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Kultur im Norden Kunstvoller Kitsch auf dem Großmarkt
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12:46 18.02.2016
Ab heute im Mehr! Theater zu sehen und vor allem zu hören: Roberta Valentini als Elisabeth im gleichnamigen Musical. Quelle: Juliane Bischoff
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Hamburg

Liebe, Macht, Ruhm, Schönheit, Verzweiflung und Mord: Das ist der Stoff, aus dem Dramen bestehen. Das Schicksal der österreichischen Kaiserin Elisabeth bietet genau das. Wer an die alljährlich zu Weihnachten über die Bildschirm flimmernden „Sissi“-Schmachtfetzen mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm denkt, hat freilich eher die naiv-herzige Thronfolgerin im Sinn als eine selbstbestimmte, gebildete Frau.

Michael Kunze und Sylvester Leway hatten für „Elisabeth — Die wahre Geschichte der Sissi“ eine andere Vision. Der deutsche Liedtexter und Librettist und der ungarische Komponist erzählen in ihrem Musical die Geschichte der sagenumwobenen Kaiserin als düsteren Totentanz. Die Handlung beginnt 100 Jahre nach deren Ermordung- im Reich der Toten und Träumer. Elisabeths Mörder Luigi Lucheni rechtfertigt seine Tat und beschwört die versunkene Welt des Habsburgerreiches noch einmal herauf. Bald darauf betritt die erst 15-Jährige Elisabeth die Bühne, verliebt sich in Kaiser Franz Joseph und geht fortan eine selbstzerstörerische Liaison mit dem Tod ein.

Mit über zehn Millionen Besuchern seit der Uraufführung in Wien 1992 avancierte das düstere Drama zum erfolgreichsten deutschsprachigen Musical. Die detailverliebte Produktion wurde in sieben Sprachen und zwölf Ländern aufgeführt. 23 Jahre nach der Uraufführung sind jetzt auch in Hamburg Titel wie „So wie man plant und denkt“, „Eine Kaiserin muss glänzen“ und „Ich gehör nur mir“ zu hören.

Im Mehr! Theater gastiert der Welterfolg fünfeinhalb Wochen lang — in einer der wohl ungewöhnlichsten Hallen in Norddeutschland. Das im März 2015 eröffnete Theater befindet sich mitten auf dem Gelände des Großmarkts. Wer sich nach dem Genuss von Rock- und Popkonzerten von Künstlern wie den Editors, Sufjan Stevens oder Bosse oder nach Gastspielen wie „Swanlake Reloaded“ umschaut, kann Zeuge werden, wie Heidekartoffeln oder Salatköpfe palettenweise angeliefert und entladen werden. Die Spielstätte zwischen Hauptbahnhof und Elbbrücken liegt in einem Areal, das für das Publikum bislang nicht zugänglich war. „Bislang tummelten sich auf dem Gelände nur Großhändler. Das hat sich geändert. Auch Hamburger und Touristen fahren das Gelände nun mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln an“, erzählt Pressesprecher Thomas Mehlbehr und führt durch den imposanten Bau. 1962 wurde die Großmarkthalle unter der Leitung des Architekten Bernhard Hermkes fertiggestellt. Mit ihrer futuristischen Architektur aus Glas und Beton setzte der Koloss schon damals Maßstäbe. Heute steht das Gebäude als eines der letzten Beispiele von Spannbetonbauten in Hamburg unter Denkmalschutz.

Die innere Bauweise verzichtet auf Trennwände oder Zwischendecken. Neben der Architektur besticht das Gebäude mit direkter Anbindung an die Waterkant und als geplanter östlicher Zielpunkt des Speicherstadtboulevards. Als sich die Händlerstruktur des Großmarktes veränderte, überlegte die Stadt, wie man neue Mieter gewinnen könne.

Am 14. November 2012 wurde der Vertrag für den Neubau eines Theaters in einem Teilbereich der 40 000 Quadratmeter großen Großmarkthalle unterschrieben. Zur Mehr! Entertainment Gruppe gehören bereits das Starlight Express Theater in Bochum, der Admiralspalast Berlin, das Capitol Theater Düsseldorf, das Musical Theater Bremen und der Musical Dome Köln. Im März 2015 wurde das Portfolio dann um die Hamburger Kulturstätte erweitert.

Bis zu 3500 Zuschauer finden in der 20 Meter hohen Halle Platz. 745 der 2400 Sitzplätze befinden sich im Hochparkett, 550 auf dem Balkon. „Das Theater bietet eine erstaunlich detailgetreue Akustik“, sagt Mehlbehr und führt hinter die Bühne in den Backstagebereich. Angebissene Tortenstücke aus Styropor und knallbunte Kostüme am Garderobenhaken erinnern an die letzte Produktion „Swanlake Reloaded“. Der Bühneneingang ragt direkt in die zugigen Obst- und Gemüsehallen hinein. In separaten Käfigen lagern die Händler hier ihre Produkte. Groupies versuchten anfangs, von hier aus auf Tuchfühlung mit ihren Idolen zu gehen. Wie das Rauschen einer Brandung dringt der Lärm von Bauarbeiten ans Ohr. Das Wachpersonal der Großmarkthallen kann zuweilen Zeuge werden, wie sich Bands backstage unmittelbar vor dem Auftritt vorbereiten.

„Die Wahrnehmung von Hamburg als Musicalstadt ist stark geprägt von Stage Entertainment. Wir verstehen uns aber keineswegs als weitere Musicalbühne“, beteuert Mehlbehr. Vielmehr sieht er das Theater als multifunktionales Gastspielhaus und „Verwandlungskünstler“ unter den Spielstätten. Vom Tanztheater über Progressive Rock und Klassik bis zu Galaabenden, Fernsehshows und A-capella-Konzerten ist hier alles möglich. „Elisabeth“ soll der Auftakt für den großen Publikumszuspruch sein.

Hier gibt es Karten

„Elisabeth — Die wahre Geschichte der Sissi“ ist im Mehr! Theater am Hamburger Großmarkt, Banksstr. 28, Eingang Tor West, zu sehen.

Premiere ist am heutigen Donnerstag, 18. Februar, um 19.30 Uhr. Gezeigt wird das Stück täglich noch bis zum 27. März.

Tickets kosten 23 bis 95 Euro und können unter Telefon 01805/2001 oder online bestellt werden: www.mehr.de

Alexander Bösch
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