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Lebensbejahende Farbenpracht

Neuenkirchen Lebensbejahende Farbenpracht

Vor 60 Jahren starb Emil Nolde. Bis heute gehört der Künstler aus Nordfriesland zu den beliebtesten Malern.

„Die Blumen im Garten leuchteten rein und schön mir jubelnd entgegen . . . “: „Großer Mohn (rot, rot, rot)“, 1942.

Quelle: Nolde Stiftung Seebüll

Neuenkirchen. Wenn in jüngster Zeit der Name Emil Nolde fällt, dann geschieht dies häufig in Zusammenhang mit der Frage, wie nah der Maler dem Nationalsozialismus stand.

LN-Bild

Vor 60 Jahren starb Emil Nolde. Bis heute gehört der Künstler aus Nordfriesland zu den beliebtesten Malern.

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Nolde (1867-1956) hatte sich zunächst zum Nationalsozialismus bekannt, galt den braunen Machthabern gleichwohl als „entarteter Künstler“. Eine große Zahl seiner Arbeiten wurde beschlagnahmt, der Maler erhielt Berufsverbot. Aber er arbeitete heimlich weiter. So entstanden 1300 kleinformatige Aquarelle, Noldes berühmte „ungemalte Bilder“.

Emil Noldes zwiespältiges Verhältnis zu den Nazis tut seiner Popularität keinen Abbruch. Der Bauernsohn aus dem dänisch-deutschen Grenzgebiet wurde als Maler zum Weltstar. Seine Aquarelle und Gemälde hängen in Museen weltweit, vier seiner Gemälde sind derzeit in der Ausstellung „Painting the Modern Garden: Monet to Matisse“ in der der Royal Academy of Arts in London zu sehen.

Es liegt wohl zu einem großen Teil an der lebensbejahenden Farbenpracht in vielen Werken Noldes, die die Faszination dieses Künstlers ausmacht. Betrachter, die nichts als Schönheit suchen, können sie bei ihm finden.

Noldes künstlerisches Erbe wird an seinem langjährigen Wohnsitz im äußersten Norden Schleswig-Holsteins bewahrt. Seit 1957 ist das frühere Wohn- und Atelierhaus Noldes Museum und Sitz der Nolde Stiftung Seebüll. Der Künstler hatte das dem gradlinigen Bauhaus-Stil nachempfundene Gebäude selbst entworfen. Von 1930 an lebte er mit seiner ersten Frau Ada hier, später — bis zu seinem Tod 1956 — mit seiner mehr als 50 Jahre jüngeren zweiten Ehefrau.

Das Nolde-Museum zählt inzwischen über 62 000 Besucher pro Jahr. Zurzeit ist dort eine Ausstellung mit späten Werken des expressionistischen Malers zu sehen. Denn Nolde war auch im hohen Alter noch äußerst produktiv. Zwischen 1945 und 1951 schuf er allein mehr als 100 Gemälde — bis er aus gesundheitlichen Gründen keine Ölbilder mehr malen konnte. Die Ausstellung zeigt, dass Nolde im Alter seinen Motiven treu geblieben ist: Menschen, Landschaften, Meer, Blumen, aber auch Fantastisches oder Groteskes.

Im ehemaligen Atelier Noldes im Erdgeschoss sind heute seine religiösen Bilder ausgestellt. Um das 1911/12 entstandene gewaltige Werk „Das Leben Christi“ (sechs Meter breit, knapp 2,40 Meter hoch) zeigen zu können, musste erst mal der Fußboden raus. Die ehemalige Werkstatt musste abgesenkt, ein Fenster zugemauert werden.

Im kommenden Jahr gibt es wieder einen Grund, Nolde zu feiern: seinen 150. Geburtstag. Bis dahin soll auch Licht in sein ungeklärtes Verhältnis zu den Nazis gebracht sein. Die Nolde-Stiftung hat den Wissenschaftlern Aya Soika (Bard College, Berlin) und Bernhard Fulda (Cambridge) einen entsprechenden Auftrag erteilt.

Nolde-Ausstellungen

Die Ausstellung „Emil Nolde — Das Spätwerk“ ist bis zum 30. November im Nolde-Museum in Seebüll zu sehen.

Mit der Ausstellung „Emil Nolde — Der Maler“ wird es daneben eine weitere Retrospektive geben. Die Ausstellung ist ab 15. Juli zunächst im Brücke-Museum in Berlin, ab 5. November im Kunstmuseum Ravensburg zu sehen.

Für 2017 plant die Stiftung zum 150. Geburtstag Emil Noldes eine Ausstellung mit Meisterwerken.

Von Liliane Jolitz und Alexander Preker

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