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Kultur im Norden Märchenhaftes und ein aufwühlendes Klavierkonzert
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18:15 26.09.2016
Dynamisch und zupackend: Pianistin Yu Kosuge, 1983 in Tokio geboren, hat unter anderem bei András Schiff in Salzburg studiert. Quelle: Malzahn

„Geklimper“ nennt eine Hörerin in der Pause das Klavierkonzert des Japaners Akira Miyoshi (1933-2013). Leicht zugänglich ist das Werk sicherlich nicht, und für den, der sich auf zeitgenössische Musik nicht einlassen kann, bleibt am Ende nur schnelles, bedeutungsloses Tastengeflirre. Dabei ist die Musik des japanischen Komponisten viel mehr als nur nervös.

Dynamisch und zupackend war das Werk, das sich in der Rotunde der Lübecker MuK im Rahmen des 1. Sinfoniekonzertes des Philharmonischen Orchesters entfaltete.

Am Flügel brillierte Yu Kosuge. Leider spielte sie vor halbleerem Saal. Sie überzeugte durch ein einerseits knallhartes Spiel mit – gewollt – metallischem Anschlag und auf der anderen Seite mit zärtlich weichen Klangfarben. Ja, farbig war die Musik auch, denn der Komponist bediente sich nicht nur in der heimischen Kultur, sondern ließ westliche, zum Teil romantische Phrasen einfließen, die dann gerade im Klavier zu glitzernden Arpeggien führten. Die Lübecker Philharmoniker gingen sehr gut mit, wurden von Generalmusikdirektor Ryusuke Numajiri souverän und in der Bewegung angenehm dezent und pointiert durch die vielschichtigen Klanggebilde geführt.

Eingerahmt wurde das aufwühlende Klavierkonzert von zwei expressionistischen Werken Igor Strawinskys, die auf heutige Hörer allerdings nicht mehr verstörend, sondern recht eingängig wirken: „Der Feuervogel“ (Suite von 1919) und „Petruschka“ (in der revidierten Fassung von 1947). Lautmalerisch und dadurch sehr assoziativ waren beide Werke, auf die sich der Titel des Konzertes bezog: „Märchen aus fernen Ländern“. Das Orchester gestaltete die großen dynamischen Bögen klar und spannungsreich. Numajiri dirigierte technisch eindrucksvoll, in seiner Klarheit und musikalisch inspirierend, indem er immer wieder überraschende Effekte schuf.

Insgesamt ein sehr gelungenes Konzert auf hohem Niveau, dem mehr Hörer zu wünschen gewesen wären.

Cornelia Schoof

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