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Literarische Landschaften

Klütz Literarische Landschaften

Das Uwe Johnson Literaturhaus im mecklenburgischen Klütz gibt es seit zehn Jahren. Es erinnert an einen bedeutenden deutschen Autor.

Barbara Stierand, die Vorsitzende des Fördervereins des Uwe Johnson Hauses, freut sich auf die Jubiläumsfeier zum Zehnjährigen.

Klütz. Aus dem großen Fenster im vierten Stock fällt der Blick auf die ziegelroten Dächer der Stadt. „Ein Marktort mit 2151 Einwohnern, einwärts an der Ostsee zwischen Lübeck und Wismar gelegen, ein Nest aus niedrigen Ziegelbauten entlang einer Straße aus Kopfsteinen ... und einer Kirche aus der romanischen Zeit, deren Turm mit einer Bischofsmütze verglichen wird“, schreibt Uwe Johnson in seinem Jahrhundertroman „Jahrestage“. Auch die Bischofsmütze der Marienkirche sieht man aus dem Fenster des Literaturhauses. Klütz gilt als Vorbild für Johnsons fiktive Stadt Jerichow, die Kulisse mehrerer seiner Werke. Selbst ist der Schriftsteller allerdings wohl niemals in der Kleinstadt am nordwestlichen Zipfel Mecklenburgs gewesen. Dennoch gibt es dort ein Literaturhaus zu seinen Ehren, und das seit zehn Jahren.

LN-Bild

Das Uwe Johnson Literaturhaus im mecklenburgischen Klütz gibt es seit zehn Jahren. Es erinnert an einen bedeutenden deutschen Autor.

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Die Frühlingssonne strahlt den früheren Getreidespeicher an, der jetzt die Erinnerungen an einen der bedeutendsten Autoren Ost- und Westdeutschlands speichert. „Es ist eines der wenigen Dichterhäuser, das nicht Geburts- oder Wohnort des Autors war“, sagt Anja-Franziska Scharsich, die die Ausstellung konzipierte und das Literaturhaus leitet. Die Topografie seiner Werke rechtfertigt den Standort. Mecklenburg mit seinen backsteinroten Städten, der hügeligen Landschaft mit Knicks und Seen bildet die literarische Landschaft Johnsons, der in Güstrow zur Schule ging und in Rostock Germanistik studierte.

Heimat und deren Verlust war für den Heimatlosen ein Herzensthema, es bildet die Grundmelodie seiner Werke. Zu DDR-Zeiten wurde Johnson, der 1959 nach Westberlin umsiedelte, im Osten nicht verlegt und war bis auf die Forschung weitgehend unbekannt. Nach der Grenzöffnung pilgerten westdeutsche Johnson-Jünger nach Klütz auf der Suche nach dem imaginären Jerichow und machten den Dichter dort plötzlich populär. Und so entstand die kecke Idee, aus dem leerstehenden Getreidespeicher ein Literaturhaus zu machen. Mehr als eine Million Euro von der EU, vom Bund und vom Land flossen in den Umbau durch den Lübecker Architekten Werner Peters. In einer anschaulichen Dauerausstellung ist auf zwei Etagen der Johnson-Kosmos nachzuvollziehen: mit Texten, Fotos, in Filmen oder Hörbeispielen, mit Zitaten von Zeitgenossen und Zeitungsartikeln.

Und es gab die kluge Entscheidung, nicht nur zurückzublicken, sondern das Haus mit Leben zu füllen. So finden die Stadtbibliothek und die Stadtinformation Platz im Haus, Veranstaltungen bringen die aktuelle literarische Landschaft zum Aufblühen. Prominente Gäste haben bereits im Haus gelesen: Hellmuth Karasek, Wladimir Kaminer, Christoph Hein, Monika Maron, Alexander Osang, Birgit Vanderbeke.

Auch unter den rund 80000 Besuchern des Hauses ist die Promidichte hoch: Thomas de Maizière und Philipp Rößler schauten vorbei, und der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel im vergangenen Jahr sorgte für Schlagzeilen.

Ehrenamtliche Helfer des Fördervereins flankieren die vielfältigen Aktivitäten, helfen tatkräftig bei Veranstaltungen mit wie der dreitägigen Feier des zehnjährigen Bestehens am Wochenende, erzählt Barbara Stierand. Die Inhaberin eines Postkartenverlags, die aus München in den Klützer Winkel gezogen ist, arbeitet seit zehn Jahren im Förderverein mit, seit 2008 als Vorsitzende. „Wir haben über 100 Mitglieder in ganz Deutschland“, freut sie sich. Regelmäßig führt der Förderverein Spaziergänge auf den Spuren Johnsons durch.

Dass der Dichter selbst tatsächlich welche in der Stadt hinterlassen hat, ist äußerst fraglich, wenngleich einige Klützer immer noch auf der Suche nach Indizien dafür sind. Seine literarische Spuren aber sind deutlich. Wie schreibt er über die Jerichower? „ Manchmal, und öfter, benehmen sie sich, als wären sie Klützer.“

Jubiläum

Tag der Offenen Tür : Am Sonnabend, 9. April, führt Architekt Werner Peters ab 10 Uhr durchs Haus. Ein literarischer Spaziergang durch Klütz beginnt um 11.30 Uhr. Außerdem gibt‘s Angebote für Kinder und einen Bücherflohmarkt. Am Sonntag, 10. April, liest der Schauspieler Thomas Arnold ab 11 Uhr aus Johnsons „Zwei Ansichten“.

Öffnungszeiten: Di-So 10-17 Uhr, Eintritt 3,50 Euro, Führungen nur nach Voranmeldung.

www.literaturhaus-uwe-johnson.de

Wurzeln in Mecklenburg

Uwe Johnson wurde 1934 in Cammin (Pommern, heute Polen) geboren. Nach dem Krieg zog die Familie von Anklam nach Recknitz bei Güstrow. Er studierte in Rostock und Leipzig. 1959 zog er in die Bundesrepublik, wo im selben Jahr sein Debütroman „Mutmassungen über Jakob“ erschien. Sein Hauptwerk, der Roman „Jahrestage — Aus dem Leben von Gesine Cresspahl“, erschien in vier Bänden von 1970 bis 1983. Er schildert ein Jahr im Leben der Hauptfigur, die aus dem fiktiven Ort Jerichow in Mecklenburg stammt. 1971 erhielt er den Georg-Büchner-Preis, 1979 in Lübeck den Thomas-Mann-Preis. Er starb 1984 im Alter von 49 Jahren.

Von Petra Haase

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