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„Manchmal besser als Jeff Koons“

Lübeck „Manchmal besser als Jeff Koons“

Am Donnerstag beginnt die sechste Affordable Art Fair Hamburg. In den Hamburger Messehallen präsentiert sie an vier Tagen bezahlbare zeitgenössische Kunst, will damit Kunst-Neulinge wie auch langjährige Sammler ansprechen. Direktor der Affordable Art Fair ist seit ihrer Gründung im Jahr 2011 der aus Lübeck stammende Oliver Lähndorf.

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Lübeck. Welche Beziehung haben Sie zur zeitgenössischen Kunst?

LN-Bild

Am Donnerstag beginnt die sechste Affordable Art Fair Hamburg. In den Hamburger Messehallen präsentiert sie an vier Tagen bezahlbare zeitgenössische Kunst, will damit Kunst-Neulinge wie auch langjährige Sammler ansprechen. Direktor der Affordable Art Fair ist seit ihrer Gründung im Jahr 2011 der aus Lübeck stammende Oliver Lähndorf.

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Ich komme aus der Film- und Fotobranche, für Kunst habe ich mich aber schon immer interessiert. Die Messe hat dieses Interesse noch verstärkt. Ich habe selbst angefangen zu sammeln, also quasi mein eigenes Format adaptiert. Seit 2011 sammele ich Hamburger Nachwuchskünstler, die ich über die Messe kennengelernt habe. Ich kaufe übrigens, was mir gefällt.

Affordable Art Fair bedeutet Messe für bezahlbare Kunst. Was genau fällt darunter?

Das kann sehr unterschiedlich sein. Auf unserer Messe gibt es Arbeiten für bis zu 7500 Euro – für viele ist das immer noch extrem viel Geld für ein Kunstwerk. Das gilt auch für viele meiner Freunde, die als Akademiker gut ausgebildet sind und einen Job haben. In einer Stadt wie Hamburg hat man andere Sorgen, wenn man Anfang oder Mitte 30 ist: eine Wohnung kaufen, ein Haus bauen. Deshalb sind für viele 1000 Euro schon zuviel. Andererseits gibt es Leute, die locker eine halbe Million oder mehr für ein Kunstwerk ausgeben können.

Wenn jemand bis zu 7500 Euro bezahlen kann, kann er auch in Galerien etwas finden. Wozu also die Messe?

Das stimmt absolut. 80 Prozent der Kunst in Deutschland wird für unter 10000 Euro verkauft. Das Problem ist, dass viele Menschen dies nicht wissen. Viele kennen nur die extrem hohen Zahlen aus den Medien, wenn wieder ein Kunstwerk für 20 Millionen versteigert worden ist. Deshalb kommunizieren wir sehr deutlich, dass viele sich zeitgenössische Kunst leisten können, wenn sie dies wollen.

Dadurch ist die Messe auch ein bisschen lauter und sehr pink. Dabei haben wir auch eine Vermittlungsfunktion, die gut funktioniert. Denn häufig kaufen Menschen zum ersten und zweiten Mal auf der Messe, um sich dann auch in Galerien umzusehen.

Was ist auf der Affordable Art Fair zu finden? Kunst aus Norddeutschland?

30 bis 40 Prozent der Galerien kommen aus dem Norden, weitere aus dem ganzen Bundesgebiet. Aber es gibt auch internationale Kunst. Das ist es, was beim Publikum extrem gut ankommt.

Reicht es, wenn der Preis stimmt, um bei der Messe dabei zu sein?

Der Preis ist ein Rahmen, um Hürden abzubauen. In keiner anderen Kulturbranche sind diese übrigens so hoch wie auf dem Kunstmarkt, was vielfach gewollt ist. Der Kunstmarkt soll elitär sein, über Preise wird deshalb manchmal gar nicht geredet. Zum Glück können wir es uns leisten, auf Qualität zu achten – in diesem Jahr gab es 160 Bewerbungen für die 80 Stände, die zu vergeben sind. Ein Komitee hat die Aufgabe, die beste Kunst herauszufiltern. Da kommt es schon mal vor, dass Galerien schon drei- oder viermal dabei waren, sich aber mit schwachen Künstlern erneut bewerben und deshalb abgelehnt werden.

Der Kunstmarkt, auf dem sich die Superreichen tummeln, ist sehr überhitzt. Wie sieht es bei der bezahlbaren Kunst aus?

Der obere Bereich bläht sich immer weiter auf, die Beträge werden immer absurder. Ein Richter geht ja nicht mehr für weniger als zwei oder drei Millionen weg. Unter anderem durch die jüngste Mehrwertsteuererhöhung haben es Galerien, die im mittleren Preisbereich angesiedelt sind, sehr schwer. Der Einstiegsbereich aber läuft sehr gut. Für Ersparnisse bekommt man keine Zinsen mehr, eine Eigentumswohnung können sich viele nicht mehr leisten. Da steigt die Neigung, sich für 5000 Euro ein Bild zu leisten, an dem man sich erfreuen kann. Davon profitieren wir.

Zu Ihnen kommen viele Menschen, die noch niemals zuvor Kunst gekauft haben. Woran sollen sie sich orientieren? An großen Namen, mit denen Sie ja auch werben?

Bloß nicht.

Sondern?

Auf der Messe sind auch große Namen wie Mack und Uecker vertreten. Und sie verkaufen sich extrem gut. Auch wir müssen dies bieten, denn es gibt Sammler, die gern oder ausschließlich große Namen kaufen. Ich selbst finde es langweilig, nur nach Namen zu kaufen. Gerade eine Messe wie unsere bietet die Chance, einfach mal rüberzugehen und zu sehen, was einen anspricht. Anfängern rate ich, sich in der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg umzusehen, Galerien zu besuchen und Kunstzeitschriften zu lesen, um sich ein Bild machen zu können und dann zu kaufen, was ihnen gefällt und womit sie sich auseinandersetzen können. Wenn die Arbeit später im Wert steigt, können sie sich noch mehr freuen.

Ist teure Kunst gute Kunst?

Nicht unbedingt. Über Preise entscheidet, wie wir beide wissen, der Kunstmarkt. Manchmal gibt es Arbeiten von Nachwuchskünstlern, die vielleicht nur 2000 Euro kosten, die aber besser sind als ein Jeff Koons.

Wie sehr müssen Sie mit dem Messe-Angebot auf den Publikumsgeschmack eingehen und ihm entgegenkommen?

Als Messedirektor kann ich viel reden und mir wünschen, dass Galerien auch konzeptionelle Arbeiten und Videoarbeiten mitbringen, die ich gern mag. Denn die müssen natürlich auch Geld verdienen.

Zwar wäre ich froh, wenn wir noch ein paar jüngere, wildere Galerien mit Mut mehr hätten, die sagen: Ich bringe drei oder vier Künstler mit, auch wenn die sich vielleicht nicht verkaufen. Denen stellt sich aber die Frage, wie die den Stand bezahlen sollen. Mit der Emerging Artist Ausstellung haben wir jedoch einen Bereich für Nachwuchskünstler – Studenten und Absolventen der Hochschule für Bildende Künste –, die noch keine Galerien haben. Die können sich dort austoben in einem Bereich, in dem überhaupt nicht nach dem Verkauf geschielt wird.

Interview: Liliane Jolitz

80 Galerien präsentieren bezahlbare Kunst – zwei Lübecker dabei

Oliver Lähndorf, Direktor der Affordable Art Fair Hamburg, wurde 1974 in Lübeck geboren und ist im Stadtteil Karlshof aufgewachsen. Er hat in Flensburg Betriebswirtschaftslehre und Produktion an der Filmakademie Baden-Württemberg studiert, außerdem absolvierte er ein Aufbaustudium am Institut für Kultur- und Medienmanagement Hamburg. Zehn Jahre lang war er Chef einer eigenen Film- und Fotoproduktion.

Die Affordable Art Fair Hamburg findet zum sechsten Mal statt. Vom 16.-19. November präsentieren 80 deutsche und internationale Galerien zeitgenössische Kunst in der Messe Hamburg:

Malereien, Grafiken, Fotografien und Skulpturen. Aus Lübeck sind die Galerie Koch-Westenhoff und der Kunsthandel Hubertus Hoffschild dabei.

Die Affordable Art Fair wurde 1999 vom Londoner Galeristen Will Ramsay gegründet. Inzwischen gibt es Messen in zehn Metropolen.

Oliver Lã¤hndorf:

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