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Kultur im Norden Machtvolle Chöre, tröstliche Stimmen
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20:25 12.07.2014
Matthias Janz vor dem 200-köpfigen Chor und umringt von den Solisten Johanna Winkel, Werner Güra und Roman Trekel (sitzend). Quelle: Olf Malzahn
Lübeck

Felix Mendelssohns „Elias“ war in den letzten Jahren mehrere Male in Lübeck zu hören. Bekannt geworden aber ist der junge Mendelssohn mit dem ersten seiner beiden vollendeten Oratorien, das sich mit dem Apostel Paulus befasst. Der damals 27-jährige Komponist leitete Pfingsten 1836 beim Rheinischen Musikfest in Düsseldorf die Uraufführung. Im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals führte Matthias Janz, geboten 1947 in Lübeck und Ehrenprofessor des Landes Schleswig-Holstein, das melodienreiche Oratorium im Dom zu Lübeck auf.

Janz führte zwei von ihm geprägte Singgemeinschaften zusammen, den Flensburger Bach-Chor und den Symphonischen Chor Hamburg, er hatte damit mehr als 200 Sänger auf der Empore. Hinzu kamen das verstärkte Barockorchester Elbipolis und drei Gesangssolisten mit durchschlagkräftigen Stimmen; einem fast triumphalen Erfolg stand nichts im Wege.

Mendelssohns Oratorium hält sich nicht an die Lebensgeschichte des Paulus, der als Saulus in Tarsus geboren wurde und zu den gelehrten jüdischen Köpfen zählte. Der Theologe Julius Schubring stellte als Librettist eine Textauswahl zusammen, die vom alttestamentlichen Psalter bis zur Offenbarung des Johannes reicht. Nicht die Biografie, sondern die Botschaft des Paulus steht im Vordergrund.

Als Vorspann wird die Leidensgeschichte des Märtyrers Stephanus erzählt, dessen Steinigung Paulus noch als Saulus miterlebte. Dann folgt das Damaskus-Erlebnis: Saulus wird mit Blindheit geschlagen und begegnet in einer Vision dem auferstandenen Christus, der ihn als Paulus mit Beschlag belegt und ins Leiden schickt. Zum Schluss Todesahnung und Todesbereitschaft.

Dass Mendelssohn Bachs Matthäus-Passion wieder entdeckte, ist jedem Musikfreund bekannt. Wie viel er von Bach lernte, hört man aus der „Paulus“-Partitur. Die aufgebrachten Volksmassen rufen statt „Kreuzige ihn“ nun „Steiniget ihn“. Schlichte Choralverse werden in das von romantischem Vollklang geprägte Werk einbezogen.

Janz fasste das Oratorium nicht mit Samthandschuhen an. Zwar wurde am Anfang der Ouvertüre mit dem Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ friedliche Abendstimmung verbreitet, aber nach wenigen Takten bliesen die Posaunen des Jüngsten Gerichts dazwischen. Machtvoll immer wieder die Chöre. Überirdisch schön wurden die Gesangbuchstrophen oder tröstliche Soli dagegen gesetzt.

Meistens berichtet die Sopranistin. Johanna Winkel wechselte vom sachlichen Ton der Erzählerin schnell ins dramatische Fach. Mal berichtend, dann wieder predigend setzte Werner Güra seinen Tenor ein, von der Strafrede des Stephanus bis zu den Schlusshymnen stets präsent. Bassbariton Roman Trekel verwandelte als Paulus die Stentorstimme zu fließenden Linien. Durch eine 40-Minuten-Pause wurde aus dem gut zweistündigen Werk eine Dreistunden-Veranstaltung, die starken Beifall auslöste.

Konrad Dittrich

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