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Lübeck im Licht von Lichtbildern

Lübeck Lübeck im Licht von Lichtbildern

Eine Ausstellung im Museum Behnhaus/ Drägerhaus zeigt erstmals die Entwicklung der Fotografie in Lübeck von 1840 bis 1945.

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Berühmte Bauwerke: In der Ausstellung im Museum Behnhaus/Drägerhaus in Lübeck ist viel Architektur-Fotografie zu sehen, das Burgtor (Bildmitte) zu verschiedenen Zeiten mit einer unterschiedlichen Zahl an Öffnungen (zwei bis vier).

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Die Restaurierung des Holstentores Mitte der 1860er Jahre, die Söhne des Doktor Linde, nicht gemalt von Edvard Munch, sondern fotografiert, Aufnahmen vom brennenden Dom und der brennenden Marienkirche nach der Bombardierung Lübecks 1942: Besucher der neuen Sonderausstellung im Museum Behnhaus/Drägerhaus in Lübeck werden immer wieder auf bekannte Ereignisse und Persönlichkeiten der Stadt- und Kulturgeschichte treffen. Viele Ansichten aber dürften ihnen neu sein. In der Schau „Fotografie in Lübeck 1840 bis 1945“ sind 450 Aufnahmen von 80 Fotografen und Fotografinnen zu sehen — etliche davon zum ersten Mal.

LN-Bild

Eine Ausstellung im Museum Behnhaus/ Drägerhaus zeigt erstmals die Entwicklung der Fotografie in Lübeck von 1840 bis 1945.

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Jan Zimmermann, promovierter Historiker und Fotohistoriker, hat unendlich viel Zeit im Archiv der städtischen Museen und der Bibliothek der Stadt verbracht. Mehrere 1000 Aufnahmen waren zu sichten.

„Die Vielfalt des Fotobestandes ist auch für Lübeck-Kenner neu“, sagt er.

In der Schau in den oberen Räumen des Museums ist auch die Geschichte der Fotografie zu besichtigen — von der Daguerrotypie, die 1839 in Frankreich ihren Anfang nahm, bis hin zur Farbfotografie.

Die Technik aber steht nicht im Mittelpunkt der Ausstellung, sondern es sind die Motive, die die Fotografen wählten. So gibt es Porträts, Architektur- und Reportage-Fotografie. Auch der Foto-Kunst wird viel Platz eingeräumt.

Lübeck hat, was die Fotografie angeht, schnell Anschluss an die große Welt gefunden. Bereits 1839, im Entstehungsjahr, sollen in Lübeck die ersten Daguerrotypien zu sehen gewesen sein, in einer Camera Obscura erzeugte und auf einer Kupferschicht festgehaltene Bilder. Ein Jahr später entstanden die ersten Lübeck-Ansichten als Daguerrotypien. Aymard-Charles-Theodore Neubourg, Kaufmann aus Paris, fertigte sie auf Reisen an. Man weiß davon, weil er diese in einer Anzeige in der schwedischen Zeitung „Aftonbladet“ anbot. Die Aufnahmen sind jedoch verschollen.

Andere, etwas jüngere Daguerrotypien aber werden in der Ausstellung gezeigt. Einer der herausragenden Vertreter dieses Fachs war Joseph Wilhelm Pero (1808-1862), ausgebildeter Maler, der in Lübeck tätig war. Man möge sich nicht über die schier unergründliche Perspektiven wundern: Die Aufnahmen sind seitenverkehrt. Pero war es auch, der in Lübeck die ersten Fotos auf Papier anbot. Ein Verfahren, das eine beliebige Zahl von Vervielfältigungen bot.

Die Foto-Schau ist auch der Beginn eines neuen Umgangs mit den Urhebern von Bildern, deren Namen vorher kaum eine Rolle gespielt hätten, wie Museumsleiter Alexander Bastek sagt. „Bisher war der Blick darauf gerichtet, wer dargestellt ist“, sagt er, „von wem die Bilder stammen, hat fast keine Rolle gespielt.“ Hier aber werden Bilder den Fotografen zugeordnet: Joseph Wilhelm Pero, den Brüdern Hermann und Carl Linde, Julius Appel, Robert Mohrmann, um einige zu nennen.

Mohrmann, der 50 Jahre lang als Fotograf in Lübeck tätig war, hat die Lübecker Gesellschaft in einzigartiger Weise porträtiert. Aus über 1300 Aufnahmen, die im Besitz der Stadt sind, wurden 40 ausgewählt. Sie zeigen Bürgermeister, Lübecks letzten Rabbiner, auch Handwerker, aber keine Arbeiter. Dass Lübeck in Besitz dieser Bilder kam, ist nach den Worten Basteks dem Umstand zu verdanken, dass der Fotograf kein guter Kaufmann gewesen sei: Er habe die Bilder Anfang der 1930er Jahren der Stadt gegeben, um Steuerschulden begleichen zu können.

Übrigens finden sich nicht nur Fotos in der Ausstellung. Es gibt auch Gegenüberstellungen von Aufnahmen und Bildern — Fotos von der berühmten Lübecker Familie Linde hängen etwas abseits der eigentlichen Ausstellung gegenüber dem berühmten Munch-Gemälde.

Die Ausstellung „Fotografie in Lübeck 1840-1945“ wird morgen (Sonnabend) um 18 Uhr eröffnet. Bis 28. August. Öffnungszeiten: Di bis So, 10 bis 17 Uhr

Das Begleitprogramm

Familien-Sonntag: Am 8. Mai ab 11.30 Uhr werden unter dem Titel: „Auf den Kopf gestellt“ Lochkameras hergestellt. Für Familien mit Kindern ab 6 Jahren. Anmeldung: irena.trivonoff@luebeck.de oder (0451) 1224273.

Vortrag „Fotografie in Lübeck 1840 bis 1945“ am Donnerstag, 2. Juni, 18 Uhr, mit Kurator Jan Zimmermann und Museumsleiter Alexander Bastek.

Öffentliche Führungen finden jeden Sonntag um 11.30 Uhr statt. Abendführungen werden am 19. Mai, 16. Juni, 21. Juli und 18. August angeboten, jeweils 17 Uhr.

Katalog zur Ausstellung: für 29,95 Euro im Museum erhältlich.

Von Liliane Jolitz

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