kunst, die jeder begreifen kann

Die Landesmuseen wollen 2016 einen Besucherrekord schaffen. Zu den Höhepunkten des Programms gehört eine Harald-Duwe-Schau auf Schloss Gottorf.

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Der Hamburger Maler Harald Duwe (1926-1984) verbildlichte Nazi-Verbrechen und die Schrecken des bundesdeutschen Alltags — wie hier in dem Gemälde „Trümmerlandschaft“.

Quelle: Fotos: Landesmuseen

Schleswig. Vorbei sind die Zeiten, in denen sinkende Besucherzahlen bei den Verantwortlichen Sorgenfalten verursachten. Es geht wieder bergauf. Im zu Ende gehenden Jahr weist die Statistik für die sieben Anlaufpunkte der schleswig-holsteinischen Landesmuseen 399808 zahlende Besucher aus — 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Das sei wichtig für die Museen, die schließlich zu den größten Kultur-Akteuren des Landes gehörten, sagt Claus von Carnap-Bornheim, Leitender Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf. „Die 400

000-Marke müssen wir 2016 reißen“, ergänzt Guido Wendt, kaufmännischer Geschäftsführer der Stiftung.

Größter Publikumsmagnet war im zu Ende gehenden Jahr das Wikinger-Zentrum Haithabu (139269 Besucher), an zweiter Stelle liegt Schloss Gottorf mit 116542 Gästen gefolgt vom Freilichtmuseum Molfsee mit 100118 Gästen.

Zu den Höhepunkten des kommenden Jahres gehört eine Retrospektive, die einem der bedeutendsten Künstler Norddeutschlands gewidmet ist — dem Maler Harald Duwe. Duwe, 1926 im Hamburger Arbeiterbezirk Rothenburgsort zur Welt gekommen, war glühender Realist und ein politisch engagierter Künstler. Er gehörte mit Günter Grass, Alexander Kluge und Rainer Werner Fassbinder zu den Künstlern, die in den 1970er Jahren die SPD unterstützten. Mit seiner Malerei machte sich Harald Duwe nicht immer beliebt. Er malte die Themen, „die mir vom Zeitgeschehen aufgedrängt werden“.

Seine Motive fand er im bundesrepublikanischen Alltag oder in den Verbrechen des Nationalsozialismus. Er wollte „Bilder malen, die jedermann begreifen kann“. Duwe, der auch Kunstprofessor an der heutigen Muthesius Kunsthochschule in Kiel war, starb 1984 bei einem Autounfall. Seit 1951 war er mit der Künstlerin Heilwig Ploog (Jahrgang 1924) verheiratet, alle drei Kinder des Paares — Katharina (geboten 1952), Johannes (geboren 1956) und Tobias (geboren 1961) — sind ebenfalls bildende Künstler geworden. Anlass für die Ausstellung ist der 90. Geburtstag Harald Duwes am 26. Januar, die Schau (10. Juli bis 30. Oktober in der Reithalle von Schloss Gottorf) aber widmet sich auch der Künstler-Familie.

Zur Eröffnung der Saison wird vom 16. Februar an auf Schloss Gottorf das segensreiche Wirken des Freundeskreises gewürdigt. In den 65 Jahren seines Bestehens hat er dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte durch zahlreiche Anschaffungen zur Seite gestanden. Mehr als 1000 Werke hat der Verein als Dauerleihgaben dem Museum zur Verfügung gestellt. Eine Auswahl ist bis zum 5. Juni in der Reithalle zu sehen.

Das Jüdische Museum Rendsburg beleuchtet im kommenden Jahr auf besondere Art und Weise „Schindlers Liste“. Vom 25. Februar an werden dort Werke des Malers, Grafikers und Illustrators Erhard Göttlicher präsentiert. Zu sehen sind großformatige Illustrationen Göttlichers zu dem Roman von Thomas Keneally, der Vorlage für den berühmten, mit sieben Oscars ausgezeichneten Spielfilm von Steven Spielberg war.

In der Ostholsteiner Außenstelle der Landesmuseen soll es bunt werden. Im Kloster Cismar wird vom 20. März bis zum 30. Oktober 2016 die Ausstellung „Diether Kressel — Bin im Garten“ präsentiert. Sie ist eine Ehrerweisung der Stiftung vor der Landesgartenschau, die im kommenden Jahr in Eutin stattfindet. Präsentiert wird das Lebenswerk des Hamburger Malers und Grafikers Kressel (1925-2015), der wie kaum ein anderer Künstler in seiner realistisch-surrealistischen Kunst das Thema von Garten und Blumenstillleben herausstellte.

40 Gemälde und 100 Zeichnungen und Graphiken werden in den Klosterräumen zu sehen sein: neben Gartenbildern um Gewächshaus, Rasenmäher und Blumensträußen auch das übrige Werk des Künstlers.

Besucher der Landesgartenschau in Eutin haben freien Eintritt. Mit einem Zuwachs um 66 Prozent hatte Cismar 2015 übrigens den größten Besucher-Anstieg. In absoluten Zahlen aber liegt das Kloster (5299 Gäste) vor dem Jüdischen Museum (4844) auf dem vorletzten Platz.

Landesmuseen auf Wachstumskurs
Sieben Einrichtungen gehören zu den schleswig-holsteinischen Landesmuseen: Schloss Gottorf mit Globus und Barockgarten in Schleswig sowie das Wikinger-Zentrum Haithabu bei Schleswig, das Jüdische Museum in Rendsburg, das Freilichtmuseum in Molfsee bei Kiel und Kloster Cismar im Kreis Ostholstein.

Die Zahl wächst auf acht mit der Wiedereröffnung des Eisenkunstgussmuseums in Büdelsdorf bei Rendsburg am 1. Juli. 2,8 Millionen Euro sind in Erneuerung und Modernisierung geflossen.

Liliane Jolitz

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