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Liebesleid in Lissabon

Lübeck Liebesleid in Lissabon

Der Spielfilm „Fado“ des aus Lübeck stammenden Regisseurs Jonas Rothlaender kommt ins Kino.

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Lübeck. In Lissabon, in der portugiesischen Hauptstadt, wo sich das Eifersuchtsdrama zwischen der Architektin Doro und dem Arzt Fabian abspielt, ist auch der Fado beheimatet. Fado, übersetzt Schicksal, ist ein portugiesischer Musikstil, dessen Lieder oft von unglücklicher Liebe handeln. Symbolträchtig heißt so auch das Spielfilmdebüt des gebürtigen Lübeckers Jonas Rothlaender – „Fado“ läuft ab der kommenden Woche bundesweit in den Kinos an.

LN-Bild

Der Spielfilm „Fado“ des aus Lübeck stammenden Regisseurs Jonas Rothlaender kommt ins Kino.

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Jonas Rothlaender ist äußerst gespannt, wie sein Abschlussfilm an der Deutschen Film und Fernsehakademie in Berlin (DFFB) beim Kinopublikum ankommt. Auf Festivals hat der erste abendfüllende Spielfilm des 34-Jährigen bereits Lorbeeren geerntet. Den renommierten Max-Ophüls-Preis erhielt der Filmemacher für die beste Regie Anfang des Jahres beim Filmfestival für Nachwuchsfilmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Saarbrücken.

„Das hat für Aufmerksamkeit gesorgt“, so Rothlaender. Dieser Auszeichnung sei es zu verdanken, dass der Film jetzt einen deutschen Verleih habe und hier laufe. „Ein großer Erfolg“, freut sich der junge Regisseur. Am kommenden Dienstag stellt er „Fado“ in einem Hamburger Kino vor. Dort lebt Jonas Rothlaender jetzt nach Abschluss seiner Ausbildung in Berlin. „Ich bin wieder in den Norden zurückgekehrt“, sagt er.

Einmal Lübecker,

immer Lübecker

Dem Norden hat er nie ganz den Rücken gekehrt, und seiner Geburtsstadt ist er „emotional sehr verbunden“. „Mein Vater lebt in der Nähe von Lübeck, und ich habe noch sehr viele Freunde und Bekannte hier“, so Rothlaender.

Kino-Enthusiasten ist der Name ein Begriff. Denn der Regisseur war mehrfach bei den Nordischen Filmtagen vertreten: Sein Dokumentarfilm „Familie haben“ wurde 2015 gezeigt. Rothlaender nimmt darin seine Familie und ein Zerwürfnis unter die Lupe. In Zürich trifft er seinen Großvater Günther, der mehrere Millionen in riskanten Börsenspekulationen veruntreut hat, darunter auch das Vermögen seiner damaligen Ehefrau Anne. Nun mit 90 Jahren will er seine Schuld begleichen.

1982 wurde Jonas Rothlaender in Lübeck geboren, besuchte die Waldorfschule, die Familie zog dann nach Bielefeld, wo er auch sein Abitur ablegte. Er absolvierte seinen Zivildienst als Pfleger im Krankenhaus und machte immer wieder Praktika bei verschiedenen Filmproduktionen. Als Jugendlicher schrieb er Kurzgeschichten, versuchte sich als Schauspieler beim Schultheater und im Jugendclub des Theaters in Bielefeld.

„Ich war auf der Suche, womit ich mich am besten ausdrücken kann“, sagt Rothlaender. Gefunden hat er es, als er 2004 einen ersten Film – „ganz kurz, ganz simpel“ – mit der Videokamera drehte. Das war für ihn die Offenbarung. Jonas Rothlaender: „Ich hatte mein Medium entdeckt.“ Und er ist dabeigeblieben Eifersucht und

menschliche Abgründe

Das Regiestudium an der DFFB, das er 2007 startete, gab ihm die Möglichkeit, „meine eigene Filmsprache zu entwickeln“. Diese lässt er jetzt eindrücklich in seinem Spielfilm „Fado“ sprechen, nachdem er während seines Studiums diverse Kurzfilme produziert hat: „Das Hemd“, „Kaperfahrt“, „Jagdgründe“, „Auf Anfang“ – für jeden Film war er für Drehbuch, Regie und Schnitt verantwortlich. „Das Hemd“

wurde für die „Next generation/Short-Tiger“-Kurzfilmrolle nominiert und wurde bei Festivals weltweit aufgeführt.

„Fado“ ist ein Film, der durch zum Teil freizügige Sexszenen Tabus berührt und die konventionellen Geschlechterrollen gegen den Strich bürstet: Die 31-jährige Doro (Luise Heyer), eine Architektin, ist stark und selbstbewusst, ihr 33 Jahre alter Freund Fabian (Golo Euler), von Beruf Arzt, ist schwach und unsicher, was sich in einer krankhaften Eifersucht äußert. Sein Kontrollzwang zerstört schließlich die Beziehung.

Rothlaender spendiert seinen Protagonisten sparsame Dialoge, das verleiht dem Film Spannung, weil man nicht weiß, ob manche Szenen real sind oder ob sie sich nur im Kopf von Fabian abspielen. Der Regisseur setzt auf die Symbolkraft der Bilder: Das Meer steht für die unbeherrschbare Eifersucht, die Fabian bedrängt, zerstörerisch wie eine Monsterwelle. Die verfallende Stadt Lissabon deutet das Scheitern der Liebenden an. Wie beim Fado, der den Film untermalt, geht es um starke Gefühlsregungen und menschliche Abgründe. Jonas Rothlaender hat die Erfahrung gemacht: „Frauen mögen den Film, Männer fühlen sich dadurch oft provoziert.“

Vorführungen in Hamburg, Kiel und Rostock

Jonas Rothlaender (Foto), am 5. November 1982 in Lübeck geboren, lebt in Hamburg.

„Fado“, seinen ersten abendfüllenden Spielfilm, wird er am Dienstag, 31. August, um 21.15 Uhr in Hamburg im Programmkino „3001“ vorstellen, (Schanzenstrasse 75, Hof).

Nach dem bundesweiten Start am Donnerstag, 1. September, läuft „Fado“ bis zum 7. September jeweils in Kiel in „Die Pumpe“ und im „Lichtspieltheater Wundervoll“ in Rostock.

Dorothea Kurz-Kohnert

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