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„Kunst kennt keine Grenzen“

Lübeck/Teterow „Kunst kennt keine Grenzen“

Die Lübeckerin Jutta Petri lädt zu Kunstwanderungen durch den Norden via Internet.

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„So eine Marienkrönung ist selten zu finden“: die Kunsthistorikerin Jutta Petri mit Gemeindepastor Alexander Lemke vor dem Altar der Stadtkirche Teterow.

Quelle: Foto: Christine Senkbeil/epd

Lübeck/Teterow. Jutta Petri ist Botschafterin in Kirchenkunst. „Ich will in Pommern erzählen, was es in Schleswig gibt und umgekehrt“, sagt die Kunsthistorikerin von der Evangelischen Erwachsenenbildung in Rostock. „Kunst kennt keine Grenzen.“ Deshalb arbeitet sie seit zwei Jahren daran, besondere Kunstwerke vom Mittelalter bis in die Gegenwart aus ländlichen Kirchen der evangelischen Nordkirche für Kunstwanderungen im Internet zugängig zu machen.

Das „Wandern“ von einer Kirche zur anderen erfolgt mit der Maus vor dem Computer oder auf dem Smartphone. Ende August wurden die „Kunstwanderungen“ mit Berichten über mittelalterliche Altaraufsätze aus neun Kirchen freigeschaltet. Später sollen weitere sehenswerte Objekte hinzukommen.

Mit dabei ist von Anfang an der Doppelflügelaltar in der Stadtkirche St. Peter und Paul in Teterow (Landkreis Rostock). „So eine Marienkrönung ist selten zu finden“, erklärt Jutta Petri und zeigt auf das zentrale Bild des Flügelaltars: ein Königspaar im Zentrum der Gemeinschaft der Heiligen, Jesus segnend mit Weltkugel und Mutter Maria mit goldener Krone.

Die Kunsthistorikerin aus Lübeck kommt ins Schwärmen, wenn sie Betrachtern den 500 Jahre alten Altar zeigt. Sie weist auf die Feinheit der Gesichtszüge hin und auf das schwere Metall der Scharniere.

Gemeindepastor Alexander Lemke hat sie längst begeistert. „Über das Projekt habe ich den Altar noch einmal neu sehen gelernt“, sagt er. Er empfinde nun eine andere Wertschätzung.

„Ich habe mich dabei vor allem in ländlichen Kirchen umgeschaut“, erzählt Petri. Sie möchte Arbeiten zugänglich machen, die sonst nicht im Fokus stehen. Nach drei Themengebieten sind die Kunstwanderungen geordnet. Neben den Marienbildern geht es um eine Einführung in die Geschichte einzelner Kunstwerke sowie um Werktechniken in Geschichte und Gegenwart. Das vierte Themengebiet wird zeitgenössische Kunst vorstellen und befindet sich noch in der Vorbereitung. Der Seitenbesucher soll sich Reiseberichte oder Vor-Ort-Führungen auf sein digitales Endgerät herunterladen können.

Gedacht ist die Internetpräsentation für kunsthistorisch Interessierte aller Couleur. „Wenn jemand aus dem Süden plant, in den Norden zu kommen, kann er hier schauen, was ihn in den Kirchen erwartet“, sagt Petri. Ihr Ziel sei, Neugierde zu wecken, und die Kunstwerke aus neuem Blickwinkel zu betrachten.

Der Teterower Altaraufsatz im Seitenschiff eignet sich gut dafür. Petri: „Der Betrachter kommt dicht an ihn heran und kann die Figuren auf Augenhöhe betrachten.“ Man könne praktisch jede Absplitterung aus den Jahrhunderten verfolgen. Mit dem Smartphone in der Hand könne der Betrachter die Erläuterungen lesen und Bilder vergleichen.

„Dass zum Beispiel das Gold am Umhang des Apostels oben wunderschön exakt ist, weil es original ist – das fällt einem ja erst auf, wenn man es erklärt bekommt“, erläutert Pastor Lemke. „Dagegen sieht das hier unten aus wie rangeklatscht.“ Es sei aber sicher in guter Absicht aufgetragen worden, entgegnet die Kunsthistorikerin. „Solche Spuren möchte ich sichtbar machen.“

Online: www.erwachsenenbildung.nordkirche.de

Christine Senkbeil

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