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Lachen mit Superwoman Gayle Tufts

Lachen mit Superwoman Gayle Tufts

Lübeck. Die Frau hat sich viel vorgenommen für ihren ersten Auftritt in Lübeck. „Heute rette ich die Welt“ singt Gayle Tufts im Superman-Shirt. Die Amerikanerin, die seit 1991 in Berlin wohnt, versprüht einen Tatendrang, der reichen dürfte, sogar das Universum in seinen Angeln zu halten.

Als Entertainerin, Kabarettistin, Autorin und USA-Erklärerin hat Gayle Tufts viele Fans. Dass sie auch gern und prima singt, ist im gut gefüllten Theater Lübeck schnell bewiesen. Am Klavier begleitet wird sie von Marian Lux, dem das Arbeiten mit „Superwoman“ sichtlich Spaß macht. Mit ihrem Lob – „eine Amerikanerin in den Wechseljahren versteht niemand so gut wie ein junger Schwuler aus dem Osten“

 

LN-Bild

Voll in Aktion: Gayle Tufts.

Quelle: Foto: Felix König

– bringt Tufts ihren Bühnenpartner zum Kichern.

Das Programm der Künstlerin lebt von ihrer Zweisprachigkeit. Wenn sie Wörter zerhackt wie „Wirklichkeitsflucht“ oder „mehrfach ungesättigte Fettsäure“, dann lässt jede hervorgequetschte Konsonantenkombination ihre Gesichtszüge entgleisen. Und warum muss sie ausgerechnet hier einen „dreifachen Bandscheibenvorfall im Nackenbereich“ erleiden? Daheim wäre sie mit der schlichten Diagnose „slipped disc“ eindeutig besser bedient gewesen. Dafür bietet das ständige Switchen zwischen den Sprachen aber auch wunderbare Freiheit beim Reimen: Auf „blue“ und „you“ geht sich die „Freiheitsstatuuuhhh“ prima aus.

Gayle Tufts ist so taff/tough wie ihr Nachname. Wenn man ihn denn richtig ausspricht: Auf „Frau Tufftz“ reagiert sie nicht so gern. Ihre Lust an Sprachspielereien ist überbordend – und ansteckend.

Die 57-Jährige energiebündelt sich durch Themen wie die Wiedervereinigung („nichts, das mit einem Soundtrack von David Hasselhoff beginnt, kann gut ausgehen“), verzweifelt an dem orangehaarigen Monster im Weißen Haus, redet über Kohlenhydrate, Männermarotten, ihren ersten LSD-Trip und optimierten Grünkohl, sendet David Bowie mit einer wunderbaren Version von „Heroes“ einen Gänsehaut- Gruß.

Der Themenmix wirkt manchmal beliebig, aber die Gags zünden – und die Frau ist einfach sehr charmant und sympathisch. Was vielleicht die 14-Jährige in der ersten Reihe anders sieht. Gayle Tufts ruft ihr immer wieder Stichworte zu, die sie googeln soll. Das arme Mädel geht nach den Standing Ovations mit einer langen Hausaufgabenliste heim. Sabine Räth

LN

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