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Kultur im Norden Literaten unter der Film-Lupe
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22:25 31.10.2013
Martina Fluck (50) ist Dokumentarfilmerin aus Leidenschaft. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Die Regisseurin Martina Fluck ist Rheinländerin und ein waschechter Großstadtmensch. „Ich bin in Düsseldorf aufgewachsen, habe in München studiert. Da war es schon eine große Umstellung, als ich mich in einen Arzt aus Heide verliebt habe und dann dorthin gezogen bin“, sagt die 1963 geborene Absolventin der Hochschule für Fernsehen und Film. Aber der Umzug in den Norden hat sie darauf gebracht, eine ganze Reihe von Schriftsteller-Porträts zu drehen, die mit Schleswig-Holstein zu tun haben. Bei den Nordischen Filmtagen stellt sie am Sonntag ihren neuesten Film „Friedrich Hebbel — Traumbilder“ vor.

Hebbel (1813-1863) stammte aus Dithmarschen, er wuchs in mehr als bescheidenen Verhältnissen auf. „Aber er profitierte vom öffentlichen Schulsystem, das ihm zumindest eine Bildungs-Grundlage verschaffte“, sagt die Dokumentarfilmerin. An Hebbel hat ihr imponiert, dass er einen kaum zu begreifenden Aufstieg schaffte, vom Sohn eines Mannes aus der untersten sozialen Schicht zum intellektuellen Star der Wiener Theaterszene und zum gefeierten Lyriker. „Hebbel war einige Zeit fast vergessen, aber zumindest drei seiner Stücke sind nach wie vor lebendig. ,Die Nibelungen‘, ,Judith‘ und natürlich ,Maria Magdalena‘ werden immer wieder gespielt, diese Stücke sind auch immer noch sehens- und lesenswert.“

In ihrem 90 Minuten langen Film über den Dichter, der durch die Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein ermöglicht wurde, zeichnet Martina Fluck nicht nur das Leben Friedrich Hebbels nach. Sie begleitet auch die Arbeit an zwei Hebbel-Inszenierungen, „Die Nibelungen“ am Rheinischen Landestheater Neuss und „Maria Magdalena“ am experiment theater in Wien. „Es war für mich erstaunlich zu sehen, wie modern Hebbel nach wie vor ist. Er hat zum Beispiel Aspekte des Existenzialismus vorweggenommen, andererseits hat er die Gattung des bürgerlichen Trauerspiels zu einem letzten Höhepunkt geführt. Wenn man bedenkt, unter welch erbärmlichen Bedingungen er sein Leben lange Zeit fristen musste, ist das fast nicht zu glauben. Dazu kamen noch seine unglücklichen Liebesverhältnisse — ein dramatisches Leben.“

„Friedrich Hebbel — Traumbilder“ ist der fünfte Film in der Literaten-Reihe von Martina Fluck. Zuvor hat sie die völlig vergessene Romanschriftstellerin Erna Weißenborn, den Mundart-Dichter Klaus Groth, den Kinderbuch-Autor James Krüss und Theodor Storm porträtiert. „Die Literaten-Filme sind mir ein Herzensanliegen,“ sagt die Regisseurin, die schon als Kind Dokumentarfilmerin werden wollte.

„Wenn ich daran denke, wie lieblos zum Beispiel unseren vier Kindern der ,Schimmelreiter‘ in der Schule präsentiert wurde, scheint es mir wichtig, mehr über Storm und seine Intentionen zu veröffentlichen. Meine Filme werden zum Glück auch im Unterricht benutzt.“

Martina Fluck, die auch viele Industriefilme gedreht hat, gründete 1989 gemeinsam mit dem Kameramann Jürgen Hoffmann eine eigene Produktionsfirma. „Ich schreibe die Drehbücher, führe Regie und mache die Aufnahmeleitung auch selbst“, erzählt sie. „Als Dokumentarfilmerin wird man nicht reich, man macht den Job aus Leidenschaft für die Sache. Deshalb ist ein Festival wie die Nordischen Filmtage für mich auch sehr wichtig. Die Filmtage sind eine ideale Plattform, um meinen Film publik zu machen und Zugang zum Lübecker Publikum zu erhalten.“ Eine Idee für ihren nächsten Literaten-Film hat Martina Fluck auch schon: „Heinrich Heine mit seinen Beziehungen nach Hamburg würde mich sehr reizen.“

„Friedrich Hebbel — Traumbilder“ läuft am Sonntag um 13.45 Uhr im Cinestar Kino 7.


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Jürgen Feldhoff

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