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Lübecks große Straßengalerie: Hanse-Maler stellen aus

Lübeck Lübecks große Straßengalerie: Hanse-Maler stellen aus

100 maritime Bilder, gemalt von Kindern und Erwachsenen, schmücken während des Hansekultur-Festivals Lübecks Straßen.

Lübeck. Am kommenden Freitagmorgen wird Tiemo Schröder mit seiner Praktikantin losziehen. Im Gepäck hat der Fachbereichsleiter für Bildende Kunst an der Lübecker Musik- und Kunstschule stapelweise Bilder – exakt 100 Stück. Eine Trittleiter klemmt sich der 52-Jährige unter den Arm. Kabelbinder hat er eingesteckt. Damit werden die 40 mal 40 Zentimeter großen Kunst-Stücke an Laternenpfählen, Regenrohren, Bäumen und Sträuchern in Augenhöhe aufgehängt.

 

LN-Bild

Nils, Mattis und Thure (v. l.) malen mit Lust und Acrylfarbe auf Stücke einer Lkw-Plane. Tiemo Schröder leitet sie an.

Quelle: Olaf Malzahn
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Das Motiv von Seglerin Gisela Schultz: eine Yacht.

Quelle: Kurz-Kohnert
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Nils, Mattis und Thure (v. l.) malen mit Lust und Acrylfarbe auf Stücke einer Lkw-Plane. Tiemo Schröder leitet sie an.

Quelle: Olaf Malzahn

Die große maritime Bilderschau beginnt an der Kanalstraße, dort, wo in den Ateliers gut 70 Kinder und Erwachsene – die jüngste Teilnehmerin ist vier, die älteste 80 Jahre alt – ihre Ideen und Fantasien rund um das Thema „Wasser, Schiffe, Hafen, Hansestadt“ auf wetterfeste Lkw-Plane gebannt haben. „Die Plane habe ich vor Jahren geschenkt bekommen und gehortet“, sagt Tiemo Schröder. „Ich wusste: Irgendwann werde ich sie einsetzen.“

Bemalt mit Ölwachskreiden, Acrylfarben oder als Collage – Plane auf Plane – bekommt jetzt der ungewöhnliche Werkstoff seinen großen Auftritt. Die Bilder zeigen Segelboote in stürmischer See, dümpelnde Ruderboote, U-Boote beim Untertauchen, rotweiße Leuchttürme, schillernde Fische.

Eine der Malerinnen hat den dickbäuchigen Mann des Lkw-Plane-Logos „Fern-Schnell-Gut“ in ihr Bild eingebaut. Er treibt jetzt als Pirat sein Unwesen. Andere haben ihr Bild mit Wort-Assoziationen zum Thema „Wasser“ verziert. Das Holstentor taucht auf, expressionistisch angehaucht. Ein Bild empfindet „Die Söhne des Doktor Max Linde“ nach, das berühmte Edvard- Munch- Bild aus dem Behnhaus/Drägerhaus. Eine Mauer aus roten Ziegelsteinen steht pars pro toto für den mittelalterlichen Baustil, der salopp als „Backsteingotik“ bezeichnet wird – er ist charakteristisch für die Hansestädte.

„Vorgegeben war nur der maritime Bezug, ansonsten hatte jeder Teilnehmer freie Hand“, sagt Tiemo Schröder. Für die passionierte ehemalige Seglerin Gisela Schultz war das Motiv sonnenklar: „Ein Boot.“

Vor lauter Begeisterung hat sie ihre Plane gleich hinten und vorne bemalt. „Ich war übereifrig“, scherzt die 68-Jährige.

Luc steht im Malerkittel und föhnt sein Bild, das er dick mit Acrylfarben eingepinselt hat – einen Querstreifen Weiß, darunter Dunkelblau, Schwarz, Hellblau. Ein mittelblauer Balken bildet den Abschluss. Der Siebenjährige ist der jüngste der zwölfköpfigen Kinder-Malklasse, die überraschenderweise nur aus Jungen besteht. Was er gemalt hat? „Ein Bild“, lautet seine Antwort. Klar, was sonst?

Die Aktion „100 Bilder“ ist nicht der einzige Kunstbeitrag des Hansekultur-Festivals. Am Sonnabend und Sonntag nächster Woche werden die Künstlerateliers in der ganzen Altstadt Besucher empfangen.

Der Fotograf Thomas Radbruch wird am Freitag und Sonnabend in seinem Haus (Kleine Altefähre 17) seine Bilder zeigen. Und auch der Internationale Museumstag ist Teil des Festivals – am Sonntag stehen Behnhaus, Willy-Brand-Haus und Günter-Grass-Haus zwischen 10 und 17 Uhr offen, sie verlangen keinen Eintritt.

Die Route

Besucher des Hansekultur-Festivals können einer vielfältigen und fantasiereichen Straßengalerie von 100 Bildern folgen. Ausgangspunkt ist die Musik- und Kunstschule an der Kanalstraße 42-50. Von dort geht es über den Weiten Lohberg zum Langen Lohberg, zur Großen Gröpelgrube und weiter bis zum Koberg. Wer den (unbebilderten) Platz überquert hat, kann seinen Freiluft-Kunstspaziergang durch die Engelsgrube fortsetzen, um schließlich am Schuppen 6 an der Untertrave anzukommen – Endpunkt der gut zwei Kilometer langen Bildermeile.

Dorothea Kurz-Kohnert

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