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Lübecks oberster Musiker tritt zurück

Lübeck Lübecks oberster Musiker tritt zurück

Ryusuke Numajiri stellt ab 2017 sein Amt als Generalmusikdirektor zur Verfügung - er will sich ab der übernächsten Saison verstärkt seiner internationalen Karriere widmen.

Ryusuke Numajiri stellt ab 2017 sein Amt als Generalmusikdirektor zur Verfügung - er will sich ab der übernächsten Saison verstärkt seiner internationalen Karriere widmen.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck . In der dritten Spielzeit seines Engagements als Generalmusikdirektor in Lübeck hat Ryusuke Numajiri eine Entscheidung getroffen. Er wird nach Ende der Saison 2016/17 sein Amt zur Verfügung stellen und somit ein Jahr vor dem regulären Ablauf seines Vertrages Lübeck verlassen. Dies teilten der Generalmusikdirektor und der Geschäftsführende Theaterdirektor Christian Schwandt jetzt mit.

Ryusuke Numajiri will sich ab der übernächsten Saison verstärkt seiner internationalen Karriere widmen. Unter anderem wird er ab 2017 in Japan Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ in einer Neuproduktion unter der Regie von Michael Hampe dirigieren. Als Komponist hat er den Auftrag erhalten, den fünften Akt von Claudio Monteverdis „Orfeo“ umzuarbeiten; diese Produktion wird in Japan und in Rom zu sehen sein. Außerdem wird Numajiri eine neue Inszenierung seiner Oper „Die Bambusprinzessin“ auf die Bühne bringen. „Das ist eine Version von ,La Bohème‘ mit den Mitteln moderner japanischer Musik“, sagt Numajiri zu diesem Projekt.

Dem Theater Lübeck und dem Philharmonischen Orchester der Hansestadt wird Ryusuke Numajiri über das Ende seines Vertrages hinaus als 1. Gastdirigent verbunden bleiben. Christian Schwandt kündigte an, dass Numajiri ausgewählte Sinfoniekonzerte und Opernproduktionen übernehmen wird.

„Ich scheide nicht im Streit aus meinem Amt“, sagte Numajiri gestern weiter. „Aber die großen Produktionen, die auf mich als Dirigenten und Komponisten zukommen, lassen sich mit der Tätigkeit als Generalmusikdirektor in Lübeck nicht vereinbaren.“ Er sei dankbar, weiter mit den Lübecker Philharmonikern zusammenarbeiten zu können. „Dieses Orchester hat Top-Qualität. Es ist das beste B-Orchester, das ich kenne, und vor allem hält es seine Qualität auch in Repertoirevorstellungen bis zur letzten Aufführung. Das ist auch in großen Orchestern längst nicht immer so.“

Mit den Leistungen als Dirigent von Ryusuke Numajiri war die Leitung des Theaters Lübeck sehr zufrieden. „Im Konzert- und Opernbereich hat der Generalmusikdirektor gute Arbeit geleistet“, sagte Christian Schwandt. „Er hat in der Lübecker Kulturlandschaft wichtige Impulse gesetzt.“

Dabei war Numajiris Tätigkeit von Anfang an bei der Kritik und bei seinen Musikerinnen und Musikern nicht unumstritten. Sein Hang zu sehr forschen Tempi ließ nach Ansicht vieler Hörer Einzelheiten der Partituren verblassen. Auch die Tatsache, dass in seinen Konzertprogrammen Mozart keine Rolle spielte, stieß auf Unverständnis. Ein weiteres Problem waren die Deutschkenntnisse des Japaners. Die haben sich in den vergangenen drei Jahren zwar deutlich verbessert. Aber Numajiri sieht selber die Defizite: „Als Generalmusikdirektor in Deutschland muss man nicht nur dirigieren, sondern auch bei Konflikten im Orchester schlichten – das ist in Japan völlig unbekannt. Für die musikalische Zusammenarbeit reichen meine Deutschkenntnisse aus, für das Schlichten leider nicht immer.“

In seiner letzten Lübecker Saison will Ryusuke Numajiri auch Mozart auf das Programm nehmen. Dazu Werke von Komponisten aus der von ihm so geschätzten Epoche der Spätromantik wie Gustav Mahler oder Anton Bruckner. Ob das allerdings klappt, ist von der Entwicklung bei der Musik- und Kongresshalle abhängig. „Mit der Planung hängen wir noch völlig in der Luft!“, sagt Christian Schwandt. „Mit einem Bruckner-Orchester können wir nicht im Theater spielen, wenn auch das Foyer der MuK Ende des Jahres gesperrt wird. Davon müssen wir letztlich den Spielplan abhängig machen.“

Keine guten Voraussetzungen für Ryusuke Numajiris letzte Spielzeit in Lübeck. In der Stadt hat er sich dennoch gemeinsam mit seiner Frau sehr wohlgefühlt: „Lübeck ist wunderschön und hat eine gute Atmosphäre. Ich komme gerne wieder hierher.“

Jürgen Feldhoff

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