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Lernen von den Musik-Profis

Lübeck Lernen von den Musik-Profis

Das Lübecker Jugendsinfonie- Orchester bereitet sich auf seine nächsten großen Auftritte vor.

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Hans-Christian Schwarz, Solo-Cellist der Lübecker Philharmoniker, arbeitet mit der Cello-Gruppe des Jugendorchesters.

Quelle: Neelsen

Lübeck. Die Begeisterung ist groß. 65 junge Musikerinnen und Musiker aus Lübeck und Umgebung proben für den großen Auftritt, den sie bei den Hansetagen im Mai haben werden. Am Sonnabend finden Stimmproben des Jugendsinfonieorchesters Lübeck (JSOL) in den Räumen der Musik- und Kunstschule statt. Es sind keine normalen Stimmproben, in denen die Gruppen der Holzbläser, der ersten und zweiten Geigen, der Blechbläser, der Celli und der Kontrabässe versuchen, mit den Partituren zurecht zu kommen und einen homogenen, gleichmäßigen Klang zu entwickeln. Musiker der Lübecker Philharmoniker leiten die Stimmproben — bessere Lehrer als die gestandenen Orchester-Profis können sich die Nachwuchs-Künstler kaum wünschen.

Auf den Pulten im Raum, in denen die zweiten Geigen spielen, liegt die Partitur von Joseph Haydns Cello-Konzert in C-Dur. Ein bekanntes, aber keinesfalls einfach zu spielendes Werk. Daniela Dakaj, Stimmführerin der zweiten Geigen der Lübecker Philharmoniker, leitet die Probe. Die ersten Hürden finden sich bereits nach wenigen Takten, eine Passage mit 16teln will und will nicht so klingen, wie die Profi-Musikerin es sich vorstellt. „Das Zählen ist ein Problem hier, aber wenn es nicht anders geht, müsst ihr einfach das erste 16tel bei diesen gebundenen Noten weglassen.“ Ein Tipp, den die meist noch sehr jungen Geigerinnen und Geiger gerne annehmen und der sich sofort positiv auf den Klang auswirkt. Weiter geht es in der Partitur, die Synkopen klingen Daniela Dakaj zu schwer und zu statisch. „Das muss richtig swingen, und dafür müsst ihr sie richtig kurz nehmen.“ Noch ein Tipp aus dem reichen Erfahrungsschatz der Geigerin, der sich direkt im Klangbild bemerkbar macht.

Der 1987 geborene Kirchenmusiker Thimo Neumann, Dirigent des JSOL, freut sich über Schützenhilfe der Philharmoniker für sein Orchester. „Hier lernen unsere Mitglieder Dinge, die man in Tutti-Proben nicht vermitteln kann. Deshalb bin ich sehr dankbar dafür, dass die Profis einen freien Sonnabend für diese Proben opfern. Unsere Musikerinnen und Musiker sind ja erste zwischen 12 und 22 Jahren alt, sie profitieren sehr von dieser Probenarbeit.“ Das sieht auch Jakob Meyers so, Solo-Fagottist der Philharmoniker und Vorstandsmitglied der Philharmonischen Gesellschaft Lübeck. „Wir haben 2005 die Patenschaft für das JSOL übernommen, weil wir diese Art der Nachwuchsförderung für wichtig halten. In diesen Proben können wir unsere Erfahrungen an die nächste, oder übernächste, Generation weitergeben. Schließlich haben auch wir Philharmoniker fast alle einmal in Jugendorchestern gespielt.“

Jakob Meyers arbeitet mit den Holzbläsern des Orchesters. Flöten, Oboen, Klarinetten und Fagotte hat Haydn für sein Konzert vorgeschrieben. Aber es ist ein weiter Weg, bis der Klang dieser Orchestergruppe sich stabilisiert hat und so warm und beweglich ist, wie der Dozent es sich wünscht. Immer wieder gibt es Probleme mit der Intonation, die bei Holzblasinstrumenten sowieso heikel ist.

Häufig lässt Meyers nachstimmen — und irgendwann ist der Ton der Gruppe dann wirklich warm.

Einen Raum weiter ist Solo-Cellist Hans-Christian Schwarz mit der Cello-Gruppe in den ersten Satz des Haydn-Konzerts vertieft. Sein Sohn Lukas (15) wird den Solo-Part übernehmen. Die Celli sind schon recht weit gekommen bei der Erarbeitung der klassischen Partitur. „Forte und dann plötzlich und unerwartet ein Fortissimo — das ist typisch Beethoven, erfunden hat es Haydn“, sagt er an einer besonders schwierigen Stelle. Aber auch die klingt bald so, wie sie klingen soll.

Jürgen Feldhoff

Auftritt bei den Hansetagen
Das Jugendsinfonieorchester Lübeck (JSOL) gab 1975 seine ersten Konzerte. Ein Jahr zuvor hatten sich Lübecker Musikschüler an den damaligen GMD Matthias Kuntsch mit der Bitte, ihnen bei der Gründung eines Jugendorchesters behilflich zu sein. Kuntsch stellte Räumlichkeiten und einen Kapellmeister zur Verfügung, Mitglieder des Städtischen Orchesters unterstützten die Nachwuchsmusiker. Unter den späteren Leitern des JSOL war besonders Roberto Frontini erfolgreich, damals 2. Kapellmeister an den Städtischen Bühnen. 1983 erhielt das Orchester zusammen mit dem ehemaligen Mitglied und Trompeter Matthias Höfs den ersten Hanse-Kulturpreis.



Seit 1995 ist das JSOL räumlich und organisatorisch an der Musik-und Kunstschule Lübeck angegliedert. 1997 erreichte das Orchester einen Finalisten-Platz bei dem deutschen Wettbewerb der Jugendorchester der Jeunesses Musicales. 2002 übergab Roberto Frontini nach 24 Jahren die Leitung an Bruno Merse, den zweiten Konzertmeister des Lübecker Philarmonisches Orchesters. 2003 bis 2010 hatte Frank Engelke die Leitung des Orchester. Seit 2012 ist Thimo Neumann Dirigent des JSOL.


Auftreten wird das Orchester am 24. Mai bei den Hansetagen. Auf der Bühne vor dem Holstentor spielt das Orchester den 1. Satz aus Ludwig van Beethovens „Eroica“, Joseph Haydns Cellokonzert C-Dur (Solist: Lukas Schwarz), von Niels Wilhelm Gade die Ouvertüre „Efterklange af Ossian“ sowie von Thilo von Westernhagen die Komposition „Türme“. Am 22. Juni wird das Konzert um 17 Uhr im Kolosseum wiederholt. Außerdem spielt das JSOL am 29. Juni im Kolosseum im Rahmen des Geburtstages der Musikschule Rosengarten.

LN

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