Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 2 ° Sprühregen

Navigation:
Literaturstunde mit Stefan Gwildis

Lübeck Literaturstunde mit Stefan Gwildis

Der Hamburger Sänger Stefan Gwildis hat ein neues Genre entdeckt: die Literaturlesung. In norddeutschen Städten stellt der 58-Jährige „Der Schimmelreiter“ vor. In der Kulturwerft Gollan in Lübeck bereicherte er einem großen Publikum damit den Abend.

Voriger Artikel
Wenn der blonde Dirk den blonden Hans gibt
Nächster Artikel
Filmtage suchen junge Blogger

Zurück in Storms Zeiten: Stefan Gwildis in der Kulturwerft Gollan.

Quelle: Foto: Olaf Malzahn

Lübeck. Die 1888 veröffentlichte Novelle von Theodor Storm ist ein Ehrfurcht einflößendes Stück Literatur. Was an der tragischen Geschichte und dem Erzählstil liegt, aber vielleicht auch daran, dass sie für viele zum Schulstoff gehörte. Stefan Gwildis begegnet ihr mit Respekt, aber ohne Ergebenheit. Die Novelle, hier auf etwa eine Stunde gekürzt, erzählt von Hauke Haien, der sich schon als Kind in den Kopf gesetzt hat, einen sicheren Deich bauen zu lassen. Später, inzwischen Deichgraf geworden, setzt er seine Pläne durch. Bei der nächsten großen Flut aber bricht der alte Deich, er selbst, seine Frau Elke und deren kleine Tochter kommen ums Leben. Es geht um den Willen, die Natur zu bezwingen, aber auch um Aberglauben und den Glauben an das Unheimliche.

Zunächst aber muss sich niemand gruseln. Mit seinem Song „Mein Meer“ stimmt der Mann mit der rauen Stimme und dem weichen Kern das Publikum ein. Mit Beginn der Lesung wechselt dann die Stimmung. Auf der Bühne hängt ein Stück hellen Stoffes, das an ein Segel erinnert. Dahinter wird immer mal wieder der Kopf eines Pferdes erscheinen. Alles andere erledigen Gwildis und seine Musiker Tobias Neumann (Keyboards) und Hagen Kuhr (Cello).

Gwildis lässt einige Figuren mit starkem Nordseeküstenslang sprechen, stottern, wimmern oder brüllen. Dies macht seinen Vortrag lebendig und authentisch. So könnten die Leute, einfache Menschen zumeist, gesprochen haben. Lesung wechselt sich ab mit Musik, die die jeweiligen Stimmungen auf schöne Weise unterstreicht und vertieft. Gwildis hat Hauke Haien einen Walzer gewidmet, der mal Leichtigkeit in die Geschichte bringt, dann wieder düster und bedrohlich klingt.

So still ist es in der Halle, dass Gwildis sich für die Andacht bedankt. Dann gibt es noch ein Liebeslied mit maritimem Einschlag: „Anker werfen, Segel setzen“. Ein schöner Abschluss dieser etwas anderen Literaturstunde.

„Gwildis liest. Storm. Der Schimmelreiter“ gibt es auch auf CD

liz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden