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Kultur im Norden Lieblingssongs von Tocotronic
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18:13 15.06.2017

„Coming Home“ heißt eine CD-Reihe des Berliner Labels Stereo Deluxe. Musiker wie Sven Väth und DJ Hell oder das Projekt Jazzanova wurden gebeten, ein Album zusammenzustellen mit Songs, die ihnen wichtig sind oder aus anderen Gründen am Herzen liegen. Für die neunte Ausgabe haben sie die Band Tocotronic gefragt, und es ist wieder eine Grabung nach verlorenen, vergessenen oder entlegenen Schätzen geworden.

19 Stücke umfasst die CD, mit „Rebel Boy“ ist ein Stück von Tocotronic selbst dabei, vom letzten, dem vor zwei Jahren erschienenen „Roten Album“. Es ist ein typischer Song für eine der großen deutschen Bands, die seit zwei Jahrzehnten verlässlich klugen Gitarrenrock spielt und sich gut zurechtfindet zwischen Auftritten bei Rock am Ring und in der Roten Flora, der autonomen Burg im Hamburger Schanzenviertel. Und er enthält die schöne Zeile: „Ich will keine Punkte sammeln, gib mir nur ein neues Leben.“ Ansonsten spiegelt die Compilation den Geschmack und die Interessen der Band wieder, und da liegt vor dem Hörer ein weites Feld, zeitlich wie musikalisch. Dirk von Lotzow etwa, Sänger und Gitarrist von Tocotronic, versucht mit seinem Nebenprojekt Phantom Ghost dem Kunstlied ein neues Gewand zu geben. Jetzt hat er Masha Qrella auf das Album gebracht, vor deren jüngstem Konzert in der Berliner Volksbühne er Songs von Tocotronic gespielt hat. Ihr Indie-Pop ist nicht weit von dem Courtney Barnetts aus Australien entfernt. Auch die U. S. Girls gehen mit ihrem sparsam instrumentierten „Island Song“ in diese Richtung.

Der Durstige Mann („Kind für immer“) dagegen grüßt aus den Achtzigerjahren, die Band spielt kurze Songs in Punk-Manier, die sich nicht lange aufhalten. Auch die Wipers („When it’s over“) stammen aus den Gründertagen des Punk und sind Brüder im Geiste der Thermals („I know the Pattern“), die wie sie aus Portland in Oregon kommen, sich aber erst knapp zwanzig Jahre später zusammengefunden haben.

Compilations sind ja immer auch dazu da, Entdeckungen zu machen, und eine von ihnen sind Wand aus Los Angeles. Das Trio türmt Gitarren zu mächtigen Schichten auf, die aber Raum lassen für einen charmant beiläufigen Gesang und schwebende Melodien. Ob man Andreas Doraus Kindergeburtstagspop für Erwachsene aber entdecken muss, steht dahin.

Der Vibraphonist und Sänger Roy Ayers spielt Jazzfunk, wie ihn in den Siebzigerjahren auch Earth, Wind & Fire in die Discotheken gebracht haben. Tamikrest aus der Sahara sind mit westlichem Tuareg-Blues und Frankie Goes To Hollywood („San Jose“) mit Easy Listening von Burt Bacharach vertreten. Jonathan Richmans Modern Lovers („She Cracked“) schließlich retten die Kargheit von Velvet Underground hinüber in den Punk. int

LN

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