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Kultur im Norden LN-Redakteurin vor der Kamera: Agatha Knüppelkuh lässt grüßen
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20:21 01.11.2013
Lagebesprechung vor den nächsten Aufnahmen: Jan Kadura (47) vom Filmstudio erklärt den beiden Schauspielerinnen Johanna Basener (15, Mitte) und Jenny Matull (15) die weiteren Szenen. Quelle: Fotos: Jana Franke, Kristina Zocher

„Wütend, richtig wütend musst du gucken!“ Jan Kadura vom Filmstudio Grevesmühlen gibt mir letzte Anweisungen, während er die schwere Kamera auf seine Schulter hebt. Als er mich vor drei Wochen fragte, ob ich im Film seiner Arbeitsgruppe die fiese Heimleiterin spielen könnte, stimmte ich sofort zu. Mal so richtig eklig und aggressiv sein, schreien und meckern, was das Zeug hält — das wird ein Heidenspaß, dachte ich. Nun stehe ich hier vor dem Ärztehaus und fordere meine Stimmbänder. Ich brülle Jenny Matull an. Die 15-jährige Grevesmühlenerin spielt ein querschnittsgelähmtes Mädchen, das bei einem Autounfall ihre Eltern verloren hat, nun in einem Reha-Zentrum lebt und unbedingt ans Meer möchte — was ich als fiese Leiterin des Reha-Zentrums verhindern möchte. Und gerade eben habe ich sie dabei erwischt, wie sie fliehen wollte.

„Wir wollten keinen Krimi oder lustigen Film drehen. Es sollte einer mit ernstem Hintergrund sein, bei dem man richtig mitfiebert“, erklärt mir Jenny in der Drehpause. Ihre Rolle, ein Mädchen im Rollstuhl, habe die Gymnasiastin zum Nachdenken gebracht. „Ich wünsche es keinem und habe Respekt vor denen, die gelernt haben, mit solch einer Situation zu leben“, sagt sie, während sie ihren Rollstuhl zum Fahrstuhl manövriert — der nächste Drehort.

Mit meinen streng zurückgesteckten Haaren, dem fiesen Blick und den wütenden Worten erinnere ich ein wenig an Agatha Knüppelkuh, die brutale Direktorin in der US-amerikanischen Komödie „Matilda“ — nur nicht ganz so kräftig. Ich muss Jenny vom Fahrstuhl in die Praxis für Ergotherapie „Das Boot“ — der Verein stellte die Räume im Ärztehaus für die Dreharbeiten freundlicherweise zur Verfügung — schieben, was sich als gar nicht so einfach herausstellt. So ein Rollstuhl ist schwer zu manövrieren. Er will einfach nicht so wie ich will. Wir müssen lachen. Und das ganze noch einmal von vorne: Rein in den Fahrstuhl, Kamera auf Aufnahme, Fahrstuhltür geht auf und Rollstuhl schieben, ohne zu lachen.

Als alles im Kasten ist, gehen wir die Aufnahmen der vergangenen Woche kurz durch. Schon hier durfte ich als eine Grevesmühlener Version der Agatha Knüppelkuh agieren und mit dem Motorroller auf Jenny-Jagd gehen. Denn ihr gelingt tatsächlich die Flucht. Mehr wird aber nicht verraten. Zu sehen ist der Film erstmals im Januar bei der Filmpremiere des Filmstudios im Rathaussaal, bei der insgesamt sieben Streifen verschiedener Arbeitsgruppen gezeigt werden.

„Wir freuen uns schon auf das Endprodukt“, gibt Johanna Basener (15) zu, die zusammen mit Jenny und Leo Bökelmann (15) ständig an dem Drehbuch feilt. Die drei Schüler stehen im Filmstudio schon länger vor oder hinter der Kamera und hatten auch die Idee für den Film. Und wenn Jan Kadura und ich den einen oder anderen Vorschlag einbringen — Fehlanzeige. „Wir haben da so unsere Vorstellungen“, sagt Johanna. Bitte, dann soll es so sein, denke ich, und lege mein Agatha Knüppelkuh-Gesichtsausdruck ab.

Zahlen und Fakten
40Schüler probieren sich derzeit im Filmstudio als Kameramann, Schauspieler oder Cutter aus. Neben ihren Filmprojekten in den verschiedenen Arbeitsgruppen unterstützen sie auch das Team von Grevesmühlen TV.

Jana Franke

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