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Luther in Bildern

Lübeck Luther in Bildern

Zum Reformationsjubiläum ist die Geschichte Martin Luthers jetzt auch als Comic erhältlich.

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„Luther“-Autoren Johannes Saurer und Ulrike Albers.

Quelle: privat

Lübeck. Lübeck. Der Teufel ist rot und hat lange Ohren. Er kommt in der Nacht, als Schatten an der Wand zunächst, dann fliegt ein Tintenfass durch die Luft. „Hau ab, du Scheusal!“, ruft Martin Luther, aber er hat ihn nicht getroffen.

Die Szene ereignet sich auf Seite 16 eines Comics. „Martin Luther — Ein Mönch verändert die Welt“ heißt er und ist ein weiterer Vorbote des Lutherjahres 2017. Ein halbes Jahrtausend ist es dann her, dass sich in Wittenberg an der Tür der Schlosskirche 95 Thesen angenagelt fanden. Zumindest besagt das die Legende. Das Datum gilt als Zeitenwende, als Meilenstein der Reformation. Und der Mann, der das alles angerichtet hat, steht da und kann nicht anders.

Das 28-Seiten-Heft ist ein Comic für Kinder. Er ist gedacht ab sieben, acht Jahre, sagt Johannes Saurer (63), der ihn mit Ulrike Albers (49) geschaffen hat. Ein gutes halbes Jahr haben sie seit dem Sommer daran gearbeitet, jetzt ist er erschienen. Es ist nicht ihr erster, aber der erste, den sie auf eigene Faust gemacht haben.

Saurer ist Kunsterzieher von Hause aus, arbeitet aber schon lange als Illustrator. Karikaturen, Plattencover, Plakate, Kinderfernsehen wie „Sesamstraße“ und „Little Amadeus“ — der Mann aus Leipzig hat vieles gemacht, auch zusammen mit seiner Partnerin Ulrike Albers, die Kommunikationsdesign studiert und in der Werbung gearbeitet hat.

Seit gut drei Jahren veröffentlichen sie historische Comics für Kinder. Es geht um Schlösser und Burgen, um Städte und Personen. Inzwischen liegen mehr als ein Dutzend Hefte vor, auch eines über Friedrich den Großen. Und als sie nach einem weiteren bedeutenden Deutschen als Thema suchten, lag der Jubilar Martin Luther schon recht nahe.

Ein Leben auf 28 Seiten, zumal eines von der Wucht des Reformators und dann noch für Kinder — da muss man noch sorgfältiger auswählen und gewichten als ohnehin schon bei einer Biografie. Es ist eine Gratwanderung zwischen mutiger Kürzung und historischer Genauigkeit. Vieles kann da nur angedeutet werden, etwa Luthers Antisemitismus, der dann auch in einer kurzen Bemerkung aufscheint. Aber mit Günter Schuchardt von der Wartburg-Stiftung hatten die Autoren einen Berater an der Seite, der die Fakten im Blick behielt.

Saurer und Albers wohnen in Moisburg, südwestlich von Hamburg. Er zeichnet, sie recherchiert, koloriert die Bilder, schreibt die Texte, bereitet die Druckvorlagen vor und kümmert sich um die Vermarktung. Ein Vierteljahr etwa brauchen sie in der Regel für ein Heft. Es sind Auftragsarbeiten meist. Vom „Luther“-Comic aber haben sie 7500 Exemplare auf eigene Rechnung drucken lassen und sich dann Abnehmer gesucht. Die erste Auflage sei schon weg, sagt Ulrike Albers. Die zweite komme, und für die Lutherstadt Wittenberg gebe es eine englische Version.

Es ist nicht der erste Bilder-Band über den Reformator. 2013 ist „Luther“ von Moritz Stetter erschienen, der auch schon ein Heft über Dietrich Bonhoeffer gemacht hatte. Wobei es eigentlich kein Comic ist, sondern eine Graphic Novel, 160 Seiten stark und gedacht für ein älteres Publikum. Auch Werner Tiki Küstenmacher hat sich mit Luther in Bildern beschäftigt.

Graphic Novels, also gezeichnete Romane, führen ihren Anspruch schon im Namen. Sie gelten als eine seriösere Form des Comics, auch wenn der Comic-Verleger und -Forscher Eckart Sackmann von einem „rein marketingtechnischen Ausdruck“ spricht. Bekannt geworden sind vor allem die Arbeiten von Art Spiegelman („Maus“) über den Holocaust und Marjane Satrapis „Persepolis“ über das Leben im Iran nach der Revolution.

Die Comics aus Moisburg indes richten sich in erster Linie an Kinder. Sie sollen „schön, ansprechend und nie gruselig“ sein, meint Johannes Saurer. Und wenn der Teufel doch mal wieder etwas zu wenig teuflisch geraten ist, sagt er: „Ich krieg‘s einfach nicht gruseliger hin.“

95 Thesen zum Ablass

Im Oktober 1517 soll Martin Luther in Wittenberg seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche geschlagen haben. So zumindest geht die Überlieferung. 2017 jährt sich das Ereignis zum 500. Mal. Dann endet auch die 2008 begonnene Luther-Dekade, mit der die evangelische Kirche an das Reformationsjubiläum erinnert.

Ulrike Albers und Johannes Saurer arbeiten derzeit an einem Heft über Cochem an der Mosel. Ein Comic über Goethe würde sie auch reizen, sagen sie, ebenso einer über die Hanse und Hansestädte.

Zu beziehen ist der „Luther-Comic“ (5,95 Euro) per Internet unter

anderem über:

www.evmedienhaus.de oder www.sagen-und-geschichten.de

Peter Intelmann

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