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Kultur im Norden Lübecker Schüler stellen zum Thema Heimat aus
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Lübecker Schüler stellen zum Thema Heimat aus
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06:00 10.03.2019
Was ist Heimat? Maria Regie (17), Sina Hübner (19), Melissa Schulz (17) und Louis Strelow (17) mit Melissas Graffiti zum Thema „Gefühl der Zugehörigkeit“. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Was ist Heimat? Wärme, Wurzeln, Marzipan und Punsch, Ostseestrand, bester Freund, erste Liebe – aber auch Adoleszenzkrisen. Das sind nur einige Begriffe zum Thema „Heimatgefühle“, mit denen sie in ihre Ausstellung einführen: Die Schüler der Klasse Q2d des Katharineums stehen kurz vor ihren Abiturprüfungen und damit vor der ersten großen Veränderung in ihrem Leben, die sie allein zu bewältigen haben. Sie verlassen bald das Elternhaus für ein Praktikum, ein Orientierungsjahr im Ausland oder eine Ausbildung.

„Wo es mir gut geht, ist mein Vaterland“

So erarbeiteten sie ganz persönliche Einblicke in das, was die Abiturienten mit dem bevorstehenden „Abschied von Vertrautem“ verbinden. Unter der Leitung ihrer Lehrerinnen Christine Asmussen und Britta Kreienberg-Brandt hat sich die Klasse mit dem Heimatbegriff befasst, von Schülern des Lateinprofils in Bezug gesetzt durch Lesungen und ein Programmheft. „Ubi bene, ubi patria“ – wo es mir gut geht, ist mein Vaterland, zitieren sie Cicero und laden Ausstellungsbesucher dazu ein, sich mit dem eigenen Verständnis von Heimat auseinanderzusetzen.

Die Klasse selbst hat dies vor dem Hintergrund von gemeinsam gelesenen Adoleszenzromanen im Deutschunterricht getan und zugeordnet: Heimat als Abschied, in Gefühlen, in Gegenständen, im inneren Konflikt, ihm Verlust – und die Sehnsucht nach ihr. Gestaltung und Technik konnten sie frei wählen, es entstanden eindrucksvolle Fotografien, Bilder, Skulpturen und Filme. Das war Asmussen besonders wichtig als Abschluss „am Scheideweg zwischen Loslassen und Losgehen“ nach drei Jahren Kunstunterricht, in denen sie alle Abläufe gelehrt hatte: vom Brainstorming über Skizze und Scribble bis zur Konzeption und konkreter Umsetzung der Idee. „Ich bin sehr stolz auf sie“, so ihr Resümee an die Schüler.

Die sehr individuellen Interpretationen wecken auch Neugierde, wie die jungen Leute ihre Heimat auffassen. In ihrem Programmheft lassen sie durchaus Wehmut anklingen: „Viele von uns werden möglicherweise erst mit dem Ablösen von der Familie für sich erfahren, was Heimat für sie selbst bedeutet beziehungsweise bedeutet hat.“

Die Heimat verlassen –1944 und heute

Das Abschlussprojekt findet Luise Sandberger (17) „herausfordernd und extrem spannend“. In ihrem Film „Heimaten – Großvater und ich“ hat sie die Kriegserinnerungen ihres Großvaters in den Fokus gestellt, die er für seine Familie aufgezeichnet hatte. 1944 war der damals 16-Jährige aus Baden-Württemberg als Flakhelfer in Stettin eingezogen worden. Er geriet in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er nach einem Jahr aufgrund seiner Jugend entlassen worden war. Luise stellt mit seinen Worten, in Bildern und mit Musik die Generationen ihrer Familie im Kontext der Zeitgeschichte gegeneinander, etwa Hunger und Entbehrung im Lager im Kontrast zum heutigen Überfluss. Die Wahlheimat ihres Großvaters wurde Münster. Eine Stadt als Heimat anzusehen, scheint seiner Enkelin selbstverständlich: „Für mich ist das ganz eindeutig Lübeck, und diese Stadt bleibt meine Heimat, weil ich meine Kindheit damit verbinde.“

Nach der Schule erst mal ins Ausland

Nach dem Abitur plant Luise, eine Weile ins Ausland zu gehen und dann zum Studium fortzuziehen: „Ich kann mir auch vorstellen, dass ich später eine neue Heimat finden kann.“ Ihren Kindheitsort zu verlassen, sei für sie ein neuer, positiver Lebensabschnitt, auf den sie sich trotz der Abschiede freue, so die Abiturientin. „Aber für meinen Großvater, der damals ungefähr so alt war wie ich, war es schrecklich.“ Margitta True

Margitta True

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