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Lübeck oder doch nicht Lübeck?

Lübeck Lübeck oder doch nicht Lübeck?

Das Auktionshaus Grisebach in Berlin bietet ein Gemälde Lionel Feiningers an, das schwer zuzuordnen ist.

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Während einige seiner Bilder eindeutig Lübecker Eindrücke festhalten, sind andere Motive nicht zu verorten. So wohl auch bei seinem 1932 entstandenen Gemälde „Gelbe Gasse“, das am 1. Dezember im Auktionshaus Grisebach in Berlin versteigert werden soll.

Quelle: Auktionshaus Grisebach

Lübeck. Er hat die Schmiedestraße gemalt, Zeichnungen der Salzspeicher und der Jakobikirche angefertigt: Ein Lübeck-Aufenthalt hat das Schaffen des deutsch-amerikanischen Künstlers Lyonel Feininger (1871-1956) geprägt. Während einige seiner Bilder eindeutig Lübecker Eindrücke festhalten, sind andere Motive nicht zu verorten. So wohl auch bei seinem 1932 entstandenen Gemälde „Gelbe Gasse“, das am 1. Dezember im Auktionshaus Grisebach in Berlin versteigert werden soll.

Das Bild zeigt eine abendliche Straßenszene, gemalt in dem für Feininger typischen Stil, den er Prismaismus nannte. Spaziergänger huschen vorbei an alten Häusern, die in goldenem Licht leuchten. Der Maler, der die Backsteingotik liebte, hat dem Gebäude im Zentrum des Gemäldes einen Treppengiebel gegeben.

Der Schätzpreis des Gemäldes wird mit einer bis 1,5 Millionen Euro angegeben. Eine Summe, bei der das auf die klassische Moderne spezialisierte Lübecker Museum Behnhaus/Drägerhaus an einen Ankauf nicht einmal denken kann. „Das ist preislich weit außerhalb unserer Reichweite“, sagt Museumsleiter Alexander Bastek. Dem Museum ist es zu verdanken, dass Lübeck in der Feininger-Forschung inzwischen einen festen Platz bekommen hat. Lange Zeit war nicht einmal bekannt, dass der Maler eine Beziehung zu der Stadt hatte. 1986 tauchte dann ein Gemälde mit dem Titel „Lübeck“ auf. Ein Lübecker Privatsammler erwarb es und stellte es später dem Behnhaus/Drägerhaus zur Verfügung. Später tauchten Zweifel auf, ob Feininger sich mit dem Titel geirrt haben könnte, das Bild in Wirklichkeit einen Straßenzug in Lüneburg zeige. Eine Forschungsarbeit ergab aber eindeutig, dass das Bild die Schmiedestraße in Lübeck darstellt. 2013 dokumentierte das Behnhaus/Drägerhaus in einer Ausstellung, welche Bedeutung Lübeck und die Ostseeküste für das Werk Feiningers hatten.

Handelt es sich auch bei der „Gelben Gasse“ um ein Lübeck- Gemälde? Das Bild sei keiner konkreten Straße zuzuordnen, sagt Alexander Bastek, der sich mit dieser Frage eingehend beschäftigt hat.

„Exakte Stadtansicht und verklärte Erinnerung an norddeutsche Backsteinarchitektur stehen im Werk Feiningers nebeneinander“, schreibt der Museumsleiter im Auktionskatalog. Den LN sagte er, er gehe davon aus, dass der Künstler in „Gelbe Gasse“ Eindrücke aus mehreren Städten verarbeitet habe. Bastek hält das Gemälde für eine „wunderbare Erinnerung an Deutschland mit einem Stück Lübeck drin“.

Eine andere Auffassung vertritt im Grisebach-Journal der Kunstexperte und Mitinhaber des Auktionshauses Florian Illies. „Er zersplittert die Welt, nicht um sie zu zerstören, sondern um sie neu aufzubauen und um die Erde mit dem Himmel besser zu verknüpfen“, schreibt er über den Expressionisten Feininger und dessen Bild „Gelbe Gasse“. Für Illies ist klar, dass es sich um ein Lübeck-Gemälde handelt: „Man kann noch immer problemlos die Vorlage erkennen, in diesem Fall die Ziegelgebäude im markanten Hansestil Lübecks.“

Von Liliane Jolitz

 

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