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Kultur im Norden Liebe und Schokolade: Premiere der Niederdeutschen Bühne
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15:58 17.04.2019
Irrrungen und Wirrungen in der Schokoladenmanufaktur: Hans-Hermann Müller, Alice Soetbeer, Kirsten Mehrgardt und Heino Hasloop (v. l.) . Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Das Stück kann seine französischen Wurzeln nicht verleugnen: Es geht um Liebe und Schokolade, die Komödie hat das Oh, là, là eines schönen Frühlingstages: „Een Hart ut Schokolaad oder Heinrich sien ‚sötes Leven’“ feierte jetzt mit der Niederdeutschen Bühne Lübeck seine erfolgreiche Premiere in den Kammerspielen. „Coeur Chocolat“ ist das Erstlingswerk der 33-jährigen Frankokanadierin Valerie Setaire. Bei der niederdeutschen Fassung des Boulevardstücks „Herz aus Schokolade“ führte Sascha Mink Regie.

Die Komödie um den drohenden Niedergang einer der traditionsreichsten Schokoladerien Norddeutschlands könnte man auf Hochdeutsch kurz so beschreiben: textlastig, es wird viel getrunken, Komik durch klischeehafte Figuren, Entwicklung vorhersehbar.

De Buddel geiht jümmers rüm

Übertragen ins Plattdeutsche heißt das: Dor ward veel snackt up de Bühn, die Buddel geiht jümmers wedder rüm. UrigeTypen gift dat dor, kannst fix över smuustern, un ton’n Sluss siegt de Leev. Das Plattdeutsche klingt nicht nur viel sympathischer, sondern entspricht auch dem, was die Inszenierung von Sascha Mink erreicht: Unterhaltung mit Leichtigkeit und Esprit. Die Wohlfühl-Atmosphäre unterstreicht das zauberhafte Bühnenbild in Türkis von Moritz Schmidt und Eva Knüppel.

Das „Söte Leven“, so der Name von Unternehmen und Ladenlokal, ist auf dem absteigenden Ast. Denn Eigentümer Heinrich (Hans-Hermann Müller, ein Sturkopf mit „Schokoladenherz“) hat aus Kummer über den Tod seiner Ehefrau Moni seinen Geschmacksinn verloren. Sein Freund und Arzt Ludwig Mager will helfen. Heino Hasloop gibt diesen als eine trinkfreudige Seele von Mensch, der sich gern als „RTT“, als „Rum-Trüffel-Tester“, zur Verfügung stellt. Zusammen mit der Praktikantin Patricia (Alice Soetbeer, jung, plietsch, energisch und kreativ) gibt er eine verquere Kontaktanzeige auf, die für amüsante Verwirrungen sorgt.

Esoterikerin und Domina

Hier darf Kirsten Mehrgardt auftrumpfen und die Lacher ernten. Als Star des Stücks verkörpert sie virtuos gänzlich unterschiedliche Frauentypen: die Landpomeranze, die sich für die Stadt chic gemacht hat, die Esoterikerin, die im Walle-Walle-Gewand umherschwebt, die Coole, die „ihren Marktwert“ kennt, die Peitsche schwingende Domina und schließlich die Frau, die ihrem Verehrer zuliebe Job und Wohnung aufgegeben hat, und enttäuscht wurde.

Am Ende fügt sich alles aufs Schönste (Komödienhafte): Heinrich verliebt sich in die verlassene Sophie, sie sich in ihn, die Praktikantin darf ihre neuen Pralinenkreationen in der altehrwürdigen Schokoladerie präsentieren und Doktor Mager? Er freut sich – und mit ihm das Publikum – über das neue Glück.

Info: Nächste Aufführungen in den Kammerspiele des Theaters Lübeck: 23. April., 5. und 29. Mai. sowie 6. Juni.

Dorothea Kurz-Kohnert

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