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Kultur im Norden Lübeck mit Feiningers Augen
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15:18 03.01.2018
„Lübeck. Alte Häuser“ hat Lyonel Feininger 1931 gemalt (Öl auf Leinwand; 100,5 x 80,5 cm). Quelle: Foto: Museum
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Lübeck

Das hätten wir uns nicht besser wünschen können. Dabei galt das beliebteste Bild unserer Sammlung zwischenzeitlich als Ansicht von Lüneburg. Der deutsch-amerikanische Maler Lyonel Feininger (1871-1956) malte es 1931 in Halle. Dabei brachte er die Ansicht der Lübecker Schmiedestraße wohl mit Hilfe einer Bleistiftskizze und einer gehörigen Portion Erinnerungsvermögen auf die Leinwand. Denn sein einziger Besuch in Lübeck lag da schon gut zehn Jahre zurück.

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1921 war Feininger mit seiner Frau Julia für drei Tage in die Hansestadt gekommen. Zuvor hatten sie auch Lüneburg besucht und die Erinnerungen an die Orte dieser Reise vermischten sich im Gedächtnis des Bauhauskünstlers. Eine historische Fotografie der Schmiedestraße lieferte letztlich den Beleg, dass Lübeck dargestellt ist.

Betrachtet man das Gemälde genauer, wird allerdings sogleich deutlich, dass es Feininger weniger um das akribische Festhalten eines Lübecker Straßenzuges ging. Ihn Interessierte das stimmungsvolle Gesamtbild der alten Hansestadt oder wie er selbst schrieb, der „Inbegriff alter norddeutscher Backsteingiebel und Klamotten.“

Vielleicht erinnerte sich der Maler an einen abendlichen Spaziergang, bei dem die Gebäude am Eingang zur Schmiedestraße im Dunkeln lagen. In kühlen Blau- und Grüntönen setzte er sie ins Bild. Mittig leuchtet dann die Fassade eines alten Giebelhauses in kräftigem Orange und in warmen Rotbrauntönen heraus. Hier scheint noch Licht zu brennen. Und eben dieser stimmungsvolle Kontrast leitete den Maler dann bei seinem Lübeckbild. Die künstlerische Aneignung des Stadtbildes gelang Feininger auch dadurch, dass er die Architekturformen kubistisch aufbrach und die Farben wie durch ein Prisma zerlegte.

In dieser typischen Komposition aus Linien, Flächen und Farben malte Lyonel Feininger hier den Blick in die Lübecker Schmiedestraße als modernes Bild von erhabener Wirkung. Der Lübecker Straßenzug wird durch seine Kunst zum Sinn- und Erinnerungsbild einer alten norddeutschen Stadt schlechthin. Trotz des hohen Abstraktionsgrades lassen sich viele Details der 1942 zerstörten Altstadtstraße erkennen: Der Blick des Malers geht vom Klingenberg in die Schmiedestraße auf das Haus Nr. 7, das damals größte in Lübeck erhaltene gotische Giebelhaus. Daneben erscheint in perspektivischer Verkürzung das Haus Nr. 5. Auch einen Schatten des Petriturms glaubt man rechts über den Fassaden zu erahnen. Auf Figuren verzichtete Feininger ganz. Das Straßenbild erscheint zeitlos entrückt und effektvoll inszeniert.

Noch drei Wochen

Bis zum 18. Januar ist im Behnhaus Drägerhaus die Ausstellung „100 Meisterwerke“ zu sehen. Gezeigt werden Gemälde, Skulpturen, Grafiken und Fotografien von der Romantik bis zur klassischen Moderne.

Führungen gibt es am 7. und 14. Januar jeweils von 11.30 bis 12.30 Uhr (Eintritt: 11 Euro, ermäßigt 7,50 Euro, Kinder 6,50 Euro) sowie am 18. Januar (17 bis 18 Uhr).

LN

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