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Kultur im Norden „Man ist als Musikerin nie fertig“
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11:25 01.04.2016
Felicitas Schiffner mit ihrer Vuillaume-Geige.

Lübeck Felicitas Schiffner spielt (noch) keine Stradivari, doch auch die 18 Jahre alte Lübeckerin hat ein historisches Instrument zur Verfügung. Wie einige andere hochbegabte junge Musiker hat sie es der Deutschen Stiftung Musikleben zu verdanken. Als Preisträgerin eines Wettbewerbs wurde ihr 2015 eine Violine von Jean Baptiste Vuillaume aus dem Jahr 1863 anvertraut, ein Instrument aus Hamburger Familienbesitz. Am kommenden Sonntag wird Felicitas Schiffner damit als Solistin eines Konzerts der Deutschen Streicherphilharmonie im Lübecker Kolosseum zu hören sein. Das Orchester aus Jugendlichen, die alle ein hohes technisches Können vorweisen müssen, spielt unter Chefdirigent Wolfgang Hentrich gemeinsam mit Schiffner das Rondo A-Dur von Franz Schubert (Beginn: 18 Uhr).

Haben Sie bereits Erfahrung mit der Deutschen Streicherphilharmonie?

Felicitas Schiffner: Nein, bisher habe ich noch nicht mit diesem Orchester gespielt, ich lerne es jetzt bei den Proben zum Lübecker Konzert kennen. Sie finden in Rheinsberg in Brandenburg statt.

Das Schubert-Rondo ist ein Bravour-Stück für die Geige. Haben Sie es schon öffentlich gespielt?

Schiffner: Ja, mit meinem Bruder — also mit Klavierbegleitung. Und mit meiner Familie habe ich es ganz privat aufgeführt, als alle meine sechs Geschwister einmal zusammen waren. Sie haben den Streicherpart übernommen.

Wie ist das für Sie, wenn Sie ein Orchester hinter sich wissen?

Schiffner: Mit Orchesterbegleitung macht das Musizieren noch mehr Spaß. Vor allem, wenn das Werk für eine große Besetzung geschrieben ist. Man muss sich allerdings noch gewissenhafter auf solch einen Auftritt vorbereiten.

Sie machen gerade Abitur. Es ist sicher ausgemacht, dass Sie Musik studieren. In Lübeck?

Schiffner: Nee. Zum Studium will ich weggehen. Aber wohin, ist noch nicht spruchreif, erst einmal muss ich die Schule beenden.

Wir haben Sie vor Jahren nach Ihrer Berufsperspektive gefragt. Sie sagten, Sie wollen nicht Solistin, sondern Professorin an einer Hochschule werden. Gilt das noch?

Schiffner: Oh Gott, das habe ich damals nicht so ernst gemeint. Ich ärgere mich inzwischen sogar ein bisschen darüber, dass das immer noch in der Welt ist. Ich möchte schon in Richtung Kammermusik oder auch Solokarriere gehen, das weiß ich inzwischen. Erst einmal aber will ich studieren, und was danach kommt, kommt danach.

Kann man Ihnen an der Musikhochschule überhaupt noch etwas beibringen?

Schiffner. Bestimmt!

Was denn?

Schiffner: Man ist als Musikerin nie fertig. Auch bei einem Werk, an dem man lange gearbeitet hat, kann man noch vieles verbessern. Im Studium sollte man sich auch künstlerisch weiterentwickeln, nicht nur spieltechnisch. Man hat vor allem auch die Chance, sich als Persönlichkeit zu entfalten.

• www.deutsche-streicherphilharmonie.de

Von Interview: Michael Berger

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