Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Laute Songs gegen Hass und sexuelle Gewalt

Lübeck Laute Songs gegen Hass und sexuelle Gewalt

Mit klaren Statements wollen sich die Mitglieder der Lübecker Heavy-Metal-Band James First zu Themen von Gesellschaft und Politik äußern.

Die Band James First bricht auf zur Europatour: Woomi (Drums), Markus (Gesang), Klebo (Bass) und Czassi (Gitarre).

Quelle: Maxwitat

Lübeck. Die Mitglieder der Band James First lassen sich auf das Sofa in ihrem Probenraum fallen. Gerade haben sie die Setlist für ihre Tournee durchgespielt. 50 Minuten „Hardcore Punkrock mit politischer Message“, so beschreibt das Quartett seine Musik. Eine ziemlich anstrengende und schweißtreibende Sache, wenn man die vier nach der Probe sieht. Die Band, das sind die Musiker, die sich „Woomi“(31, Schlagzeug), „Klebo“ (40, Bass) und „Czassi“ (32, Gitarre) nennen. Außerdem dabei: Markus (21), zuständig für den Gesang – oder „das Geschreie“, wie er es selbstironisch formuliert.

Das Leben wählen

Das Album „Choose Your Life“ ist bei Backbite Records erschienen.

Zum Ende der Tournee kommen James First für ein Konzert nach Lübeck: Sonnabend, 29. Oktober, Alternative, Willy-Brandt-Allee 9.

Der Name James First stellt einen ironischen Verweis auf James Last (1929-2015) dar. Im März 2015, da lebte Bandleader Last noch, ging die Gruppe zu drei Vierteln aus der Vorgängerband Phlegmatix hervor. Nur Markus ist neu hinzugekommen. „Der Beginn war sehr sportlich“, so Czassi. „Wir haben uns gegründet, zwei Monate später die erste Platte aufgenommen und vier Monate später die ersten Konzerte gespielt. Ein halbes Jahr später kam die Tour.“ Die erste Platte erschien als EP mit sechs Titeln. „Jetzt haben wir ein richtiges Album gemacht. Zwölf Songs sind drauf“, so Woomi. Und die heißen „Anti-Facist Crowd“, „Under The Knife“ oder „Suave Lawyer“.

Bei der Arbeit an den Songs des Albums „Choose Your Life“ habe die Band von Null angefangen, erzählen sie. Wie kann man sich das vorstellen?„Der Grundstein wird zu Hause gelegt. Im Probenraum arrangieren wir und arbeiten aus. Dort sind wir ein bisschen wie eine gegenseitige Jury. Wenn ich mit einer Idee komme und alle sagen, dass sie es richtig scheiße finden, dann wird das auch nichts. Das ist sehr demokratisch bei uns.“

Das Ergebnis: Hardrock, bei dem kein Blatt vor dem Mund genommen wird. Die vier Lübecker wollen mit ihrer Musik so klar wie möglich ihre Einstellung zu politischen und sozialen Themen äußern. „Es gibt im Punkrock Bands, die das sehr verschachtelt rüberbrigen und versuchen, philosophische Texte zu schreiben. Und dann gibt es Bands wie uns. Wir bringen das sehr plakativ auf den Punkt“, erklärt Czassi.

Mit ihrer Musik und ihren Texten wollten sie möglichst viele Menschen erreichen. „Wenn wir sagen, dass wir uns gegen Homophobie wenden, oder wenn wir es verurteilen, dass Frauen im Club angegrabscht werden, dann wollen wir, dass das jeder hört. Vielleicht sogar der Idiot, der so etwas macht.“ Und so heißt es im Song „It Doesn’t Matter“ unmissverständlich: „A kiss against her wish is the same as a rape, a smile on her face is no invitation for groping. All you assholes piss off and never come back again.“(Ein Kuss gegen ihren Willen ist wie eine Vergewaltigung, ein Lächeln auf ihrem Gesicht ist keine Einladung, sie zu begrabschen. Verpisst euch, ihr Arschlöcher, und kommt nie mehr zurück.) Wummernde Gitarrenriffs und starke Bässe sind dabei zu hören. Eine Lautstärke auf der unteren Hälfte der dynamischen Skala gibt es nicht. Das wiederum geht zuweilen auf Kosten der Textverständlichkeit. Warum James First ihre Texte nicht auf Deutsch verfassen, erklären die Musiker damit, dass sie auch außerhalb Deutschlands wahrgenommen werden möchten. Ihre Tour führt sie nach Tschechien, Ungarn und Slowenien.

Die Band ist, das sagen die Vier ganz deutlich, „ein Plus-Minus- Null-Geschäft“. „Du hast die Möglichkeit, Platten zu veröffentlichen, und du hast die Möglichkeit zu touren. Alles, was du einnimmst, steckst du in die nächste Produktion“, sagt Czassi. Deshalb hat jedes der Bandmitglieder noch einen anderen Job: Sie sind Veranstaltungskaufmann, Student, Lagerlogistiker und Projektleiter im Maschinenbau. Auf die Frage, ob die Band zum ersten Standbein werden soll, gibt es von Klebo eine klare Aussage: „Nein, niemals. Und das wollen wir auch gar nicht. Für mich wäre das Schlimmste: Du musst eine Platte aufnehmen und du musst auf Tour gehen, weil du damit Geld verdienen musst. Es wäre immer ein Müssen. Der Spaß würde in den Hintergrund rücken weil es dann zur Arbeit wird.“

Unbeirrt verfolgen sie eine eigene Richtung. Das zeigt sich auch, wenn man nach musikalischen Vorbildern fragt. Markus antwortet darauf: „Ich lasse mich beim Gesang gar nicht bewusst von jemanden inspirieren, weil ich auch keinen nachmachen möchte. Ich gebe einfach das Beste, was ich persönlich geben kann.“ Mit dieser Einstellung, klaren Ansagen und der Energie, mit der sie diese vermitteln, soll es weitergehen mit James First. „Dadurch, dass unsere Band noch nicht so lange existiert, ist schon noch einmal Luft nach oben“, sagt Czassi. „Wir entwickeln uns weiter, und auch die Konzerte werden größer. Wir haben seit kurzem eine Booking Agentur und ein Label. Da kann schon noch was kommen.“

 Karina Kücking