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„Man muss junge Kunst fördern“, sagt Susanne Petersen

WAS MICH BEGEISTERT „Man muss junge Kunst fördern“, sagt Susanne Petersen

Die Geschichte des Schlosses Eutin ist mehr als 800 Jahre alt, und sie wird weiter geschrieben.

Die Geschichte des Schlosses Eutin ist mehr als 800 Jahre alt, und sie wird weiter geschrieben. Mein Anliegen ist es, in den Sonderausstellungen vermehrt junge Künstler in und mit unseren Räumen arbeiten zu lassen. Genaugenommen ist das gelebte höfische Tradition! Fürstbischöfe wie Großherzöge haben sich immer am jeweils modernen, zeitgenössischen Stil orientiert – sei es bei der Wahl ihrer Porträtisten oder ihrer „Innenraumgestalter“ wie den Stuckateuren oder Möbelbauern. Derzeit arbeite ich im kleinen Team an der Neukonzeption der Schlossausstellung. Unsere Besucher erwartet dann ab Frühjahr 2018 unser neu gestalteter Südflügel.

 

LN-Bild

Susanne Petersen (37) ist Kunsthistorikerin und seit 2015 Museumsleiterin der Stiftung Schloss Eutin. Während ihres Studiums an der Freien Universität Berlin arbeitete sie für das Galerienetzwerk artnet Berlin. Ihr Volontariat absolvierte sie an der Kunsthalle zu Kiel und war anschließend Projektmanagerin an der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden.

Quelle: Foto: Lutz Roessler

Pflichtprogramm in Eutin: das Ostholstein-Museum mit der unglaublich elegant präsentierten Sammlung im ersten Geschoss. Nur noch bis zum 5. Juni und ideal für den Pfingstausflug sind die Norddeutschen Realisten – Lars Möllers fast hör- und spürbare Ostseebrandungen, Ulf Petermanns spiegelnd regennasse Stadtansichten, Licht- und Schattenspiele von Till Warwas. Ein absoluter Genuss.

Ich freue ich auf die Lesung des Kieler Autors Henning Schöttke in der Sonderausstellung im Schloss aus seinem im Herbst erscheinenden Buch „Superbia“. Darin verarbeitet der Autor literarisch Ideen zu Kunstwerken, die er im Laufe seines Lebens hatte. Als Mathematiker und Comiczeichner vereint er analytisches Denken mit viel Phantasie.

Sommerpflichtprogramm für jeden halbwegs Kunstinteressierten ist Anita Albus in der Kunsthalle zu Kiel (bis 27. August). Absolut antagonistisch zur heutigen Zeit: sehr kleine Formate, extrem langsame Arbeitsweise – selbst hergestellte Farben aus Naturpigmenten, geschichteter Farbauftrag. Den Besucher erwarten minutiös präzise, strahlend, lebendige Portraits fantastischer Pflanzen und Tiere zum niederknien. Kinder werden die Zeit vergessen.

Pflichtprogramm im Juli: Einblick/Ausblick, Rundgang durch die Muthesius Kunsthochschule in Kiel (20. bis 22. Juli). Alle Ateliers sind offen, vom Erstsemester bis zu den Meisterklassen, vom Industriedesign bis zu den Raumstrategien. Näher dran an junger Kunst zu sein geht nicht. Dazu Musik und Fest im Innenhof – traumhaft bei gutem Wetter.

Begeisternd schräg: „Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens“ von Juliana Kálnay. Im Debütroman der ehemaligen Volontärin des Schleswig-Holsteinischen Literaturhauses wimmelt es vor skurrilen Charakteren, surrealen Ereignissen und bösen Kindern. Kálnay ist 29, die Schrulligkeit ihrer Protagonisten lässt eine mindestens 80 jährige Autorin vermuten.

Mein Theatertipp: In der Lübecker Inszenierung von Leonard Bernsteins „Mass“ konfrontieren unter Regie von Tom Ryser mehr als hundert Darsteller ihre Kirche mit ganz persönlichen herausfordernden Fragen (22. Juni und 8. Juli). Das Stück könnte nicht zeitgemäßer sein.

LN

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