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Kultur im Norden Kunst in der Kettenhalle
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16:19 01.09.2018
Kurator Sönke Kniphals freut sich über die Möglichkeit, in den neuen Räumen die Leistungsschau junger Künstler präsentieren zu können Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

Eine alte Lüftungsanlage ragt in den Raum, unter der Treppe steht ein hölzerner Aufzugskorb, an den Wänden erzählen die Strukturen aus Stein und Metall vom früheren Leben dieser Räume als Lager für Ketten und Takelage. Der Werkstattcharakter passt fabelhaft zur Ausstellung, mit der die nagelneuen Galerieräume in der Kulturwerft Gollan heute eingeweiht werden: In der „Regionale vier“ zeigen junge Künstler aus Schleswig-Holstein aus den Bereichen Bildende Kunst, Literatur, Musik und Theater innovative Werke und Projekte.

Kunst in der Kulturwerft ist nicht ganz neu, im Foyer und der Eingangshalle gab es bereits mehrere Ausstellungen – passend zur Größe der Räume meist großformatige Bilder und Objekte. Sie entstanden in Zusammenarbeit mit der Overbeck Gesellschaft Lübeck. Thilo Gollan und Overbeck-Chef Oliver Zybok heckten vor einem Jahr die Idee aus, eigenständige Galerieräume für zeitgenössische Kunst auf dem Gelände zu schaffen: und zwar im ehemaligen Kettenlager im ersten Stock hinter der Veranstaltungshalle. „Wände mussten raus, Fenster geöffnet werden, Heizungen rein, Beleuchtung. Es war ein Kraftakt“, sagt Thilo Gollan. Innerhalb eines halben Jahres ist der gelungen. Zwei Zugänge – über eine Gerüstanlage und eine Stahltreppe – führen nun vom offenen Innenraum in die Ausstellungsräume, die auf zwei Etagen 200 Quadratmeter Platz bieten. 16 Stipendiaten der Kulturstiftung Schleswig-Holstein und der Investitionsbank finden dort ab heute beste Bedingungen für ihre Projekte.

Ausstellung an vier Orten

Jährlich vergibt das Land Schleswig-Holstein Arbeits- und Reisestipendien, im Zweijahresrhythmus werden die Ergebnisse in Ausstellungen präsentiert. In diesem Jahr an vier Orten: in Lübeck von heute an bis zum 16. September, in Glückstadt (Palais für aktuelle Kunst) vom 9. September bis 14. Oktober, in der Produzentengalerie Kiel vom 27. September bis 11. Oktober und in der Mehrzweckhalle Flutgraben in Berlin vom 18. bis 21. Oktober.

Eröffnet wird die Leistungsschau am Sonntag um 17 Uhr. Lucie Delhaye spielt „Dialogues Rêvants“ für Harfe, Jonis Hartmann liest aktuelle Texte und Nora Jacobs zeigt die Performance „Starlet-TV“.

Geöffnet ist die Ausstellung in der Kulturwerft freitags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Industriecharme trifft auf Kindergeburtstag, könnte man denken, wenn der Blick auf den rosa Luftballon von Madeleine Christin Leroy fällt. Für ihre Installation „Armada“ hat sie den Ballon auf ein Gestell aus Holz, Acrylfarbe und Lackleder drapiert. Die 1983 in Troisdorf geborene Künstlerin kombiniert Alltagsgegenstände in neuen Zusammenhängen, ebenso der 1991 in Kiel geborene Torben Laib. Er will mit seinem bunten Döner-Spieß „Dem toten Hasen Leben einhauchen“. „Klassische Malerei kann und darf man bei dieser Ausstellung nicht erwarten“, sagt Oliver Zybok. Anliegen des Stipendiums ist die interdisziplinäre Arbeit, das Erkunden von Möglichkeiten, das Herstellen von Bezügen zur Region. Die Künstler experimentieren mit Materialien, nehmen sie auseinander und setzen sie neu zusammen, mixen Malerei, Fotografie, Installation und Videokunst, verweben sie mit Musik und Texten und reflektieren die komplexe Welt, wie es ihnen gefällt. Philipp Röhe Hansen Schlichting, 1981 in Preetz geboren, hat nach der Tischlerausbildung in Wien und Kiel studiert, arbeitet jetzt freischaffend in Preetz und hat eine Siebdruckreihe auf schwarzem Samt zum Wesen der Geometrie geschaffen. Fünf von 13 Grafiken sind in Lübeck zu sehen, die anderen in der parallel laufenden Ausstellung in Glückstadt. Johanna Tiedtke, 1981 in Eckernförde geboren und derzeit Stipendiatin in New York, kombiniert und bearbeitet unterschiedliche Werkstoffe, reproduziert sie, bezieht Fotografie und örtliche Strukturen in ihre Werke ein. Die Südkoreanerin Yeongbin Lee hat ebenfalls in Kiel studiert und auf 133 Kilometern Wanderung durch sieben Nächte die Dunkelheit in Schleswig-Holstein beobachtet.

Etwa drei Ausstellungen planen Gollan und Zybok jährlich, und während die Besucher in den kommenden Wochen in der Ausstellung Kunst, Musik und Texte auf sich wirken lassen, ist in den Nachbarräumen – einem Waschraum mit den alten Duschen etwa – schon mit dem weiteren Ausbau begonnen worden. Wer Visionen habe, solle zum Arzt gehen, wird Altkanzler Helmut Schmidt gerne zitiert. Thilo Gollan geht lieber über sein Gelände und lässt sich inspirieren. Möglichkeiten gibt es genug.

Petra Haase

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