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Lübeck mit Lust und Laune

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Volle Straßen, gute Stimmung – mit einem Spektrum von Breakdance bis Barock trifft das Festival jeden Geschmack.

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Festival-Elfe in Grün: Maria Kross vom Theater Mira-Mas aus Leipzig wandelt auf Stelzen durch die Straßen der nördlichen Lübecker Altstadt.

Lübeck. In der Lübecker Altstadt gibt es verwunschene Winkel, die kaum ein Einheimischer kennt. Der Kreuzgang in der Großen Kiesau gehört dazu. In dieser malerischen Umgebung entführt das Ensemble Rumpelstilzchen die Besucher auf den Balkan. Barockes aus Bulgarien, traurige Melodien aus Griechenland, Walzer aus Serbien: In diesem Gang kann man bei dieser Musik die Seele baumeln lassen.

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Volle Straßen, gute Stimmung – mit einem Spektrum von Breakdance bis Barock trifft das Festival jeden Geschmack.

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Vom Hansekultur-Festival berichten:

Petra Haase, Jürgen Feldhoff, Dorothea Kurz-Kohnert, Peter Intelmann, Sabine Spatzek (Text). Dorothea Kurz-Kohnert, Wolfgang Maxwitat, Ulf-Kersten Neelsen, Lutz Roeßler, Sabine Spatzek, Olaf Malzahn, Petra Haase (Fotos).

Das ist keine Selbstverständlichkeit bei einem Stadt-Festival, das Tausende auf die Straße bringt. Zeitweise wurde es gestern richtig eng, ohne dass aber die schöne Stimmung darunter litt.

Wer den Gefängnishof am Hansemuseum besucht, wird feststellen, dass er eine vorzügliche Akustik besitzt. Die Lübecker Freibeutermukke, Blechmusik mit Glockenspiel und Trommeln, sorgt dort am Nachmittag für gute Stimmung. In gehöriger Lautstärke, leicht chaotischen Arrangements und ebensolcher Intonation ließen es die Musiker richtig krachen.

Die Modenschau des Lübecker Hansevolks im Gefängnishof zeigt die Stände der Hansezeit vom Knecht in seinen groben Kleidern aus ungefärbter Wolle bis zum ganz in schwarz gewandeten Bürgermeister – die schwarze Farbe galt damals als besonders wertvoll. Mittelalterliche Tänze und Musik runden die Darbietung ab – wobei es zu kräftigen Kollisionen kommt, als Zuschauer aufgefordert werden, am Reigentanz teilzunehmen.

„In der Beckergrube wird auf der Straße getanzt! Wahnsinn!“ Vortänzer Rasoul ist selbst überrascht über den großen Andrang beim offenen Salsa-Workshop.

Die fünf jungen Lübecker von der Formation Concrete3 sorgen mit ihrer furiosen Mischung aus Breakdance, Artistik und Free Style in der Beckergrube für viele staunende Ahs und Ohs. Sie wirbeln auf Händen wie Kreisel übers Straßenpflaster, springen Salti aus dem Stand, sausen mit riesigen Sätzen meterweit durch die Luft oder übereinander. Am Nachmittag wehen dann Klänge aus Tausendundeiner Nacht durch die Beckergrube.

Vor dem Burgkloster geht es um neue Lübeck-Perspektiven. Sechs Frauen, Männer und ein Mädchen hocken dort, große Zeichenblätter vor sich. „Sucht euch ein schönes Detail aus. Ein Fenster, eine Gaube, eine Tür. Oder die Laterne“, sagt Lübeck-Malerin Julia Bühring. Die Gruppe wandert später weiter in die Große Burgstraße, Kaiserstraße und im großen Bogen zurück. An jeder Station zeichnen die Teilnehmer ein Detail. Urban Sketching nennt sich das. Klingt wie eine Sportart, ist aber schlicht Skizzieren vor Ort. „Eine weltweite Bewegung“ sagt Julia Bühring.

Dass ausgerechnet Gedichte inmitten allen Trubels knapp 300 Menschen anderthalb Stunden lang zu fesseln vermögen, gehört zu den kleinen Wundern des Festes. Vier junge Poeten aus Lübeck, Hamburg und Kiel treten im Gefängnishof zum Poetry Slam an, und die Jury verteilt fast immer sehr hohe Noten für die teils lustigen, teils wütenden Gedichte und Texte zu Themen wie Schokolade, Gestein, Kindheit oder „Reasozialisierung“. Knapp siegte die Hamburgerin Filo Franke mit ihren Gedichten zum großen Saufen, zu dem sich Frust, Lust, Zweifel, Sehnsucht, Hass und andere illustre Gäste treffen und einem heiter-tiefsinnigen Streitgespräch zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Auch die offenen Ateliers, eine Veranstaltung der Gemeinschaft Lübecker Künstler in Kooperation mit dem Kulturbüro der Hansestadt Lübeck, ziehen viele Besucher an. Alexander Bolz (50) nimmt zum ersten Mal an einem „Art Walk“ teil. Er schwärmt: „Hier kann man seine Hemmschwelle überwinden, einfach in ein Atelier gehen, Künstler kennenlernen und sich Bilder anschauen.“

LN

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