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Kultur im Norden „Lust auf einen Liebesroman“
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18:12 21.10.2017
Seit vielen Jahren lebt sie in Deutschland, heimisch fühlt sich Gitte Haenning (71) aber nach wie vor in Dänemark. Quelle: Foto: Clemens Bilan/ddp
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In Ihrem Konzert werden Sie „eine Vielzahl Ihrer speziellen Lieblingslieder, die Songs Ihrer Freunde und Ihrer Helden“ präsentieren, heißt es auf der Website des Theaters Lübeck. Welches sind Ihre Lieblingslieder?

Konzert

„Gitte Haenning & Band“ am Mittwoch, 25. Oktober, im Großen Haus des Theaters Lübeck.

Beginn: 19.30 Uhr. Karten kosten 19 bis 39 (14 bis 34 Euro).

Gitte Haenning: Ich möchte einigen deutschen Musikern auf der Bühne Komplimente machen, Udo Lindenberg oder auch Helge Schneider. Otto Waalkes bekommt ein kleines Kompliment und Rio Reiser ein großes. Außerdem erzähle ich, dass ich keine Lust dazu habe, mein Leben als steife Ikone zu gestalten.

Besteht diese Gefahr denn überhaupt?

Diese Gefahr gibt es immer, wenn man schon so lange im Show-Business steht.

Wer sind für Sie Helden?

Diejenigen, die ich genannt habe und die auch meine Freunde sind, wobei einer von ihnen – Rio Reiser – ja schon vor längerer Zeit gestorben ist. Für mich als Dänin war es wichtig, ihnen in meiner Zeit in Deutschland zu begegnen.

Was macht einen Freund für Sie zum Helden?

Es gibt zwar Sprichwörter darüber, was ein wirklicher Freund ist. Aber ich möchte mich da nicht festlegen. Ich bin ja Dänin und oft vereinnahmt worden. Mir geht es darum zu zeigen, dass es in Deutschland großartige Künstler gibt, die das Land geprägt haben.

Sie arbeiten und leben schon sehr lange in Deutschland. Gehören Sie nicht längst dazu?

Dass ich in Deutschland lebe, hat sich so ergeben. Wo ich wohne, ist mir nicht so wichtig. Ich habe auch in Rom gelebt und in London. Aber ich bin immer noch Dänin. Manchmal arbeite ich in Dänemark, um meine Kultur, meine Heimat nicht zu vergessen. Meine dänische Agentin meint, dass ich ein viel zu romantisches Bild von den Dänen habe. Sie sagt, die Dänen hätten sich sehr geändert und seien nicht mehr so, wie ich glaube. Aber ich kann nur antworten, dass sie in meinem Kopf immer noch so sind.

Wie sind sie denn, die Dänen?

Das ist ein ganz langes Kapitel und nicht leicht zu erklären. Ich bin oft gefragt worden, wie es kommt, dass die dänischen Frauen so emanzipiert sind. Da musste ich graben, um es herauszufinden.

Ein Grund ist, dass wir nicht eine so fürchterliche Geschichte haben wie die Deutschen.

Sie engagieren sich in einer Organisation, die Frauen in anderen Ländern hilft. Was tun Sie genau?

Sie meinen die Astraia Female Leadership Foundation. Astraia bedeutet Gerechtigkeit. Astraia kümmert sich weltweit, vor allem aber in der Dritten Welt oder in Schwellenländern um junge Mädchen und Frauen, die nicht in die Schule gehen oder nicht studieren dürfen, weil sie Frauen oder Mädchen sind.

Zurück zu Ihrer künstlerischen Arbeit. Ab Dezember werden Sie wieder im Lübecker Theater zu erleben sein – als Norma Desmond in dem Musical „Sunset Boulevard“ von Andrew Lloyd Webber. Macht es Ihnen noch Spaß?

Wahnsinnig viel Spaß. Ich finde diese Frau fantastisch, außergewöhnlich. Sie trägt ein großes Drama in sich. Sie war ein großer Stummfilm-Star, aber dann ist die Zeit des Stummfilms vorbei.

Dabei wollten Sie die Rolle ursprünglich gar nicht annehmen, sondern anfangen, ein Buch zu schreiben. Was ist daraus geworden?

Dem Regisseur hatte ich erzählt, dass ich endlich so weit sei. Manche beginnen ja schon mit 25 Jahren mit ihrer Autobiografie, aber das finde ich ziemlich doof.

Es sollte also eine Autobiografie werden?

Ja. Meinem Verleger in Kopenhagen habe ich gesagt, dass ich viel mehr Lust hätte, einen Liebesroman zu schreiben. Genügend Stoff dafür ist da.

Warum tun Sie es nicht?

Erstmal ist aus dem Buch nichts geworden, weil es dieses Rollenangebot gab. Aber wer weiß, was noch alles werden kann.

Norma Desmond wird nicht damit fertig, dass sie kein Star mehr ist. Wie wichtig ist Ihnen der Applaus, wie wichtig, im Rampenlicht zu stehen?

Ich darf nicht darüber nachdenken, sondern ich will einfach nur machen. Zweifel, die man in sich trägt, dürfen keine Rolle spielen. Manchmal bekommt man außerdem Beifall für etwas, das man selbst gar nicht so gut findet.

Sie spielen darauf an, dass Sie oft immer noch mit Schlagern in Verbindung gebracht werden?

Leonard Bernstein hat gesagt, dass es nur gute und schlechte Musik gibt. Ich habe nichts gegen populäre Musik. Aber mein Ursprung liegt woanders.

Im Jazz.

Genau.

Seit mehr als 60 Jahren auf der Bühne

Gitte Haenning kam 1946 im dänischen Aarhus zur Welt. Schon mit acht Jahren stand sie mit ihrem Vater auf der Bühne. Ihren großen Durchbruch in Deutschland hatte sie 1963 mit dem Schlager „Ich will ’nen Cowboy als Mann“. Ihr Herz aber gehört dem Jazz. Ende der 1980er Jahre löste sie sich von der populären Musik. Im Oktober 2016 hatte am Theater Lübeck das Musical „Sunset Boulevard“

Premiere mit Gitte Haenning in der Hauptrolle. Sie spielt darin Norma Desmond, einen einst gefeierten Stummfilm-Star (Wiederaufnahme am 7. Dezember).

Interview: Liliane Jolitz

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