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Liebe, Luther, Leidenschaft

Liebe, Luther, Leidenschaft

Die Jugendoper „Luther in Love“ hat am 2. September in Lübeck Premiere.

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Hamburg: „Ein katastrophaler Theaterabend“ feiert Premiere

„Den ich liebe“: Gabriele Pott probt mit den Kindern die Musikstücke – vieles können die jungen Mitwirkenden schon auswendig.

Quelle: Fotos: Lutz Roessler, Dpa

Lübeck. „Alle nach links anfangen. Vor, vor, vor, zur Seite. . .“ Die Choreografie ist gar nicht so leicht zu merken. „Arme hoch, Spannung, und Ausdruck!“ Die Füße gehen oft noch in die falsche Richtung, doch die kleine Ava strahlt die ganze Zeit. Sie und ihre Schwester dürfen mittanzen und singen bei der Jugendoper „Luther in Love“, für die die Proben im Lübecker Hafenschuppen C laufen. Ava und Dorsa kommen aus dem Iran, leben seit vier Jahren in Lübeck und gehören zu den 42 Kindern und Jugendlichen, die das Casting mit Bravour gemeistert haben.

Luther – das Thema liegt nahe im Reformationsjahr. Die Oper ist das Herzstück des Musikfestivals „Kunst am Kai“, das Gabriele Pott 2014 gegründet hat und dessen künstlerische Leiterin sie ist. Zum vierten Mal hat sie dafür auch eine Jugendoper komponiert. Das Libretto stammt von Birgit Kronshage, die auch Regie führt. „Luther in Love“, das klingt nach einer großen Liebesgeschichte. „Die kommt auch vor, die Liebe zu seiner Frau Katharina. Aber sie spielt nicht die zentrale Rolle“, erklärt Birgit Kronshage. Sie sieht es so: „Luther hat für sich und die Welt die Liebe gepredigt statt Buße und Bestrafung.“ Ein wichtiger Aspekt sei auch Luthers Leidenschaft auf der Suche nach der Wahrheit, ergänzt Gabriele Pott. Luther sei ein sehr interessanter Mensch gewesen, entscheidungsfreudig und standfest in seinen Überzeugungen. Bereits Ende vergangenen Jahres haben sie, Birgit Kronshage und Tänzerin Martina Wüst das Konzept entwickelt.

Seit dem vergangenen Wochenende laufen die Proben. Täglich kommen die Kinder aus Lübeck, Hamburg, Neustadt, Eutin, Heiligenhafen in den alten Hafenschuppen, um die Lieder und Texte zu üben und die Rollen einzustudieren. Die jüngsten sind 9, die ältesten 17 Jahre alt. Melanie hat schon fast Routine, die spielt bereits zum vierten Mal in einer Jugendoper von Gabriele Pott mit, war Pirat, Ritter, Amazone und wird nun als Nonne auftreten. Sie liebt das Spielen und findet es toll, bei diesen Projekten neue Freundschaften schließen zu können. Sarah ist zum ersten Mal dabei, die Zwölfjährige hat bereits Schauspielerfahrung am Lübecker Theater Partout gesammelt und findet es gut, dass sie hier singen, tanzen und schauspielern kann – als Magd und als Nonne.

In nur zwei Wochen Probezeit müssen Texte, Melodien, Choreografie sitzen, aber Gabriele Pott ist optimistisch. „Es ist eine intensive Zeit, und es hat immer wunderbar geklappt. Viele Kinder haben Bühnenerfahrung und lernen sehr schnell.“ Man merkt den jungen Mitwirkenden die Freude an der gemeinsamen Arbeit an. Die Hauptrollen – Luther, seine Frau, dessen Freundin und Papst – werden von Profis gesungen. Auch das Festivalorchester besteht aus Profis vom Philharmonischen Orchester und aus der Musikhochschule.

Etwa zwei Stunden inklusive Pause veranschlagt Gabriele Pott für die Oper, die in drei Teile gegliedert ist. Erstens: „Das große Nein.“ Dabei geht es laut Pott um Luthers Nein der alten Kirche gegenüber und dem Tod. Es folgt „Das große Fressen“. So deftig in Luther-Jargon ist die Pause betitelt, in der die Besucher an langen Tafeln sitzen und von Luther eine Tischrede hören. „Das große Ja“ im zweiten Teil behandelt Luthers Liebe zu Katharina von Bora und zum Leben. Die Musik verbindet Klänge des Spätmittelalters mit zeitgenössischer Musik. „Die Geschichte dieser bedeutenden Persönlichkeiten wird aus heutigem Blickwinkel musikalisch erzählt, so dass die Oper ein Erlebnis für alle Generationen wird.“

Extravorstellung für Schüler

Premiere ist am 2. September. Weitere Vorstellungen: 3., 9., 10. September. Beginn ist jeweils um 17 Uhr im Hafenschuppen C. Für Schulklassen gibt es eine Vorstellung am 8.

September um 10.30 Uhr.

Solisten: Martin Luther: Daniel P. Witte, Katharina von Bora: Lisa Ziehm, Ave von Schönfeld: Rebecca Aline Freese, Papst Leo X./Päpstlicher Vertreter/Vater: Lukas Anton, der Tod: Martina Wüst Eintritt: 15/12,50 Euro, ermäßigt für Schüler und Studenten 10/7,50

Euro

Petra Haase

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